Verkehr in Bonn und der Region

Verkehrswegeplan: Schlechte Karten für Neubauten

Bleibt vermutlich ein Luftschloss: Eine Brücke über den Rhein zwischen Niederkassel und Wesseling - hier als Montage.

Bleibt vermutlich ein Luftschloss: Eine Brücke über den Rhein zwischen Niederkassel und Wesseling - hier als Montage.

Bonn. Der Bund setzt im regionalen Straßen- und Schienennetz hauptsächlich auf Ergänzungen und Lückenschlüsse. Weder die Südtangente noch der Bau der Rheinbrücke haben Chancen.

Mittwochnachmittag, nach 16 Uhr: Endlich ist er da, der Referentenentwurf des Bundesverkehrswegeplans 2030. Das klingt erst einmal sperrig, schnöde, unspektakulär. Und doch erwarten Politiker landauf, landab das 200-seitige Papier aus dem Bundesverkehrsministerium seit Monaten mit höchster Spannung. Wie schneidet meine Ortsumgehung, meine Autobahn, meine Brücke ab? Wie hoch ist der Kosten-Nutzen-Faktor, wie stehen die Realisierungschancen? Es hat ein bisschen etwas von einer Zeugnisvergabe, bei der die Reaktionen zwischen Freude, Überraschung und Katerstimmung schwanken.

Das Ergebnis für die Region: Der Bund sieht den Ausbau mehrerer Autobahnabschnitte rund um Köln und Bonn als besonders wichtig an, ebenso den Lückenschluss der A 1 in der Eifel. Außerdem stehen verschiedene Schienenprojekte wie der Rhein-Ruhr-Express hoch oben auf der Agenda. Dagegen haben sowohl die Südtangente als auch der Bau der Rheinbrücke zwischen Wesseling und Niederkassel kaum Chancen auf baldige Realisierung.

Mehr als 2000 Verkehrsprojekte hat das Bundesverkehrsministerium geprüft, die meisten (1700) betrafen die Straße, gefolgt von Schienenwegen (400) und Wasserstraßen (50). Der Bundesverkehrswegeplan hat bis 2030 ein Gesamtvolumen von 264,5 Milliarden Euro. Aber: Allein für den Erhalt der bestehenden Netze werden bis 2030 141 Milliarden Euro benötigt.

Das Bundesverkehrsministerium hat alle angemeldeten Projekte mit einer Kosten-Nutzen-Analyse bedacht, sie nach Wichtigkeit und Realisierbarkeit bewertet und in vier Kategorien gegliedert. Die größten Chancen haben jene Projekte, die in der Kategorie „Vordringlicher Bedarf“ mit dem Vermerk „Engpassbeseitigung“ stehen. In dieser Kategorie finden sich aber auch Vorhaben wieder, deren Planung schon weit fortgeschritten ist. Wie die Perspektiven für die Region aussehen – ein Überblick.

Neubauten: Die Südtangente – das ist die Kombination aus Venusbergtunnel und Ennertaufstieg – steht wieder im Bundesverkehrswegeplan. Allerdings nur in der Kategorie „Weiterer Bedarf mit Planungsrecht“, das ist die dritte der vier Kategorien. Das bedeutet, dass das Land die Planung selbst voranbringen kann. Doch die rot-grüne Landesregierung ist gegen dieses Projekt. Die Kosten beziffert der Bund mit 683 Millionen Euro. In derselben Kategorie ist der Bau einer Rheinbrücke zwischen Wesseling und Niederkassel gelandet, über die die A 555 mit der A 59 verbunden werden könnte – ein Projekt, das viele Unterstützer findet, 361 Millionen Euro kosten soll und einen sehr hohen Kosten-Nutzen-Faktor hat. Politiker quer durch alle Parteien reagierten mit Unverständnis auf die schlechte Platzierung.

Autobahnen: Eine Reihe von Autobahnabschnitten ist in der obersten Kategorie mit dem Vermerk „Engpassbeseitigung“ platziert. Vorgesehen ist in der Regel die Erweiterung um eine Spur. Dazu gehören die A 59 zwischen Köln-Porz und dem Kreuz Bonn-Ost, die A 61 zwischen Meckenheim und Bliesheim, die A 3 zwischen Königsforst und Heumar, die A 4 zwischen Köln-Süd und Gremberg sowie zwischen Moitzfeld und Köln-Ost. In der zweithöchsten Kategorie „Vordringlicher Bedarf“ steht der Lückenschluss der A 1 zwischen Blankenheim und Kelberg in der Eifel. Lediglich in der Abteilung „Weiterer Bedarf mit Planungsrecht“ sind die A 560 (Autobahnkreuz Sankt Augustin-West) und die A 565 in Bonn enthalten. Und das, obwohl der Abschnitt bei Endenich (Tausendfüßler) aufgrund von Verschleiß neu gebaut werden muss.

Ortsumgehungen: Die Ortsumgehung Swisttal-Miel (B 56) steht in der Kategorie „Vordringlicher Bedarf“. Das gilt auch für die Umgehung in Hennef-Uckerath (B 8), die bislang als Wackelkandidat galt – weil das Land NRW dagegen ist. Der Mucher Ortsumgehung (B 56) schreibt der Bund eine geringere Priorität zu. Das Land darf ähnlich wie bei Südtangente und Rheinbrücke zumindest planen.

Schiene: Der neue Rhein-Ruhr-Express zwischen Köln-Mülheim und Dortmund soll mit 1,8 Milliarden Euro bedacht werden. Er ist in der höchsten Kategorie vermerkt, ebenso der Ausbau des Eisenbahnknotens Köln. Zwar sind dessen 15 einzelne Bauprojekte in dem Entwurf genannt. Vielmehr findet sich Köln in einem Sammelposten für den Ausbau mehrerer großer Knotenpunkte, für die insgesamt 2,5 Milliarden Euro vorgesehen sind. Im Ausbau des Knotens Köln liegt der Schlüssel für Verbesserungen im Bahnverkehr – etwa weniger Verspätungen und ein größeres S-Bahn-Angebot.

Auch den zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke zwischen Troisdorf und Siegen sieht der Bund als „vordringlich“. Sie gilt als Option für verstärkten Güterverkehr, was vor Ort bereits auf Kritik und Widerstand gestoßen ist.