Kirchensanierung in Bad Godesberg

66.000 neue Schiefer für Sankt Marien

Die Sankt-Marien-Kirche an der Burgstraße ist eingerüstet.

Die Sankt-Marien-Kirche erhält bis Weihnachten ein neues Dach.

Bad Godesberg. Die Sankt-Marien-Kirche an der Burgstraße erhält bis Weihnachten ein neues Dach, zusätzlich werden Schäden am Mauerwerk und im Turm ausgebessert. Zurzeit bringen Dachdecker 66.000 neue Schiefer an.

Ohne Lichtschutzfaktor 30 geht es nicht: In einer Ecke auf dem Gerüst von Sankt Marien steht die Crèmeflasche bereit, wenn Thorsten Harnacke die Sonne mal wieder auf den Pelz brennt. So wie am Mittwoch, da schlug der braun gebrannte Schieferdecker sogar oben ohne die Stifte ins Dach. Zusammen mit seinem Bruder Sascha und Kollege Maximilian Hartz. Es geht voran, langsam aber sicher. Weihnachten sollen alle Arbeiten an der Kirche der katholischen Burgviertelgemeinde erledigt sein.

Nach der Einweihung des neuen Pfarrzentrums vor zwei Jahren gab es eine Routinebegehung des Gotteshauses an der Burgstraße. Ein Dachdecker beanstandete den Schiefer: Nach geschätzt 80 Jahren sah der nicht mehr gut aus und hätte wohl nicht länger als fünf Jahre gehalten. Da für 2018 auch die Erneuerung der Außenanlage ansteht, entschied das Erzbistum, erst die Kirche wieder in Ordnung zu bringen.

„Zunächst wurden der alte Schiefer abgerissen und die Schalung erneuert“, erklärt Architektin Monika Skudelny vom Büro 5b Bau- und Projektmanagement, das auch die Bauleitung beim Neubau am Drachenfels hatte, auf der Baustelle. Dann wurden Vordeckbahnen auf dem Dachstuhl verlegt, jetzt sind die vorgelochten Schiefersteine an der Reihe: 66.600, wie Thorsten Harnacke anhand der bestellten Paletten ausgerechnet hat.

Die Handwerker von der Sauerländer Firma Albers arbeiten zu 80 Prozent auf Kirchendächern. Und das tun sie gern, wie sie sagen. Die Brüder führen die Familientradition fort, schon ihr Vater war Dachdecker. Aufs Sankt-Marien-Dach kommt spanischer Schiefer in Schuppendeckung. Er löst die marode altdeutsche Deckung ab. Eigentlich die Königsdisziplin, wie Thorsten Harnacke sagt: „Für einen Schieferdecker das Beste, was man machen kann.“ Jeder Stein wird vor Ort in Form gebracht. Allerdings hat diese Handarbeit ihren Preis, ist gut ein Drittel teurer.

Die Schieferdecker geben richtig Gas. „Wir arbeiten den Freitag immer raus“, sagen sie. Sie wohnen die Woche über in Ittenbach und können so schon donnerstags nach Feierabend wieder heim ins Sauerland fahren.

„Wir haben im Frühsommer begonnen“, berichtet Skudelny. Regenrinnen, Blitzableiter, Haken für die Dachleitern – alles neu. Doch wenn man schon einmal dabei ist, wird einiges gleich mit repariert. Dazu gehörten ausgewaschene Fugen im Mauerwerk, Schäden an Fenstern und Gauben sowie Balken im Vierungssystem – dort, wo Haupt- und Querschiff zusammentreffen.

Über dem Gewölbe mussten auch die Geländer an den Laufstegen erhöht werden. Einige Podeste im Kirchturm sind schon erneuert, das alte bei den Glocken wird noch ausgetauscht: Das ist keine leichte Aufgabe, da die angeseilten Handwerker erst einmal ein provisorisches Plateau zum Arbeiten einbauen müssen. Auch am kleinen Vierungsturm und an den Kreuzen sind noch Arbeiten zu erledigen.

Wer von außen genau hinschaut, wird die Turmuhren vermissen. Sie liegen beim Maler, der die Zifferblätter restauriert. In drei Wochen soll er damit fertig sein. Auch das Uhrwerk wird überholt. Nach Angaben von Skudelny hat es keine größeren Überraschungen bei der Inspektion der Kirche von 1862 gegeben. Alles in allem wird die Renovierung wohl weniger als eine Million Euro kosten, heißt es beim Kirchengemeindeverband Bad Godesberg.