Nach Eigentümerwechsel in Bad Godesberg

Ab Oktober Italien-Küche im „Aennchen“

Bad Godesberg. Das Traditionslokal „Aennchen“ behält nach der Neueröffnung die berühmte Lindenwirtin im Namen. Das neue Restaurant soll mit französischem Einschlag „à l'Aennchen“ heißen, teilte die Agentur SC Lötters am Donnerstag mit.

Zu Beginn der Renovierungsarbeiten ging außerdem der bislang unbekannte Eigentümer und Betreiber erstmals an die Öffentlichkeit: Khaled Hamed ist Serbe aus Belgrad. „Seine Familie lebt seit mehr als 25 Jahren in Bonn und ist dort fest verwurzelt. Hamed und seine Familie schätzen das Aennchen und so hat er sich zum Kauf entschlossen“, heißt es in der Pressemitteilung.

Der 46-Jährige kaufe in Europa handverlesene Hotels und Restaurants auf, um diese zu bewirtschaften oder bewirtschaften zu lassen. Hameds Ziel sei nicht die schnelle Rendite, sondern die nachhaltige Investition und der Erhalt der gekauften Objekte.

Überwiegend italienische Küche mit rheinischem Einfluss

Fest steht bereits, dass das Aennchen ab Oktober als „modernes gehobenes Restaurant mit überwiegend italienischer Küche mit rheinischen Einflüssen“ eröffnen wird. „Der Käufer setzt somit den Wunsch des Stadtrates um und macht aus dem Traditionslokal wieder ein Schmuckstück im Zentrum der Stadt“, so die Agentur.

Wie berichtet, haben am Dienstag die Renovierungsarbeiten unter der Regie von Malermeister Gregor Cramer und Innenarchitektin Afrodite Thisiadis begonnen. Der Eigentümer möchte die „Tradition der persönlichen Gastlichkeit und der gehobenen Gastronomie wieder aufleben lassen“, für die Lindenwirtin Aennchen Schumacher und die nachfolgenden Betreiber bis zur Schließung bekannt gewesen seien.

„Die Lindenwirtin hat sich in besonderer Weise um ihre Gäste gekümmert und aus einem Besuch ein Erlebnis gemacht, wie ihre Nachfolger auch. Und das werden die neuen Betreiber ebenso,“ erläutert Gregor Cramer.

Die beauftragten Firmen wollen modernisieren, wo dies erforderlich sei, und das in „die Jahre gekommene Erscheinungsbild“ optisch auflockern. „Unser Ziel ist es, die Grundlage für ein langfristig tragfähiges Bewirtschaftungskonzept zu legen“, so Thisiadis.

Der Schriftzug "Zur Lindenwirtin Aennchen" soll erhalten bleiben

Das heutige Aennchen ist ein Nachbau aus den 1970er Jahren, die historische Gaststätte wurde im Zuge der sogenannten „Altstadtsanierung“ 1971 abgerissen. Eine Visualisierung des renovierten Hauses zeigt, dass die verschnörkelte Schrift „Zur Lindenwirtin Aennchen“ im Gegensatz zu den anderen Malereien sichtbar bleiben soll. Die Fassade wird laut Cramer optisch wieder in ihren Urzustand versetzt und einfarbig gestrichen.

Das Bronzerelief, das zum 150. Geburtstag von Aennchen Schumacher 2010 enthüllt wurde, ist verschwunden. Möglicherweise wurde es während des Leerstands von Metalldieben abmontiert oder anderweitig „sichergestellt“. Der neue Eigentümer würde das Kunstwerk von Ernemann Sander gerne wieder an der Fassade anbringen. Erhalten bleiben sollen die Malereien an den Wänden zum Keller, um an vergangene Tage zu erinnern.

Veränderungen gibt es in den Schankräumen, wo das Ambiente insgesamt heller und moderner werden soll. So verschwinden zum Beispiel die dunklen, nachträglich eingezogenen Balken.

„Ganz nach dem Motto 'weniger ist mehr' wird man im à l'Aennchen bald wieder gehobene Küche genießen und über vergangene Zeiten philosophieren können, ganz so, wie es dem Sinne des Wortes Tradition entspricht: der Weitergabe von Handlungsmustern und Gepflogenheiten und nicht von Gebäuden oder Fassaden“, teilen Firmen und Eigentümer mit. Es müsse um die Geschichte gehen, die sich um die Lindenwirtin rankt.

Aennchen Schumacher (1860-1935) übernahm mit 18 Jahren das Gasthaus des Vaters und wurde zum Liebling der Studenten. Zu ihrem 75. Geburtstag soll die musikalische Wirtin 5000 Glückwunschkarten aus der ganzen Welt bekommen haben.