Blitzer in Bad Godesberg

7096 Verstöße in vier Wochen

Der mobile Radaranhänger, den die Stadt sechs Monate lang testet, steht derzeit an der Remagener Straße (B9) in Richtung Oberwinter.

Der mobile Radaranhänger, den die Stadt sechs Monate lang testet, steht derzeit an der Remagener Straße (B9) in Richtung Oberwinter.

Bad Godesberg. In Bad Godesberg gibt es sieben Blitzer auf drei Kilometern. Eine gute Einnahmequelle für die Stadt, denn allein in den vergangenen vier Wochen wurden 7096 Geschwindigkeitsverstöße registriert.

Ein Besuch im schönen Bad Godesberg lohnt sich immer. Autofahrer allerdings, vor allem von außerhalb, ist er nur anzuraten, wenn sie besondere Vorsicht walten lassen. Auf einer Strecke von circa drei Kilometern befinden sich insgesamt sieben Blitzanlagen. Drei in Richtung Bonn und vier in Richtung Remagen.

Zu den Radaranlagen im Tunnel (jeweils zwei für jede Richtung) und den zweien an der Bahnüberführung Pennenfeld ist nun noch eine „semistationäre Geschwindigkeitsüberwachungsanlage“ hinzugekommen. Im September stand sie auf der Remagener Straße in Richtung Bonn, nun hat der kleine graue Anhänger die Straßenseite gewechselt. Warum aber setzt die Stadt auf eine weitere Kamera? „Die Einsatzorte dieser Anlage liegen in Streckenabschnitten, die mit mobilen Geschwindigkeitskontrollen nicht überwacht werden können, oder wo durch temporäre mobile Geschwindigkeitskontrollen die Anzahl der Geschwindigkeitsüberschreitungen nicht gesenkt werden konnte“, sagt dazu Günter Dick, Leiter der Bürgerdienste der Stadt.

Wie berichtet, setzt die Verwaltung die mobile Anlage sechs Monate lang zur Probe im Stadtgebiet ein. Durchaus lukrativ war der Standort an der Remagener Straße (B 9) in Richtung Bonn. Laut Dick blitzte es zwischen dem 14. und 30. September 1819 Mal. Zum Vergleich (kompletter September): Bahnüberführung Pennenfeld in Richtung Bonn – 608 Verstöße, Gegenrichtung – 1384 Verstöße, Godesberger Tunnel Richtung Bonn (beide Kameras)– 1478 Verstöße, Gegenrichtung (beide Kameras) – 1807 Verstöße.

Die Frage, ob ein Autofahrer im Tunnel bei zweimaligem Blitzen auch zweimal zahlen muss, will die Stadt nicht so recht beantworten. „Die Prüfung einer möglichen Doppelahndung erfolgt anhand einer Vielzahl von Kriterien, auf die hier aus verfahrenstechnischen Gründen nicht näher eingegangen werden kann“, sagte Stefanie Zießnitz vom Presseamt. Wie sich die September-Verstöße im Stadtsäckel auswirken, steht laut Zießnitz noch nicht fest; die Verfahren seien nicht abgeschlossen.

Wichtig für Bürgerdienste-Chef Dick: Die Anzahl der Verstöße ist von Beginn der Geschwindigkeitsüberwachung an allen Standorten rückläufig. Im Godesberger Straßentunnel schreibt laut Stadt die Europäische Tunnelrichtlinie eine Überwachung vor – auch vor dem Hintergrund von schweren Unfällen mit Bränden. Ein Grund sind gefährliche Überholmanöver. „Die Radaranlage soll hier helfen die Fahrtgeschwindigkeiten auf ein gleichmäßiges Niveau zu senken“, meint Dick.

Die beiden stationären Geschwindigkeitsmessanlagen im Bereich der Bahnüberführung Pennenfeld seien eingerichtet worden, weil trotz mobiler Messung und Erneuerung des Fahrbahnbelags der Streckenabschnitt eine Unfallhäufungsstelle blieb. „Seit der Einrichtung der stationären Geschwindigkeitskontrollen ist hier die Anzahl der Unfälle erheblich zurückgegangen, die Einstufung als Unfallhäufungsstelle konnte gelöscht werden“, beschreibt Dick einen Erfolg.

Die Temposünder kamen allein im September auf beachtliche Zahlen: Im Tunnel war ein Autofahrer mit 121 statt der erlaubten 50 Stundenkilometer unterwegs, an den Säulen auf der Brücke mit 107 statt der vorgeschriebenen 50 und am Blitz-Anhänger mit 154 statt der zugelassenen 70 Stundenkilometer. Orientiert man sich an schwerwiegenden Vergehen im „Bundeseinheitlichen Tatbestandskatalog“ müssen die Ertappten tief in die Tasche greifen. Für den Tunnel-Fall (plus 71 Kilometer) bedeutet das 680 Euro plus drei Monate Fahrverbot und zwei Punkte. Es handelt sich um ein Vergehen innerhalb geschlossener Ortschaften. Genauso wie bei den Säulen. Hier kosten 57 Stundenkilometer zu viel 280 Euro, zwei Monate Fahrverbot und zwei Punkte.

Der Anhänger hingegen steht außerhalb der geschlossenen Ortschaft – entscheidend ist laut Stadt die Lage der Ortstafeln. Die 84 Kilometer, die der Autofahrer in diesem Fall zu viel 'drauf hatte, kosten ihn 600 Euro, zwei Punkte und drei Monate Fahrverbot.