WCC Bonn: Politiker fordern mehr Information

Fraktionen halten die Begründung der Kostensteigerung für nicht stichhaltig

Bonn. Das World Conference Center Bonn kommt nicht aus den Schlagzeilen heraus. Grüne und Bürger Bund Bonn (BBB) bestätigten am Mittwoch den GA-Bericht, wonach die Baukosten um 60 Millionen Euro gestiegen sind - auf nunmehr 200 Millionen Euro; bis vergangenen Freitag war im Stadthaus von 180 Millionen Euro die Rede.

Die Spitzen der Ratsfraktionen sind zuversichtlich, neben dem Hauptinvestor SMI Hyundai zusätzliche Finanzgeber zu finden, die sich mit jenen 60 Millionen Euro an dem Projekt beteiligen. Einig sind sie sich auch darin: Das WCC Bonn darf nicht scheitern.

BBB-Sprecher Hans-Ulrich Lang sagte am Mittwoch, die Kostensteigerung sei nicht nur mit steigenden Materialpreisen zu rechtfertigen. So sei die zur Begründung ebenfalls angeführte Erhöhung der Zimmerzahl des Hotels auf 352 bereits bei der Vertragsunterzeichnung zwischen Stadt und SMI Hyundai in der Gesamtkalkulation von 140 Millionen Euro enthalten gewesen. Lang: "Hier muss dringend geprüft werden, wo möglicherweise Gelder versickert sind."

Ebenso wie Lang kritisiert auch Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Tom Schmidt die Informationspolitik der Stadtverwaltung; zudem hält auch er die genannten Gründe für die Preissteigerung "bisher nicht für ausreichend plausibel".

Schmidt will zudem "mit Nachdruck darauf dringen, dass die Politiker in Zukunft regelmäßig und detailliert informiert und in Entscheidungsprozesse frühzeitig eingebunden werden". Für den kommenden Montag erwartet er von Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann eine "beratungsfähige Vorlage".

Eine "aktuelle Wirtschaftlichkeitsberechnung" fordert zudem FDP-Fraktionschef Werner Hümmrich. Im übrigen gelte es jetzt, einen Co-Investor zu finden, "um die wirtschaftliche Situation zu stabilisieren".

In diesem Punkt gibt sich sein SPD-Amtskollege Wilfried Klein "relativ zuversichtlich" - wobei er sich eine Beteiligung der Stadt an den Baukosten "im Moment" nicht vorstellen kann: "Da sehe ich uns nicht in der Verantwortung." Allerding schließt er eine Verlängerung der Zahlung des Betriebskostenzuschusses der Stadt an den Betreiber, die WCC Bonn-Management GmbH, nicht aus.

Laut Projektvertrag mit dem Investor musste die Stadt für die Jahre 2007 und 2088 dem Betreiber pro Jahr 498 000 Euro als Zuschuss zum Betrieb des bisherigen WCC Bonn (Plenarsaal und Wasserwerk) zahlen, wobei sie auf Bundesmittel (Rücklagetopf) zurückgreifen konnte. Ob dieser Betrag auch über 2008 hinaus bezahlt wird, ist noch offen.

CDU-Fraktionschef Benedikt Hauser sagte, "zur Zeit" stelle sich nicht die Frage einer Beteiligung der Stadt an den Baukosten: "Im Vordergrund steht, das Projekt fertig zu stellen". Allerdings merkt er an: "Wenn dieses Ziel ganz am Ende nur mit einem finanziellen Engagement der Stadt erreicht werden kann, müssen wir darüber nachdenken." Aber so weit dürfe es nicht kommen, fügt Hauser hinzu.