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Staatsanwaltschaft erhebt Anklage
Verkäufer im Matratzen-Geschäft erschossen
Von Benjamin Jeschor
BONN. Es klingt unglaublich: Ein heute 57 Jahre alter Versicherungsmakler aus Bonn wird wegen Betruges zu einer knapp vierjährigen Haftstrafe verurteilt. Dann begeht der Mann in der verbleibenden Zeit bis zu seinem Haftantritt zwei Raubmorde.
Foto: ap
Jetzt hat die Staatsanwaltschaft den Vater mehrerer Kinder unter anderem wegen Mordes aus Habgier und Verdeckungsabsicht angeklagt. Im zweiten Fall soll der 57-Jährige einen Autofahrer heimtückisch erschossen haben.
Wie Oberstaatsanwalt Robin Faßbender mitteilte, war der Angeklagte nach seiner Verurteilung im November 2010 zu seiner Freundin auf die Philippinen geflogen. Dort soll er sich dazu entschlossen haben, in Deutschland bewaffnete Raubüberfälle zu begehen. Seine Pistole hatte er laut Anklage in einem Reiskocher versteckt und diesen per Paketversand an eine Pension in Südosteuropa geschickt. Dort soll er das Päckchen Ende Januar 2011 abgeholt haben.
Auf der folgenden Busfahrt hatte der Mann sich offenbar in Österreich 500 Schuss Munition besorgt. Schließlich war er in Köln in einem Hotel abgestiegen. Am 2. Februar 2011 beging er die erste Tat: Laut Faßbender hatte der 57-Jährige in einem Bonner Matratzengeschäft am Belderberg vorgegeben, einen Lattenrost anzahlen zu wollen. Als der Verkäufer die Kasse wieder zugeschoben hatte, weil der Kunde ihn plötzlich mit einer Waffe bedroht haben soll, waren zwei Schüsse auf die Brust und den Kopf abgefeuert worden. Der 42-Jährige erlag seinen Verletzungen.
Am 22. Februar wurde dann ein 49 Jahre alter Dernauer auf dem Ennertparkplatz erschossen. Von hinten soll der Angeklagte an den in seinem Audi sitzenden Familienvater herangetreten und ihn mit einem Kopfschuss getötet haben. Am Folgetag soll der 57-Jährige mit dem Auto des Opfers nach Belgien gefahren sein und die Leiche an einer Talsperre abgelegt haben.
Anschließend, so Faßbender, hatte er das Auto in Siegburg abgestellt und sich kurz darauf von seiner Schwester zum Haftantritt in die Justizvollzugsanstalt Bielefeld fahren lassen. Einiges scheint daraufhin zu deuten, dass der mutmaßliche Mörder aus dem offenen Vollzug heraus weitere Straftaten begehen wollte. So soll er den Schlüssel des Audi behalten und die Waffe versteckt haben. Auf einem USB-Stick soll er weitere mögliche Ziele aufgelistet haben.
Doch Mitte März waren ihm die Ermittler - unter anderem nach der Auswertung einer Unmenge an Telefondaten - auf die Spur gekommen. Bei einer Vernehmung im Gefängnis hatte der Mann weitgehend gestanden und behauptet, er habe Geld gebraucht, um einen Sohn vor der Unterbringung in einem Heim zu bewahren. Nach den Erkenntnissen der Ermittler hatte er zu der Zeit allerdings gar keinen Kontakt zu dem Sohn.
Artikel vom 30.05.2012
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