Wolfgang Albers geht nach Köln

Geht als Polizeipräsident nach Köln: Am 4. Oktober wird Wolfgang Albers seinen Dienst in der Domstadt antreten.

Geht als Polizeipräsident nach Köln: Am 4. Oktober wird Wolfgang Albers seinen Dienst in der Domstadt antreten.

Wolfgang Albers verabschiedet sich mit einem Paukenschlag aus Bonn: Einen Tag nach dem Deutschlandfest wird er sein neues Amt als Kölner Polizeipräsident antreten.

Bonn. Wolfgang Albers verabschiedet sich mit einem Paukenschlag aus Bonn: Einen Tag nach dem Deutschlandfest wird er sein neues Amt als Kölner Polizeipräsident antreten.

"Den Einsatz verantworte ich natürlich noch. Und dann geht's los", sagte Albers gestern. Zuvor hatte das Kabinett in Düsseldorf entschieden, dass der 55-Jährige der Nachfolger von Klaus Steffenhagen wird. Nach GA-Informationen scheint es so zu sein, dass eine Frau, die eine Führungsposition im Landesinnenministerium innehat, die Leitung der Bonner Behörde übernimmt. Ein Parteibuch soll sie nicht haben.

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"Wolfgang Albers hat als langjähriger Bonner Polizeichef große Erfahrung in der Leitung eines Polizeipräsidiums", erklärte Innenminister Ralf Jäger. Zur Nachfolgerin wollte sich das NRW-Innenministerium gestern nicht äußern. "Es gibt Gespräche, aber das läuft im politischen Bereich ab", sagte Sprecher Wolfgang Beus.

"Ich fühle mich gut und freue mich auf die neue Aufgabe", sagte Albers, der als Kölner Polizeipräsident für die Sicherheit der rund 1,2 Millionen Menschen in Köln und Leverkusen verantwortlich sein wird. Allerdings verlasse er Bonn mit einem lachenden und einem weinenden Auge. "Ich habe die vergangenen neun Jahre als ausgesprochen angenehm empfunden. Ich habe nette Freundschaften und viele gute Kontakte hier." Die Arbeit in Bonn habe ihm viel Freude bereitet.

Die Freundschaften und Kontakte sind es auch, die ihm besonders positiv in Erinnerung bleiben werden. "Ich wurde sehr gut aufgenommen. In der Behörde herrschte großes Vertrauen, es war ein offenes Miteinander." Doch es gibt auch negative Erlebnisse: etwa der Tod von Polizeikommissar Gerd Höllige, der 2002 bei einem Routineeinsatz erschossen wurde.

Und was erhofft er sich für seine Kölner Zeit? "Dass ich ähnlich gut aufgenommen werde wie in Bonn." Als er das erste Mal gehört habe, dass er in die Domstadt wechseln soll, "habe ich gedacht, dass es so ist, dass man, wenn man noch zehn Jahre Dienst vor sich hat, noch einmal neue Aufgaben angeht. Dass es in Köln sein wird, hat mich gefreut - auch weil es eine anspruchsvolle Aufgabe ist", sagte der 55-Jährige, dessen Tochter bei der Kölner Polizei arbeitet. Albers wird Bonn nicht komplett den Rücken kehren: Er und seine Frau Christiane, die aus Köln stammt, werden zunächst weiter in Endenich wohnen.

Die Beamten im Bonner Polizeipräsidium gönnen ihrem Chef die neue Aufgabe. Und doch sind viele traurig darüber, dass er geht. "Es ist ein Mensch, der relativ große Nähe zu den Beschäftigten hatte. Ihn kennen viele und er kannte viele", hieß es gestern aus dem Präsidium. "Es ist nicht selbstverständlich, dass ein Polizeipräsident Personen und Strukturen gut kennt." Natürlich gebe es den ein oder anderen, der es nicht schlimm findet, dass er geht. Aber die, die eng mit ihm zusammenarbeiten, haben ihn als angenehmen Behördenleiter empfunden, heißt es. Sehr interessiert, für Kritik aufgeschlossen, ein guter Zuhörer - das sei Wolfgang Albers. "Er war nicht perfekt, aber wer kann das schon von sich behaupten?"

Die Reaktionen im Bonner Rathaus fallen unterschiedlich aus. Voll des Lobes für seinen Parteifreund ist Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch (SPD): "Wolfgang Albers ist eine der großen, verlässlichen Säulen für Sicherheit und Ordnung in Bonn im Zusammenwirken aller gesellschaftlichen Kräfte. Ich bedauere seinen Weggang, verstehe aber, dass ihn die große Aufgabe in Köln reizt."

Er sei froh zu wissen, dass Albers beim Deutschlandfest noch an der Seite der Stadt sei. CDU-Ratsfraktionschef Klaus Peter Gilles lobte Albers zwar als "kreativen Kopf", in dessen Amtszeit zahlreiche Konzepte umgesetzt und Umstrukturierungen vorgenommen worden seien, mit Blick auf die Statistiken seien indes kritische Anmerkungen unter anderem hinsichtlich der Wohnungseinbrüche berechtigt. Was die Neubesetzung des Bonner Postens angeht, erwarte er einen "Branchenkenner". Die Person sollte eine juristische Ausbildung haben und über Erfahrung in der Führung von Polizeikräften verfügen, sagte Gilles.

"Den Weggang von Wolfgang Albers kann man nur bedauern, wir verlieren einen guten Polizeipräsidenten", sagte SPD-Ratsherr Dieter Schaper. Bei der Nachfolge dürfe es nicht um politischen Proporz gehen, sondern nur um die fachliche Eignung. Grünen-Fraktionssprecher Dorothee Paß-Weingartz und Peter Finger gratulierten Albers zu seiner Ernennung zum Polizeipräsidenten in Köln. "Wir haben gern und gut mit ihm zusammengearbeitet. Er wechselt von einem schweren zu einem noch schwierigeren Job." An Spekulationen über seine Nachfolge wollten sie sich nicht beteiligen.

Die FDP bedauert den Fortgang Albers, wünscht ihm aber für seine neue Aufgabe viel Glück. Fraktionschef Werner Hümmrich: "Das Verhältnis zwischen Herrn Albers und der FDP war gut." Hinsichtlich der Nachfolge sagte er, "jeder - unabhängig von seinem Parteibuch - ist nach seinem Handeln und seinen Taten zu messen".

"Für Bonn ist Albers' Weggang ein Verlust", sagte Michel Faber. Der Linken-Fraktionschef lobte den PP als Mann, der zu sicherheitspolitischen Fragen stets den gesellschaftlichen Dialog gesucht habe. "Ich hoffe, dass sich die Nachfolge durch Kompetenz und nicht nur das passende Parteibuch auszeichnet."

Der Bürger Bund Bonn sorgt sich vor allem um die öffentliche Sicherheit in Bonn, die Ratsherr Marcel Schmitt als mangelhaft bezeichnet. 2010 habe die Kriminalitätsrate im Vergleich zu gleichgroßen Städten deutlich höher gelegen, kritisierte er, ohne auf Albers einzugehen. "Von der neuen Polizeiführung erwarten wir eine deutliche Rückführung der vergleichsweise hohen Kriminalitätsrate in Bonn."