Kommentar

Unbequeme Wahrheiten

BONN. Die OK-Arbeit konfrontiert einen in erster Linie mit Ausländerkriminalität beziehungsweise der Kriminalität von Mitbürgern, die einen Migrationshintergrund haben. So schreibt es der ehemalige Kölner Oberstaatsanwalt Egbert Bülles, wobei "OK" das Kürzel für organisierte Kriminalität ist.

Solche Thesen sind in Zeiten von Sarrazin, Buschkowsky und Co. schon lange kein Tabu mehr, da können sich Rechtspopulisten noch so oft als Mutige profilieren wollen, die als einzige die Courage besitzen, derartige unbequeme Wahrheiten auszusprechen. Nein, derartige "Wahrheiten" gehören mittlerweile zum guten Ton.

Man fühlt sich eher dann auf verlorenem Posten, wenn man bei solchen Sätzen den Reflex verspürt, dagegen argumentieren zu wollen oder Experten herbei zu zitieren, die mit Blick auf die Statistik zu einem ganz anderen Urteil kommen. Auch wenn man, um der Wahrheit die Ehre zu geben, dieser "Gutmenschenart", wie Bülles schreibt, zunehmend müde wird, wenn man, wie ich jüngst, Zeuge wird, wie eine Gruppe nicht Deutsch sprechender junger Männer einer älteren Frau mit Gehhilfe den Rucksack öffnet, um ihr die Geldbörse zu stehlen.

Bülles Beobachtungen sind ja keine Hirngespinste. Trotzdem muss sich jeder halbwegs aufgeklärte Geist die Frage nach den Gründen stellen, und kann sich nicht mit der Nennung der Nationalität oder Religionszugehörigkeit als Erklärung für Verbrechen zufriedengeben. Rumänen sind nicht, weil sie Rumänen sind, genetisch auf Einbruchsdiebstahl geeicht. Die Gefahr ist groß, dass man lästige Ursachenforschung umschifft, wenn man einfache Erklärungen anbietet. Deswegen gibt es den Pressekodex, der festlegt, dass die Nationalität nur genannt wird, wenn zum Verständnis des Vorgangs ein "begründeter Sachbezug" besteht, da die Erwähnung Vorurteile schüren könnte.

Aus der Erfahrung, dass Menschen Stereotype bilden, ist das gut gemeint und gut begründet. Leider geht es an der Realität vorbei. Denn mit einer Sache hat Bülles Recht: Die Menschen haben ein Bedürfnis danach, Ross und Reiter genannt zu bekommen. Tut man das nicht, leistet man Paranoia Vorschub, dass eine Riege Multi-Kulti-Utopisten die Tatsachen verschweigt. Das Bedürfnis nach "Wahrheit" befriedigen dann andere. Das ist eine Wahrheit, eine unangenehme, der man sich stellen muss.