Fehler bei Kanalerneuerung in Bad Godesberg

200.000 Euro Schaden für Hauseigentümer

Der Schaden am Haus ist beträchtlich, wie der linke Teil unserer Bild-Kombo zeigt. Rechts ist Hauseigentümer Michael Radke zu sehen.

BAD GODESBERG. Böse Folgen einer Kanalerneuerung im Auftrag der Stadt: Weil die beauftragte Baufirma in Bad Godesberg offenbar einen kapitalen Fehler machte, hat Hauseigentümer Michael Radke nach eigenen Angaben einen Schaden von rund 200.000 Euro erlitten.

Den 5. Juni 2011 wird Michael Radke (60) nie vergessen. Es hatte stark geregnet, und plötzlich verwandelte sich das Untergeschoss seines Mehrfamilienhauses Am Lenkert 54 in eine einzige Kloake. Garage, Keller, Arbeitszimmer - überall stand stinkendes Fäkalabwasser. Die Feuerwehr pumpte ab, eine Kanalreinigungsfirma versuchte die ganze Nacht, die Abflüsse frei zu bekommen. Vergeblich.

Kein Wunder: Alle Abflussrohre unter der Bodenplatte sowie die Ringdrainage um das Haus, in dem Radke und zwei Mietparteien wohnen, waren zubetoniert. Eine Baufirma, die im Auftrag der Stadt den Kanal in der Straße erneuerte, hatte vergessen, Radkes Haus anzuschließen. Als dann der alte Kanal verfüllt wurde, strömte der Flüssigbeton in die Abflussrohre des Gebäudes und härtete aus.

Die Reparaturen zogen sich ein Jahr hin. Radke schaltete ein Architektenbüro ein: "Das bekommen Sie sonst allein gar nicht geregelt", sagt der Jurist aus dem Verteidigungsministerium. "Unter anderem musste die Bodenplatte des Hauses aufgerissen werden, um die Leitungen zu ersetzen. Rund ums Haus musste ausgeschachtet werden." Einschließlich des beschädigten Inventars beziffert Radke den Gesamtschaden auf rund 200.000 Euro.

Die Baufirma aus Aachen reagierte gestern nicht auf eine GA-Anfrage. Die VHV-Gruppe, bei der die Firma versichert ist, bestätigte den Fall jedoch. Man habe einen Sachverständigen eingeschaltet und bisher 72.456 Euro gezahlt, berichtete VHV-Sprecher Nils Dettmann.

Die Versicherung bestreitet nicht, dass die Reparaturkosten höher liegen, nimmt aber einen "Abzug neu für alt" vor. Das Argument: Das Haus aus den 50er Jahren habe nach den Arbeiten einen höheren Wiederverkaufswert - davon profitiere der Eigentümer.

"Das Gebäude ist 1995 grundsaniert worden, war also noch auf einem guten Stand", widerspricht Radke, der den Schaden komplett ersetzt haben will. Er hat deshalb die Baufirma verklagt. Die Versicherung wartet das Ergebnis des Verfahrens ab.

Radke fühlt sich von der Stadt im Stich gelassen. Das Tiefbauamt hatte zwar zu Beginn einen Gutachter bestellt, zudem das geflutete Geschoss ausräumen, Trockenarbeiten und Möbelreparaturen ausführen lassen. Dafür zweigte es aber später 10.000 Euro von der Versicherungssumme ab, die zum Teil über die Verwaltung an Radke geflossen war: Er bekam also bisher nur rund 62.000 Euro.

 "Die Stadt war Auftraggeber der Kanalarbeiten", sagt er. "Also muss sie mit haften und alles tun, um zu helfen." Das sei nicht geschehen. Auch eine Entschuldigung habe es nie gegeben. 80.000 Euro Kredit hat Radke aufnehmen müssen, um die Handwerker zu bezahlen, sagt er. "Ohne die gute Bonität eines Beamten hätte ich das Haus verkaufen müssen."

Das sagt die Stadtverwaltung
Das Tiefbauamt betont, mit etlichen Sofortmaßnahmen in Vorleistung getreten zu sein (siehe oben). Dafür behielt es später 10.000 Euro der Versicherungszahlung ein. Die Schadensregulierung sei eine Sache zwischen Radke und der Versicherung der Baufirma. "Wir können doch dafür keine Steuergelder ausgeben", sagt ein leitender Mitarbeiter des Amtes. In einer schriftlichen Erklärung drückte die Stadt gestern ihr "außerordentliches Bedauern" aus. Solche Fälle seien aber bei durchschnittlich 40 Kanalbaumaßnahmen im Jahr die Ausnahme. In den vergangenen drei Jahren habe es zwei weitere Fälle gegeben: 2010 an der Poppelsdorfer Allee und 2012 an der Oberen Wilhelmstraße.