Zu Besuch in Adenauers Teehaus

Die Sanierungen von Konrad Adenauers Teehaus im Park des Palais Schaumburg sind abgeschlossen. Nun wird der Pavillon wieder in Führungen einbezogen.

Bonn. Sie hat den Alten aus Rhöndorf selbst erlebt, in diesem bescheidenen Raum mit dem fantastischen Blick auf den Rhein. "Adenauer hat die US-Presse immer ins Teehaus eingeladen, bevor er nach Amerika reiste", erzählte die Bonner Journalistin Wanda Menke-Glückert, die damals unter anderem fürs Time-Magazin geschrieben hat.

Nach einem dieser Gespräche, erinnert sich die 80-Jährige, habe eine Nachrichtenagentur verbreitet, Adenauer habe die Beseitigung der DDR-Mauer gefordert. "Das schlug gewaltige Wellen. Aber ich hatte seine Worte mitstenografiert und wusste: Die Meldung war falsch."

Am Donnerstag kehrte Wanda Menke-Glückert nach langer Zeit wieder ins Teehaus zurück. Die Sanierung des Pavillons am Rheinufer - unterhalb des Kanzlerbungalows - ist abgeschlossen. Das Fundament wurde ausgebessert, der Anstrich erneuert, Feuchtigkeitsschäden wurden behoben. Jetzt sind Veranstaltungen im Teehaus geplant. Die Besucher-Führungen im Kanzlerbungalow werden zudem auf den Pavillon ausgeweitet.

"Nun ist die Sanierung des Ensembles mit Palais und Bungalow vollendet", sagte Hans-Jürgen Beerfeltz, Staatssekretär im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), das Hausherr der "schönsten aller denkbaren Liegenschaften in Bonn" ist.

Das BMZ wolle Geschichte lebendig erhalten: Nicht nur mit Führungen, die vom Haus der Geschichte organisiert werden, sondern auch mit einer neuen Reihe vertraulicher Gespräche im Teehaus. Beim "Tête-à-Tête" will Beerfeltz Vertreter aus Wirtschaft und Gesellschaft einladen, um sie für entwicklungspolitisches Engagement zu begeistern.

Der Pavillon mit dem 25 Quadratmeter großen Innenraum wurde 1955 auf Wunsch von Konrad Adenauer erbaut - und zwar in "schlichtester Ausstattung", wie Hans Walter Hütter vom Haus der Geschichte berichtete. "Dafür sorgte der Haushaltsausschuss des Bundestages", erklärte der Stiftungspräsident schmunzelnd.

Adenauer habe sich gern ins Teehaus zurückgezogen, um dem Getriebe des Kanzleramtes zu entfliehen. Das brachte dem Teehaus im Volksmund den Spitznamen "Konradsruh" ein. US-Präsident Gerald Ford saß dort 1975 mit dem damaligen Kanzler Helmut Schmidt in vertraulicher Runde. Schmidts Frau Loki, so berichtet Hütter, nutzte das Teehaus gern, um an ihrem ersten Buch zu schreiben.

Das BMZ spendierte 45 000 Euro für die Pavillon-Erneuerung, 100 000 Euro kamen von der Wüstenrot-Stiftung. Einschließlich der Sanierung des Kanzlerbungalows habe man 1,8 Millionen Euro aufgebracht, erläuterte Stiftungs-Geschäftsführer Philip Kurz. Knapp 500 000 Euro seien als Anschubfinanzierung für das Nutzungsprogramm gedacht. Kurz: "Wir möchten, dass Geschichte an diesem Ort noch lebendiger wird."

Führungen können beim Besucherdienst des Hauses der Geschichte gebucht werden unter telefon (02 28) 91 65 400 (wochentags 9 bis 16 Uhr). Sie sind allerdings oft Monate im Voraus ausgebucht.