Tour durch ehemalige Botschaften von Bad Godesberg

Verein Stadtmarketing bietet Einblick in viele herrschaftlichen Häusern - Dort residieren heute Privatleute oder Firmen

Bad Godesberg. "Willkommen zur Botschaftstour!" Michael Wenzel, Mitarbeiter beim Verein Stadtmarketing Bad Godesberg, begrüßt die Interessenten, die sich zum informativen Spaziergang durch die ehemaligen Diplomatenviertel Bad Godesbergs angemeldet haben.

Wo residierten die Diplomaten, wo gaben sie Empfänge, was tut sich heute in den Gebäuden? Diese und andere Fragen sollen auf dem rund zweieinhalbstündigen Rundgang zur Sprache kommen.

Nur vier Wissensdurstige - zwei Damen, zwei Herren - haben sich am Startpunkt, dem Pavillon von Stadtmarketing, eingefunden. Das liege am regnerischen Wetter, so Wenzel zu Gästen aus Holland.

Denn eigentlich erfreue sich die Botschaftstour, die er seit März dieses Jahres einmal im Monat anbietet, großer Beliebtheit: "Zwölf bis 15 Personen sind jedesmal dabei." In Kürze kommt eine Gruppe holländischer Gäste sogar in den Genuss einer Sonderführung.

Die Tour führt durchs Villenviertel, weiter nach Plittersdorf, dann am Rhein entlang und über Rüngsdorf wieder zurück zum Ausgangspunkt. Erste Station ist das Generalkonsulat von Libyen in der Beethovenallee 12a.

"Ein Beispiel für die Umwandlung von ehemaligen Botschaften in Generalkonsulate", erläutert Wenzel, während die Gruppe einen Blick auf das eher schmucklose Gebäude wirft. Zahlreiche Botschaftsgebäude in Bonn und Bad Godesberg sind seit dem Umzug der Regierung nach Berlin in Generalkonsulate, Konsulate oder Honorarkonsulate beziehungsweise in Außenstellen von Botschaften umgewandelt worden.

Die Datenbank von "konsulate.de" listet aktuell 25 derart "zurückgestufte" diplomatische Einrichtungen in Bonn auf. Hinzu kommen vier noch in Bonn verbliebene Botschaften: Kamerun, Demokratische Republik Kongo, Liberia und Sierre Leone. Vor dem Regierungsumzug unterhielten rund 150 Staaten ihre Vertretungen am Rhein, die meisten davon in Bad Godesberg.

Botschafter und Botschaftsmitarbeiter bildeten eine eigene Welt, deren Zahl an Bewohnern Wenzel auf etwa 6 000 schätzt. Für viele Gebäude gibt es auch ein Leben jenseits der Nutzung durch Diplomaten. Wie beim Haus Rheinallee 24 etwa, einer stattlichen Gründerzeitvilla. Bis 1999 beherbergte es die Botschaft von Pakistan.

Heute wickelt hier eine Software-Firma ihre Geschäfte ab. Zuvor renovierte das Unternehmen das Gebäude. Der Besitzerwechsel habe sich hier wie in vielen vergleichbaren Fällen als sehr positiv für den Erhaltungszustand der Gebäude erwiesen, erläutert Wenzel.

Ein eher trauriges Bild hingegen bietet die ehemalige Botschaft von Thailand an der Ubierstraße 67. Das Gebäude steht leer, der Zahn der Zeit beginnt an ihm zu nagen, ähnlich wie an der ehemaligen Botschaft von Griechenland an der Simrockstraße 32.

Zuvor passiert die Gruppe die frühere Botschaft von Israel, heute Sitz einer Consulting-Group. Michael Wenzel, in Bad Godesberg aufgewachsen, erinnert sich noch lebhaft an die Absperrmaßnahmen, die in Folge von Bombendrohungen weiträumig um das Gebäude vorgenommen wurden.

Privat genutzt wird hingegen die frühere portugiesische Botschaft in der Dollendorfer Straße 11-15. Eine Eigentümergemeinschaft erwarb den Komplex und ließ in dem weitläufigen Park noch weitere Gebäude errichten.

Vom Rheinuferweg wirft die Gruppe einen staunenden Blick auf die ehemaligen Residenzen des britischen und in den prachtvollen Park der Residenz des italienischen Botschafters. Die stolzen Villen werden ebenfalls privat bewohnt. Zurück geht es durch die Dürenstraße, an den früheren Botschaften von Albanien, Irak und Uganda vorbei.

Infos zur Tour bei Michael Wenzel unter (02 28)18 42 69 0.