Palais Schaumburg

Zweiter Dienstsitz des Bundeskanzleramts wird für 6,5 Millionen Euro saniert

BONN. Im Sommer müssen die 20 Mitarbeiter am zweiten Dienstsitz des Bundeskanzleramts im Palais Schaumburg umziehen. Anders als viele ihrer Kollegen wechseln sie indes nicht nach Berlin, sondern lediglich in ein Ausweichquartier: Sie werden vorübergehend im Gebäude des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung in der Welckerstraße untergebracht. Grund: Der Bund als Eigentümer wird das 1860 schlossartige errichtete Palais ab August für 6,5 Millionen sanieren.

Auch wenn sich Bundeskanzlerin Angela Merkel doch die meiste Zeit an der Spree aufhält, so ist ihr zweiter Dienstsitz für viele Menschen ein beliebtes Ziel. Im vorigen Oktober kamen dort zum Beispiel alle Fraktionsvorsitzenden von CDU und CSU aus den Landtagen, dem Bundestag und dem Europaparlament im Rahmen einer Konferenz zusammen, um das geschichtsträchtige Gebäude zu besichtigen. Regelmäßig lange Schlangen bilden sich, wenn das Haus zum Tag der Offenen Tür einlädt.

Und weil es schon mehr als 150 Jahre auf dem Buckel hat, entspricht es längst nicht mehr den aktuellen Brandschutzbestimmungen. Ein Großteil des Geldes fließe deshalb in Brandschutzmaßnahmen, hieß es aus dem Kanzleramt auf GA-Nachfrage. Ebenso soll die gesamte Hausinfrastruktur, wozu auch die Elektrik zählt, auf den neuesten Stand gebracht werden. Etwa drei Jahre Bauzeit hat der Bund veranschlagt. Während dieser Zeit bleibt das Palais für Besucher tabu. Führungen soll es deshalb nur noch bis Ende Juli geben.

 Bei den beiden Bonner Bundestagsabgeordneten Katja Dörner (Grüne) und Ulrich Kelber (SPD) sorgte die Nachricht von der anstehenden Sanierung des Palais Schaumburg für Freude. "Das ist wirklich einmal eine gute Nachricht. Vor allem die Tatsache, dass die Arbeiten beginnen und nicht nur irgendwann geplant sind", sagte Kelber.

Der Bund zeige damit, dass er sich um das gemeinsame geschichtliche Erbe der Bundesrepublik in Bonn kümmere. "Das wünschte ich mir auch für das Bundesgästehaus auf dem Petersberg", sagte Kelber. Auch Katja Dörner lobte, der Bund setze damit ein Signal für die Bundesstadt Bonn, dass er auch die dortigen Liegenschaften in Schuss halten wolle. "Schön, dass uns beim Palais Schaumburg eine Diskussion wie um die Villa Hammerschmidt erspart bleibt", sagte die Abgeordnete.

 Damit spielte Dörner auf den Vorstoß der Linksfraktion im Bundestag an, die Bundespräsidenten Joachim Gauck aufgefordert hatte, seinen zweiten Dienstsitz in der gleich neben dem Palais Schaumburg gelegenen Villa Hammerschmidt an der Adenauerallee aufgrund seiner seltenen Aufenthalte dort aufzugeben.

 Das Palais, nach seinem zweiten Besitzer Prinz zu Schaumburg-Lippe benannt, war von 1949 bis 1976 erster Dienstsitz des Bundeskanzlers, der danach bis zum Regierungszug 1999 im Neubau an der Görresstraße regierte. In dem Gebäude, dem nachgesagt wird, es habe den "Charme einer rheinischen Sparkasse", ist heute das Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung mit erstem Dienstsitz zu Hause.