Collegium Albertinum

Verborgene Welt hinter dicken Mauern

BONN. Zum ersten Mal seit fast 20 Jahren hat das Collegium Albertinum am Samstag seine Türen geöffnet. Ein bisschen einschüchternd sind die langen Gänge mit den Jesusbildern an den Wänden. Auf den ersten Blick scheint alles in diesem imposanten Gebäude etwas unpersönlich zu sein. Doch das ändert sich schnell, wann man seine Bewohner trifft.

Am Samstag veranstaltete das Collegium Albertinum zum ersten Mal seit 19 Jahren einen Tag der offenen Tür. Die rund 350 Besucher konnten sich das Haus an der Adenauerallee einmal von innen anschauen und einen kleinen Einblick in den Alltag der Priesterkandidaten bekommen, die hier leben.

"Es hat schon etwas klostermäßiges hier", erzählt Bewohner Markus Höfer. Der 33-Jährige ist gelernter Kommunikationselektroniker. Irgendwann merkte er, dass das nicht das Richtige für ihn ist. Ein Grund, Priester zu werden, war für ihn ein Pastor aus seiner Kindheit, denn seine Eltern starben schon früh. "Er hat mir in dieser schweren Zeit geholfen. Ich dachte, diese Menschen braucht es mehr."

Das Collegium Albertinum beherbergt rund 30 Theologiestudenten der Universität Bonn, die einmal Priester werden wollen. Das Pensum ist hoch, neben dem Stoff aus der Uni gibt es auch noch das hausinterne Ausbildungsprogramm. "Es ist ziemlich viel", sagt Höfer.

Doch das Leben zwischen Studium und heiliger Messe ist trotzdem irgendwie ziemlich normal. Jede Etage hat eine eigene Küche, vor allem in den Semesterferien kochen die Studenten ab und zu gemeinsam. Es gibt einen Billardraum und ein Fernsehzimmer: Die EM läuft hier genauso wie das Finale von "Germanys Next Topmodel". Und die Bewohner haben sogar eine eigene Kneipe im Haus.

"Bei dem, was man so an den Kopf geworfen bekommt in der Ausbildung, braucht man schon ab und zu einen Schluck Bier", gab Höfer zu. Wer den Abend allerdings nicht im Collegium verbringen möchte, der trifft sich mit Freunden in der Stadt. "Aber alles in der Selbstverantwortung und der Verantwortung vor Gott", betonte Bewohner Johannes Winkeler.

Doch so wirklich viel Zeit für Dinge außerhalb des Studiums bleibt den Priesterkandidaten ohnehin nicht: "Man ist sehr eingespannt hier", so der 22-Jährige weiter. Der strenge Zeitplan spiegelt sich auch in der Atmosphäre des Hauses wider: Sie ist beeindruckend und kühl zugleich. Erst in den Zimmern der Bewohner ist es lebendiger: Poster, Bilder und Lieblingsbücher finden sich erst hier.

"Das was uns mit einem Kloster verbindet, ist das Bemühen um eine ruhige Atmosphäre", erklärte der Direktor des Albertinums, Herbert Ullmann. "Was uns davon unterscheidet ist eine starke Offenheit." Und das sollten die Besucher am Samstag erkennen. "Ich finde es sehr interessant, weil ich sehen möchte, wie junge Priester leben", sagte Monika Gräf. "Aber es ist irgendwie ein bisschen duster", so die Siegburgerin. So ein Tag der offenen Tür sei ganz sinnvoll, fand Besucher Theodor Clasen. "Es hilft vielleicht, Vorurteile abzubauen."

Tatsächlich bleibt die erhabene Atmosphäre auch nach diesem Samstag in den langen Gängen des Collegiums. Aber ein bisschen persönlicher ist es geworden. Durch den Blick in den Rheingarten und die Gemeinschaftsräume wurden die hohen Mauern etwas durchlässiger. Und natürlich durch die Studenten selbst.