Berufsmesse in der Stadthalle

20 Unternehmen werben in Bad Godesberg für Inklusion

Einige Hundert Bewerber warten auf die Möglichkeit des Vorstellungsgesprächs bei einem der 20 Aussteller.

Einige Hundert Bewerber warten auf die Möglichkeit des Vorstellungsgesprächs bei einem der 20 Aussteller.

Bad Godesberg. Die zweite Berufsmesse für Menschen mit Behinderung in der Bad Godesberger Stadthalle zog am Mittwoch mehrere Hundert Bewerber an. 20 Unternehmen aus Bonn und der Region boten inklusive Jobs an.

Rund 60 Prozent der arbeitslosen Menschen mit Behinderung sind Fachkräfte. Um Vorurteile und Berührungsängste bei den potenziell suchenden Arbeitgebern abzubauen, veranstalteten die Bonner Bundesagentur für Arbeit sowie die Jobcenter Bonn und Rhein-Sieg am Mittwoch bereits im zweiten Jahr die Berufsmesse „Stelldichein – Job(fair)bindet“ für Menschen mit Behinderung in der Bad Godesberger Stadthalle.

„Schon im vergangenen Jahr ist unsere erste Berufsmesse, die sich ganz dem Thema Inklusion widmete, sowohl von den Bewerberinnen und Bewerbern als auch den Unternehmen gut angenommen worden“, so Ralf Steinhauer, zuständiger Bereichsleiter der Agentur für Arbeit Bonn/Rhein-Sieg. So konnten sich im vorigen Jahr rund 230 Bewerber bei 13 Unternehmen vorstellen. Von mehr als 60 Bewerbern ist bekannt, dass sie im Zusammenhang mit der Veranstaltung einen Arbeitsplatz fanden.

Zur diesjährigen Messe konnten die Veranstalter die Anzahl der Aussteller nahezu verdoppeln. Auch die Bewerberzahl zeigte mit mehr als 450 Anmeldungen, dass sich der Erfolg der ersten Berufsmesse herumgesprochen hatte. „Hier kommt ein sehr breites Spektrum von Qualifikationen zusammen“, stellte auch Leander Kuchenbuch als Ansprechpartner der Deutschen Post fest. „Die meisten Arbeitgeber haben immer wieder Bedenken, was die Einstellung von behinderten Menschen angeht“, sagte Kuchenbuch, um davon zu berichten, welch positive Erfahrungen er in seinem Unternehmen mit Behinderten macht. „Viele wissen nicht, wie man mit den behinderten Mitarbeitern umgeht und haben Berührungsängste“, dabei seien die Menschen meist extrem motiviert.

Arbeitsmarkt zugänglich machen

Aus diesem Grund hat sich das Netzwerk „bonn-rhein-sieg-fairbindet“ gebildet, dem neben der Stadt Bonn, dem Rhein-Sieg-Kreis, der IHK Bonn/Rhein-Sieg, der Arbeitsagentur Bonn auch regionale Wirtschafts- und Sozialunternehmen sowie Vertreter von Menschen mit Behinderung angehören, die ihre im regionalen Arbeitsmarkt gemachten Erfahrungen für Arbeitgeber und Arbeitssuchende mit Behinderung zugänglich machen.

Auch wenn manche Menschen mit einer Behinderung ab 50 Prozent den regulären Stellenanforderungen nicht immer gerecht werden, können sie oft viele verantwortliche Aufgaben übernehmen. Gefragt sind dann Alternativen zur regulären Festanstellung, von denen beide Seiten profitieren können, so die Ansicht vom Netzwerk „fairbindet“. „Unsere Erfahrung zeigt“, so Ralf Holtkötter, Geschäftsführer des Jobcenters Rhein-Sieg, „dass es wichtig ist, dass der Mensch zum Unternehmen passt. Alles andere kann man regeln.“

Auch Wolfgang Pütz vom Bonner Verein für gemeindenahe Psychiatrie weiß: „Erfahrungsgemäß sind inklusive Bewerber oft qualifiziert und ein Gewinn für die ganze Belegschaft. Sie entlasten überbeanspruchte Kollegen und vor allem bringen sie meist eine tiefe Zufriedenheit mit, die auch auf das Team ausstrahlt.“

Seit mehr als einem halben Jahr ist Sandra Zielezny (29) arbeitslos. Ihr wurde eine Lernbehinderung attestiert, die letztlich dazu führte, dass sie ihre achtjährige Tätigkeit in einem Kindergarten verlor. Auf der Berufsmesse wurde ihr die Möglichkeit geboten, in einem Callcenter zu arbeiten. „Aber eigentlich möchte ich wieder mit Kindern arbeiten. Aber ohne Abitur habe ich da keine Chance.“