WCCB: Stornierungen reißen Millionenloch

Nach GA-Informationen wurden 17 für 2010 gebuchte Veranstaltungen abgesagt - Dieckmann wechselt Anwalt

Bonn. Neue Hiobsbotschaft aus dem Rathaus: Nach GA-Informationen sollen bereits 17 für 2010 gebuchte Veranstaltungen in den bestehenden Gebäuden des World Conference Center Bonn (WCCB), insbesondere im Plenarsaal und Altes Wasserwerk, storniert worden sein.

Die Beethovenhalle, die auch zu den WCCB-Bauten zählt, sei weniger von Absagen betroffen. Dies bedeute derzeit einen Einnahmenverlust von mehr als zwei Millionen Euro, hieß es.

Holger Voskuhl, Sprecher des Verwalters der insolventen WCCB-Betreibergesellschaft, Christopher Seagon, bestätigte auf Nachfrage Stornierungen in "größerer Anzahl". Konkrete Zahlen und Summen wollte er indes nicht offiziell nennen. Letztlich habe man diese Entwicklung voraussehen können: "Die Veranstalter wollen Sicherheit haben. Die sehen einige offensichtlich derzeit nicht gegeben."

Wie berichtet, hatte Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch deshalb dem Stadtrat in einer Sondersitzung kurz vor Weihnachten vorgeschlagen, die insolvente Management-GmbH vorerst in städtische Hand zu überführen.

Das hatten die schwarz-grüne Ratsmehrheit und der Bürger Bund Bonn (BBB) wegen zu vieler offener Fragen abgelehnt. Stattdessen beschlossen sie eine Interimslösung: Insolvenzverwalter Seagon solle befristet bis Ende Februar die Bestandsbauten weiterbetreiben.

Dafür stellte ihm die Stadt einen Zuschussbetrag bis zu 800 000 Euro zur Verfügung. Mit diesem Beschluss verhinderte der Rat immerhin, dass in Plenarsaal, Wasserwerk und Beethovenhalle zum Jahresende die Lichter ausgingen. Neben der über allem schwebenden, nach wie vor ungeklärten Frage, wie es mit dem Kongresssaal und dem Hotel weitergeht, schmieden derzeit Politiker und Verwaltung an einem Konzept für die Management-Gesellschaft.

Spätestens bis zur Ratssitzung am 18. Februar soll die Lösung auf dem Tisch liegen. Nach mehreren Gesprächsrunden mit dem OB und den Fraktionsvorständen sprechen alle Anzeichen dafür, dass man sich jetzt doch auf eine Lösung in städtischer Regie einigen will.

Derweil wurde bekannt, dass Nimptschs Vorgängerin Bärbel Dieckmann die Kanzlei gewechselt hat. Gegen sie und die beiden ehemaligen Projektleiter des WCCB, Ex-Stadtdirektor Arno Hübner und Bürgeramtsleiterin Evi Zwiebler, hat die Staatsanwaltschaft, wie berichtet, ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Untreue "im besonders schweren Fall" eingeleitet.

Dieckmann ließ sich seitdem wie Hübner und Zwiebler von der Bonner Kanzlei Eimer, Heuschmidt und Mehle vertreten, in der Dieckmanns Ehemann Jochen als Anwalt tätig ist. Eine Stellungnahme war am Montag von der Kanzlei nicht zu erhalten.

Nach GA-Informationen wird die Ex-OB jetzt von dem Frankfurter Experten für Strafrecht, Professor Rainer Hamm, anwaltlich vertreten.