Sammeln für den guten Zweck

400 Sternsinger in Bad Godesberg

Verschnaufpause im Warmen: Im Jugendtreff Herz-Jesu an der Beethovenallee stärkten sich die Sternensänger bei einem reichhaltigen Mittagessen.

Verschnaufpause im Warmen: Im Jugendtreff Herz-Jesu an der Beethovenallee stärkten sich die Sternensänger bei einem reichhaltigen Mittagessen.

Bad Godesberg. Die Heiligen Drei Könige kämpfen bundesweit mit Nachwuchsproblemen, nicht jedoch in Bad Godesberg. 400 Kinder sammeln für einen guten Zweck.

Dem ein oder anderen sind die Heiligen Drei Könige dieser Tage mit Sicherheit schon über den Weg gelaufen: Zurzeit ziehen Caspar, Melchior und Balthasar nämlich in hundertfacher Ausführung durch die Straßen. Seit dem 3. Januar sind laut der hiesigen Kirchengemeinde knapp 400 Kinder mit Stern und Krone in Bad Godesberg unterwegs und sammeln fleißig Spenden für einen guten Zweck. Anderswo kämpfen die Gemeinden dagegen mit Nachwuchsproblemen – bundesweit habe sich die Zahl der teilnehmenden Kinder fast halbiert, wie das Kindermissionswerk am Donnerstag mitteilte.

„In den Achtziger Jahren haben noch 500 000 Mädchen und Jungen bei den Sternsingern mitgemacht“, zitiert Wolfgang Picken, Pfarrer im Seelsorgebereich Bad Godesberg, die entsprechende Pressemitteilung. „Mittlerweile seien es nur noch knapp 300 000 Kinder, die an der Aktion teilnehmen würden.“ Dem bundesweiten Trend schließe sich Bad Godesberg aber nicht an, so Picken. „Bei uns sind die Teilnehmerzahlen stabil geblieben. Es ist überwältigend und extrem motivierend, dass so viele Kinder und Jugendliche an der Aktion teilnehmen“, erklärt der Pfarrer.

Insgesamt seien es fast 400 Kinder, so Picken. Die größte Sternsingergruppe sei mit 165 Teilnehmern im Rheinviertel unterwegs. Darunter auch viele Kindergartenkinder, die traditionell die Altenheime besuchen. „Das ist vor allem auf unsere gelungene Jugendarbeit zurückzuführen“, sagt Picken. „Die personellen Investitionen zahlen sich aus.“ So gäbe es beispielsweise gleich vier Jugendreferenten für den Seelsorgebereich. Einer von ihnen ist Johannes Hotze. Der gebürtige Essener organisiert das Sternsingen in weiten Teilen des Stadtgebiets östlich der Bahnschienen mit.

Straffer Zeitplan

„Wir kommen jeden Tag gegen halb zehn im Treffpunkt Herz-Jesu zusammen und bereiten uns auf den Tag vor“, beschreibt der 32-Jährige den straffen Zeitplan der Sternsinger. „Die Kinder kommen etwa eine halbe Stunde später und ziehen im Anschluss los.“ Während die Sternsinger unterwegs sind, bereiten Hotze und seine Helfer das Mittagessen vor. Mit dabei ist zum Beispiel Julia Egenolf, Mutter eines Sternensingers. „Ich habe schon letztes Jahr geholfen und finde das ist ein tolles Gemeinschaftserlebnis“, sagt sie. Neben dem Kochen helfe sie zudem mit ihrem eigenen Auto bei dem Transport der Kinder in die Sammelgebiete.„Denn nach dem Essen geht es für die Kinder weiter bis etwa 17 Uhr“, sagt Hotze.

Er bliebe aber meist noch bis fast 22 Uhr vor Ort, um die Spenden zusammenzuzählen und aufzuräumen. „Ein kurzer Zwischenstand von Donnerstagmittag: 4 300 Euro, die von meiner Gruppe für Kinder in Indien gesammelt worden sind.“ Noch ist aber nicht aller Tage Abend: Die Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder läuft nämlich noch bis einschließlich Sonntag und endet mit der Familienmesse um 11 Uhr in St. Evergislus. „Zu den zusammengetragenen Spenden kommen dann noch Überweisungen. Ende übernächster Woche machen wir für die Gemeinde schließlich den Kassensturz“, sagt Picken. Ein erstes vorläufiges Ergebnis will Picken aber schon am Sonntagabend präsentieren, wenn alle Gruppen zurück sind. Im letzten Jahr sei laut dem Pfarrer die rekordverdächtige Summe von 57 000 Euro zusammengekommen.

Ein Betrag, der die Sternensinger bei ihrer Arbeit motiviert. „Es soll noch mehr werden“, hat sich Konstantin vorgenommen. Der Zehnjährige ist schon im siebten Jahr als Sternsinger unterwegs. „Mir macht es viel Spaß, anderen Kindern zu helfen, die es nicht so gut haben wie ich.“