Umbau der Brandt-Villa beginnt

Das Gebäude, in dem bis 1974 Willy Brandt mit seiner Familie wohnte und der Top-Spion Günter Guillaume ein- und ausging, wird saniert - Im Park entstehen drei Einfamilien-Häuser

Bonn-Venusberg. Dunkelbraune Teppichböden, mattgold-glänzende Tapeten, grüne Badewannen: Das Haus Kiefernweg 12 strahlt den Charme der 60er und 70er Jahre aus. Insgesamt wirken Architektur und Ambiente recht bescheiden.

Und dennoch: "Das Objekt ist bedeutend für die Geschichte der Menschen als Zeugnis für den Ausbau der Stadt Bonn zur provisorischen Hauptstadt in der Nachkriegszeit Deutschlands." So begründen die Denkmalschützer ihre Entscheidung, das Haus unter Schutz zu stellen. Denn hier wohnten nicht Otto Normalverbraucher plus Anhang, sondern Willy Brandt mit seiner Familie. Und zuvor zahlreiche Bundespolitiker. In den nächsten Tagen beginnen dort die gut ein Jahr dauernden Bauarbeiten, wobei die Villa in ihren wesentlichen Teilen erhalten bleibt.

Zehn Jahre lang stand das Anwesen leer, ehe die zuständige Bundesanstalt für Immobilienaufgaben einen Käufer fand - die Westdeutsche Immobiliengesellschaft (ImWest). "Wir fühlen uns als Prinzen, die das Dornröschen-Objekt wachküsst", sagte Cornelius von Ingersleben von ImWest am Mittwoch bei einer Besichtigung des 70 Jahre alten Baus, den der Bonner Architekt Wilhelm Denninger seinerzeit für den Kaufmann Heinz Blömer erstellte.

Nach den Plänen des Architekten Thilo Krense und in Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde wird die Villa quasi zu zwei Reihenhäusern umgebaut. Der angrenzende, nachträglich angebaute Küchentrakt wird zugunsten von zwei Wohnhäusern abgerissen. Und rechts von der Villa entstehen drei Einfamilienhäuser, die "dem Purismus der dreißiger Jahre angepasst sind", sagt Klaus Völkle von der Corpus Sireo GmbH, die das Areal vermarktet.

Erhalten bleibt auch das Teehaus im rückwärtigen Teil des 11 000 Quadratmeter großen Grundstücks, in das sich Brandt häufiger mit seinem engen Mitarbeiter Günter Guillaume zurückgezogen hatte - also mit jenem Mann, der als Spion entlarvt wurde und Brandts Rücktritt auslöste.

Das Land NRW hatte die Villa 1952 für umgerechnet 80 000 Euro erworben und stellte sie dem damaligen SPD-Bundesvorsitzenden Kurt Schumacher zur Verfügung. Sechs Jahre später ging das Anwesen in den Besitz des Auswärtigen Amtes (AA) über. Zunächst zog Amtschef Heinrich von Brentano dort ein, später auch seine Amtsnachfolger Gerhard Schröder (nicht verwandt mit dem Ex-Kanzler) und Willy Brandt, der samt seiner Familie auch als Bundeskanzler am Kiefernweg wohnen blieb und dort Staatsgäste aus aller Welt empfing.

Nach seiner Amtszeit, 1974, wurde die Villa als AA-Gästehaus genutzt, ehe Regierungschef Gerhard Schröder im Herbst 1998 dort für einige Zeit wohnte. Seitdem stand sie leer.