WCCB

UN verlangen Konferenzsaal mit Trennwand

BONN.  Die Dringlichkeitsentscheidung vom 20. Dezember hat es in sich: 253 000 Euro stellt die Stadt Bonn für eine Vorentwurfsplanung bereit, mit der eine Forderung der Vereinten Nationen erfüllt werden soll. Die UN verlangen, dass der große Saal des künftigen World Conference Center Bonn (WCCB) entgegen der bisherigen Planung mit mobilen Wänden in zwei Hälften teilbar sein muss.
Die Aufnahme zeigt den großen WCCB-Saal im Winter 2010. Künftig soll er in zwei Hälften aufteilbar sein.
								Foto: Volker Lannert
Die Aufnahme zeigt den großen WCCB-Saal im Winter 2010. Künftig soll er in zwei Hälften aufteilbar sein. Foto: Volker Lannert

So sollen "zwei große Plenarsitzungen gleichzeitig" stattfinden können, heißt es in dem vertraulichen Papier, das Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch und Peter Finger (Grüne), der Vorsitzende des Unterausschusses Konferenzzentrum, unterschrieben haben. Die UN-Forderung hat massive Auswirkungen auf Bauzeit und Kosten der WCCB-Fertigstellung.

Offiziell versuchte das städtische Presseamt am Freitag, den Vorgang niedrig zu hängen. Es sei von Anfang an bekannt gewesen, dass die UN zwei Säle benötigen, hieß es auf GA-Anfrage. Man sei davon ausgegangen, dass der alte Plenarsaal mitgenutzt werden könne.

Die UN hätten mittlerweile allerdings ihr Veranstaltungskonzept weiterentwickelt. "Im Zusammenhang mit diesen Überlegungen ist an die Stadt die Frage herangetragen worden", so das Presseamt, "ob eine Teilung des großen Saales möglich ist".

In einer vertraulichen Beschlussvorlage der Verwaltung liest sich das völlig anders: Bei einem Gespräch mit UN-Abgesandten des Klima- und des Wüstensekretariats am 17. Dezember sei deutlich geworden, dass "... die Teilbarkeit von den Vertretern der Vereinten Nationen als unabdingbare Voraussetzung zur Gewährleistung der Konferenztauglichkeit des WCCB für Belange der UN gesehen wird."

Ultimativer geht es kaum: Gerade die Bonner Schlappe bei der Bewerbung um den Sitz des Grünen Klimafonds im Oktober hat gezeigt, dass es sich die Stadt nicht erlauben kann, Wünsche der Vereinten Nationen zu übergehen.

Glaubt man dem internen Papier der Stadtverwaltung, ist die Forderung nach einer mobilen Trennwand nachträglich erhoben worden. GA-Recherchen in UN-Kreisen bestätigen das: Im Architektenwettbewerb für das Kongresszentrum, den das Büro von Ruth Berktold 2004 gewann, spielte eine Teilbarkeit des Saals offenbar keine Rolle. Entsprechend planten die Münchener Architekten dann auch.

Der nachträgliche Einbau mobiler Trennwände wird nach Einschätzung des von der Stadt beauftragten Generalplaners problematisch. Nach einer ersten Prüfung empfiehlt die Arbeitsgemeinschaft der Firmen Heinle Wischer und Inros Lackner, die Saalteilung nicht umzusetzen.

So steht es in einem Dokument, das dem GA vorliegt. Darin heißt es: Das WCCB-Tragwerk sei zu schwach für das Gewicht der Trennwände, die im Saal an Kettenzügen aufgehängt werden würden. Die Lüftungsanlage müsse "gravierend" umgebaut werden.

In der Mitte des Saales sei ein Umbau von Elementen des Hubbodens nötig. Auch Sprinkleranlage, Beleuchtung und Obermaschinerie seien betroffen. Die geplante Inbetriebnahme im Frühjahr 2014 wäre demnach kaum zu halten.

Die Mehrkosten dürften sich im "einstelligen Millionenbereich" bewegen, sagt ein Mitglied des Unterausschusses Konferenzzentrum. Genaue Erkenntnisse soll binnen zwei Monaten die Vorentwurfsplanung bringen. Darin wird zusätzlich untersucht, ob und mit welchen Kosten der Saal mit mobilen Wänden für klassische Konzerte aufgerüstet werden könnte.

Nach dem "Heimfall" des gescheiterten WCCB-Projekts von "Investor" Man-Ki Kim ist die Stadt seit Mai wieder Eigentümerin der Immobilien. Für die Rückübertragung und den Insolvenzverwalter zahlte sie mehr als 47 Millionen Euro.

Ungeklärt ist, ob Bonn auch für rund 80 Millionen Euro aus der WCCB-Bürgschaft an die Sparkasse KölnBonn geradestehen muss; in dieser Frage droht ein Prozess.

Bei den Fertigstellungskosten des Konferenzzentrums, des Parkhauses und der Abgeordnetenhäuser geht die Verwaltung laut Presseamt bisher von Kosten von 51,5 Millionen Euro netto (ohne Steuern) aus.

Für das Kongressgebäude stellen der Bund 14 Millionen und das Land NRW drei Millionen Euro in Aussicht. Die Stadt stimmt dazu derzeit eine Ergänzungsvereinbarung mit beiden Seiten ab. Das WCCB-Parkhaus soll am 15. Januar offiziell in Betrieb gehen.

Sieben Kaufinteressenten für das WCCB-Hotel

Für das unfertige WCCB-Hotel gibt es Kaufinteressenten. Da sei Ergebnis eines „Markttests“, teilt die Stadtverwaltung den Ratsmitgliedern schriftlich mit. Man habe das Projekt im Juni auf dem Hotelimmobilienkongress in Frankfurt vorgestellt.

Mittlerweile seien mehrere „wirtschaftlich interessante“ Angebote zum Erwerb des Hotels im Stadthaus eingegangen. Nach GA-Informationen sind es genau sieben ernsthafte Bieter, zum Teil Investoren, zum Teil Hotelbetreiber.

Alle liegen mit ihren Geboten leicht über der Mindestgebotsgrenze, die von der Stadt bei 15 Millionen Euro festgelegt worden ist. Noch 2010 hatte die Verwaltung laut nichtöffentlicher Ratsvorlagen mit einem Veräußerungsgewinn von 51 Millionen Euro gerechnet.

Käme es zum Verkauf, würde der neue Eigentümer das Hotel auf eigene Rechnung fertigbauen. Aber die Grundsatzentscheidung, ob die Stadt das möglicherweise besser mit einem Generalübernehmer in Eigenregie tun sollte, ist noch nicht gefallen.

Die Stadtverwaltung kündigt an, bis Frühjahr 2013 einen Beschlussvorschlag zu machen. Das Hotel neben dem neuen Kongresszentrum hat mehr als 300 Zimmer und soll in der Drei- oder Vier-Sterne-Kategorie angesiedelt sein.

Abo-Bestellung
News, Informationen und Service aus der Bundestadt Bonn

Leserfavoriten

Folgen Sie uns auf Google+