Rheinaue im Zeichen der Rockmusik

Weniger Besucher bei Rockaue 2017 in Bonn

Bonn. Die dritte Bonner Rockaue wurde hart. Und heiß. Und laut. Die Rheinauen standen bis kurz vor Mitternacht im Zeichen der Rockmusik. Doch es gab deutlich weniger Besucher als im Vorjahr. Der Veranstalter lässt offen, ob das Festival 2018 fortgesetzt wird.

In der Dunkelheit schien das Menschenmeer so groß wie immer, und die hervorragende Stimmung trug ihren Teil dazu bei, das eintägige Festival zu einem vollen Erfolg zu erklären. Musikalisch stimmt der Eindruck ja auch. Nur wirtschaftlich nicht. Erneut müssen die Rockauen-Betreiber einen Rückgang der Besucherzahlen verzeichnen. Rockauen-Organisatorin Maria Hülsmann gab auf GA-Nachfrage an, dass 10.000 Menschen das Festival besucht haben. Die Polizei hatte zunächst von rund 5000 Besuchern gesprochen. 2016 kamen noch knapp 15.000 Besucher, 2015 waren es 20.000.

Wirklich zu erklären ist diese Entwicklung nicht. Die Ticketpreise sind zwar noch einmal deutlich gestiegen, im Vergleich zu anderen Festivals zahlen Fans aber oft alleine für die Headliner deutlich mehr.  „Mir gefällt es richtig gut hier“, sagte etwa Oliver Leiste aus Baesweiler bei Aachen. „Die Kyle Gass Band war der Hammer, und In Extremo wird bestimmt auch richtig cool.“ Das Team um Rockauen-Organisatorin Maria Hülsmann hatte das Profil der Veranstaltung geschärft, hatte die Elektrobühne abgeschafft, den Pop verbannt und dem Rock zwölf Stunden lang die gesamte Rheinaue gewidmet.

Das Finale lief ganz so wie erwartet: Ausgelassen feierten Tausende vor der Hauptbühne der Rockaue mit der Mittelalterrock-Band In Extremo, bejubelten die Pyrotechnik, die Dudelsäcke, die Nyckelharpa und natürlich den Gesang von Michael Robert Rhein alias Das Letzte Einhorn.

 

Die Feuerwehr sorgt für Abkühlung

Harte Klänge auf der Hauptbühne und auf der Talent Stage für Nachwuchsbands aus Bonn und der Region, noch härtere ein bisschen weiter. Auf der so genannten Rock 'n' Heavy Stage feuerten Metal- und Hardcore-Bands wie To The Rats And Wolves oder Callejon die Klänge wie aus einem Maschinengewehr ab, hämmerten aufs Trommelfell und versetzten das Publikum immer wieder in Ekstase.

Vor allem Any Given Day hatten das Publikum hervorragend im Griff, animierten sie zum Springen, Tanzen, Rennen – und zum Crowdsurfing. Zwei bis drei Dutzend Fans ließen sich von der Menge nach vorne tragen, wo die Sicherheitsleute sie dann einen nach dem anderen herausfischen mussten.



 

Zwischen den einzelnen Konzerten sorgte die Feuerwehr für Abkühlung. Während in Hamburg die Wasserwerfer die Atmosphäre eher aufheizten, wurde die großzügige Dusche in den Rheinauen begeistert angenommen. Auch Svenja und Janna Wolff aus Wuppertal ließen sich nass machen. „Es ist doch perfekt“, sagten sie kurze Zeit später, während sie ihre Kleider auswrangen.

„Das Wetter ist geil, die Stimmung ist geil, die Musik ist geil. Wir bleiben die meiste Zeit hier vor der Rock 'n' Heavy Stage, freuen uns aber schon tierisch auf In Extremo. Leider können wir nicht bis zum Ende bleiben, weil wir noch die letzte Bahn nach Hause erwischen müssen.“
 

Ob es Rockaue 2018 geben wird, lässt der Veranstalter noch offen


Wegen Stimmproblemen hatte Blues-Pills-Sängerin Elin Larsson nach etwa einer halben Stunde ziemlich bedrückt ihren Auftritt abbrechen müssen, so dass die nachfolgenden Bands kurzerhand etwas früher auftraten. Dadurch kamen zwar einige für den exzellenten Danko Jones zu spät, andererseits kollidierten so wenigstens die Auftritte von In Extremo und Callejon nicht mehr.

 

„Es war die beste Option“, erklärte Maria Hülsmann, „sonst wären die Pausen einfach zu lang geworden.“ Diese Flexibilität muss man erst einmal haben. Hülsmann gab sich am frühen Abend entspannt. „Wir haben in den vergangenen zwei Jahren viel dazu gelernt“, sagte sie. „Natürlich könnten ruhig noch mehr Menschen kommen, aber es freut mich einfach immer wieder, wenn ich die begeisterten Gesichter sehe. Und alles ohne Krawall. Unser Publikum ist so freundlich und friedlich, das kenne ich eigentlich nur von der Rockaue. Genau deswegen mache ich das alles hier. Dieses Festival ist mein Traum, und ich hoffe sehr, dass wir im nächsten Jahr weitermachen können."

Ob es 2018 eine Rockaue gibt, lässt sich laut Hülsmann erst in einigen Tagen sagen. Viele Organisatoren arbeiteten bislang unentgeltlich, aber das ließe sich auf Dauer nicht fortführen. Sie sagt: "Wir müssen also nach Lösungen suchen, unter anderem zusammen mit der Stadt. Immerhin bieten wir hier ein wirklich erstklassiges Festival mit 29 Bands. Das ist doch mit Sicherheit einiges an Unterstützung wert.“