Rheinfähre Godesberg - Niederdollendorf

Übernahmepläne durch Stadtwerke offenbar vom Tisch

Unterwegs nach Bad Godesberg: Die "Konrad Adenauer" im Einsatz.

BAD GODESBERG. Neubau eines Fährschiffes wegen strenger Auflagen der EU, Verkauf der Anteile der Städte Bonn und Königswinter, Eingliederung der Gesellschaft in die Stadtwerke - was war in den vergangenen eineinhalb Jahren von der Rheinfähre zwischen Bad Godesberg und Niederdollendorf nicht alles zu hören und zu lesen gewesen. Nun scheinen all diese Überlegungen vom Tisch.

Nach aktuellem Stand der Dinge wird es weder ein neues Fährschiff noch eine Übernahme durch die Stadtwerke geben. Vielmehr soll für die Autoschnellfähre (ASF) GmbH vorerst Alles beim Alten bleiben.

Das geht aus aktuellen Beschlüssen der Gesellschafterversammlung hervor, mit dem in diesen Tagen noch die zuständigen Ratsgremien in Bonn und Königswinter betraut sind. Die Bundesstadt ist zu drei Vierteln, die Drachenfelsstadt zu einem Viertel an dem Fährbetrieb beteiligt.

"Statt eines Neubaus wird eine Modernisierung des Fährschiffes Konrad Adenauer beschlossen", entschied die Gesellschafterversammlung vorbehaltlich entsprechender Angebote von Sachverständigen. Die Nachricht, dass die Fährschiffe von EU-Richtlinien zum Emissionsschutz in ihrer Existenz bedroht seien und ihnen, überspitzt gesagt, die baldige Verschrottung drohe - sorgenvolle Kommunalpolitiker waren da bereits zu alarmierenden Ortsterminen auf der Fähre zusammengekommen -, entpuppte sich zuletzt dann doch als etwas übertrieben.

Richtig ist allerdings, dass die Betriebsgenehmigungen für die beiden in den Jahren 1966 und 1967 in Dienst gestellten Schiffe in den nächsten Jahren auslaufen und mit den nächsten Terminen beim "Schiffs-TÜV" zwangsläufig Modernisierungen anstehen.

Die sollen nach dem Willen der Gesellschafter auf die "Konrad Adenauer", die Größere der beiden Fähren, beschränkt werden. Auf rund 1,4 Millionen Euro wird das Investitionsvolumen im Gutachten einer Bonner Wirtschaftsprüfungsgesellschaft beziffert. Der Neubau eines Fährschiffes hingegen wird darin auf 3,15 Millionen Euro veranschlagt.

Möglich wäre er demnach nur dann, wenn die beiden Städte einen Betriebskostenzuschuss in Höhe von zusammen 40.000 Euro pro Jahr (in Relation ihrer Anteile) zuschießen würden - Geld, das weder hüben noch drüben jemand übrig hat. Mit der Modernisierung der "Konrad Adenauer" würde der Unternehmenswert laut Gutachter um mehr als 320.000 Euro steigen.

Angesichts dessen schien die Alternative, eine Übertragung der ASF an die SWB für einen Euro, wie dies als Angebot im Raume gestanden hatte, vor allem den Königswinterern als unattraktiv. Sollten die Bonner die SWB-Lösung dennoch weiterverfolgen, müssten sie den Nachbarn am Siebengebirge wohl eine etwas schmackhaftere Ablöse bieten. Die aber gäbe auch der Bonner Haushalt kaum her.

Die Fähre in Zahlen:
Etwa zwölf Mal pro Stunde quert die Fähre zwischen Plittersdorf und Niederdollendorf den Rhein, das macht knapp 70.000 Überfahrten pro Jahr.Die Umsatzerlöse lagen 2010 bei rund 650.000 Euro, etwa die Hälfte davon entfielen auf den Autoverkehr. Pro Stunde werden 27 Liter Treibstoff verbraucht. Rückschläge in der seit 1908 währenden Unternehmensgeschichte waren der Bau der Südbrücke 1973 (Umsatzeinbruch von 63 Prozent) und der Berlin-Umzug in den Jahren nach 1998 mit nochmals hohen Umsatzeinbußen.