Österreicherball in Bad Godesberg

Österreichische Gesellschaft bringt Opernball in die Redoute

Bad Godesberg. Die Österreichische Gesellschaft Bonn lud zum festlichen Abend nach Bad Godesberg ein. Seit 1989 treffen sich die Mitglieder einmal jährlich zum Tanz - nach dem Vorbild des Wiener Opernballs.

Das Ballkleid ist für die Damen Pflicht beim österreichischen Ball – je opulenter, desto besser. Bei den Herren sollte es schon Frack oder Smoking sein. Allerdings gelte beim „Österreicherball“ in der Godesberger Redoute nicht Frackzwang wie beim Wiener Opernball, erklärte Gastgeber Jürgen Em. Gleichwohl versuche man sich eng ans Protokoll des Originals zu halten.

Em ist Präsident der Österreichischen Gesellschaft Bonn und schlägt mit der edlen Veranstaltung seit 1989 eine kulturelle Brücke zwischen Deutschland und den Nachbarn im Süden. Und das findet Anklang, die Bälle sind stets ausverkauft. Dass es am Samstagabend nur 200 Gäste waren, lag Em zufolge an der Grippewelle. Zum zweiten Mal waren Angelika und Hans-Jürgen Basdorf aus Köln gekommen. Sein Auftreten war für österreichische Verhältnisse gewagt. „In Wien wäre die rote Fliege nicht möglich“, scherzte seine Frau.

Die beiden nutzten nicht nur die Gelegenheit, ihre feine Abendgarderobe auszuführen, sie tanzen gerne – gemeinsam seit 1979, aber gelernt haben sie es beide schon in der Schulzeit. „Das ist ein schöner Sport“, sagte sie. „Und wir fahren gerne über Silvester nach Wien zum Ball in der Hofburg.“ Sie mögen das Flair und die Tradition und waren begeistert, als sie vergangenes Jahr erstmals mit Freunden in die Redoute kamen. „Das ist hier ist das Gleiche in klein.“

Der jüngste Tänzer ist um die 30, der älteste wird bald 90

Em begrüßte das Publikum mit dem traditionellen Lied „Grüß euch Gott alle miteinander, alle miteinander grüß euch Gott“, das die Besucher im Chor wiederholten. Das war nur der Anfang einer streng festgelegten Programmabfolge: Die Eröffnungspolonaise präsentierten Tanzpaare der Tanzschule Zettler aus Bad Neuenahr-Ahrweiler. Die Showeinlage im Lauf des Abends bot der Wiener Opernsänger Gerhard Ernst, auch Schauspieler von der Volksoper Wien und den Bonner Operngängern als Milchmann Tevje im Musical Anatevka in Erinnerung. Und nach Mitternacht leitete Tanzmeister Michael Pinnisch, ehemaliger Solotänzer der Wiener Staatsoper, die Publikumsquadrille an, bei der Tanzpaare ein Quadrat auf der Tanzfläche bilden.

Daneben wurde getanzt – Em gab dazu die Aufforderung „Alles Walzer!“ – und geplaudert. Das Publikum war sehr gemischt, die jüngsten Tänzer waren um die 30, der älteste wird bald 90 Jahre alt. Erstmals war der österreichische Generalkonsul Gerhard Lutz aus Berlin gekommen. „Ich finde die Location sensationell“, sagte er. Für diesen Rahmen passe sie sehr gut. Einen österreichischen Ball könne man nicht in jedem beliebigen Saal veranstalten. Immerhin, erklärte Em, habe die Redoute auch österreichische Wurzeln, gebaut als Ballhaus unter Kurfürst Maximilian Franz von Österreich.

Er tanze schon seit der Studentenzeit auf solchen Ereignissen, sagte Lutz. „Damals musste ich alle Bälle eröffnen. Denn in meiner Tanzschule gab es immer mehr Mädchen als Buben.“ Nach Bad Godesberg in die Redoute, sagte er, komme er sehr gerne wieder.

Getanzt wurde, so kündigte Em zu Beginn an, nicht der zackige preußische „Eins, zwei, drei“-Walzer, sondern die legere österreichische Form: „Eins, zwei und dann vielleicht drei.“ Eine Tradition des Wiener Opernballs, so der Gastgeber, werde in der Redoute allerdings nicht gepflegt: „In den Logen in Wien wurden auch Wirtschaftsgespräche geführt.“ Und das sei noch heute so.