Stadt will Säulen entfernen

Öffentliche Telefone in Bad Godesberg stehen im Weg

Bad Godesberg. Es gibt sie immer noch, obwohl heutzutage jeder ein Handy hat: öffentliche Telefone. Die Geräte am Theaterplatz funktionieren allerdings nicht. Betreiber und Stadt streiten sich seit 2015 um eine Nutzungsgenehmigung.

Was ist blau, funktioniert nicht, steht unnütz in der Gegend rum und wird meist übersehen? Es handelt sich um die in der ganzen Stadt verstreuten Telefonstellen aus Zeiten, als für jedes Gespräch noch taktweise Geld gezahlt wurde und nicht jeder mit seinem eigenen Handy durch die Gegend lief. Komischerweise fallen die Geräte im Vorbeigehen kaum auf. So stehen gleich zwei von ihnen an der Stelle, wo sich die Fußgängerzone zum Theaterplatz hin öffnet – eigentlich mitten im Weg.

Es bietet sich kein schönes Bild: Der Regenschutz ist mit Graffiti beschmiert, an einem Hörer hängen die Leitungen heraus, zerbrochen ist er auch noch. Am Fernsprecher gegenüber scheint die Ohrmuschel zwar noch in Takt zu sein, man möchte sie aber, so schmuddelig wie sie aussieht, lieber nicht direkt ans Ohr halten. Hebt man sie von der Gabel, tut sich nichts: Kein Freizeichen, kein Hinweis auf dem Bildschirm. Auch wenn das Gespräch – als „super billig“ angepriesen – nur fünf Cent kosten soll, nutzt es nichts, wenn die Münze nachher auf Nimmerwiedersehen verschwindet. Käme das klobige Ensemble an dieser Stelle weg, hätten die Passanten eine bessere Sicht auf die City und der Karnevalszug an der engen Stelle mehr Platz.

Kein Geld, um Telefone abzubauen

„Bereits seit vielen Jahren versucht die Stadt Bonn, die Säulen aus dem Stadtbild zu entfernen“, teilt Andreas Schulte vom Presseamt der Verwaltung mit. „Die Sondernutzungsgenehmigung der Firma ist im Februar 2015 ausgelaufen und nicht verlängert worden, weil die Telefonzellen nicht instand gehalten wurden.“ Dagegen habe die Firma Klage beim Verwaltungsgericht Köln eingereicht. Schulte: „Das erste Verfahren hat die Stadt gewonnen, es wurde aber Berufung eingereicht.“ Das habe bisher keinen Verhandlungstermin genannt.

Ursprünglicher Betreiber der Telefonboxen war die Firma Tele-Ruf, die später von der mittlerweile insolventen Tixe Communications GmbH übernommen wurde. Wie der GA berichtete, wurde laut dem Insolvenzverwalter die Masse verteilt, so dass kein Geld mehr da war, um die Telefone abzureißen. Käufer der Insolvenzmasse war die 365 AG aus Köln. Die Firma bestritt die Aussage der Stadt, dass die Säulen nicht gewartet wurden und zog vor Gericht. Zum Januar 2016 sind die Telefonzellen nach Angaben von 365 AG erneut verkauft worden. Blaue Apparate stehen auch nur ein paar Schritte vom Theaterplatz entfernt vor der Parfümerie Rüdell (Alte Bahnhofstraße) sowie am Bertha-von-Suttner-Platz, am Bonner Hauptbahnhof, Kaiserplatz, Bischofsplatz und Am Hof sowie an der Kölnstraße 88 und Adolfstraße 47.

Auch die Telekom betreibt noch Telefonstationen in der Stadt, veröffentlicht aber keine regionalen Zahlen. „Die Bedeutung der Telefonzelle hat mit dem Siegeszug des Handys abgenommen“, teilt Sprecher André Hofmann mit. Statistisch gesehen habe jeder Deutsche mindestens ein Mobiltelefon. Bundesweit gebe es noch rund 20.000 Telefonzellen, die die Deutsche Telekom betreibt. Auch Alternativanbieter seien auf dem Markt. „Es gibt immer noch Orte mit einer hohen Nutzung, etwa Flughäfen oder Bahnhöfe“, versichert Hofmann. Der Unterhalt einer Telefonzelle kostet Geld: für Strom, Standortmiete und Wartung. „Mit der Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbänden wurde deshalb vereinbart: Die Telekom darf Städte und Gemeinden wegen eines Abbaus ansprechen, wenn auf deren Gebiet extrem unwirtschaftliche öffentliche Fernsprecher mit einem Umsatz von weniger als 50 Euro pro Monat stehen“, so der Sprecher. „Der Umsatz ist ein klares Indiz dafür, dass der Wunsch nach einer Grundversorgung durch die Bevölkerung an dieser Stelle offensichtlich nicht mehr besteht.“ Wenn die Gemeinde einem Standort trotzdem behalten wolle, könne als Alternative ein Basistelefon ohne Wetterschutz und Beleuchtung aufgestellt werden. „Wir informieren die Gemeinde immer. Es wird nichts einfach so über Nacht abgebaut“, sagt Hofmann.