Tierschützer und Veterinäre raten zur Kastration von Katzen

Pflegestelle des Katzenschutzes: Helena Bracklow päppelt herrenlose Tiere auf, damit sie kräftig genug für die Operation sind.

Pflegestelle des Katzenschutzes: Helena Bracklow päppelt herrenlose Tiere auf, damit sie kräftig genug für die Operation sind.

Flink schließt Helena Bracklow die Drahttür zu ihrem Pflegezimmer. Kaum ist der Raum zu, schmiegen sich sechs junge Kätzchen an ihre Beine. Seit Wochen päppelt sie im Auftrag des Vereins Katzenschutz Bonn/ Rhein-Sieg (KSBR) die Tiere auf.

Bonn. Flink schließt Helena Bracklow die Drahttür zu ihrem Pflegezimmer. Kaum ist der Raum zu, schmiegen sich sechs junge Kätzchen an ihre Beine. Seit Wochen päppelt sie im Auftrag des Vereins Katzenschutz Bonn/ Rhein-Sieg (KSBR) die Tiere auf.

"Sie sind ein recht typischer Fall. Eine Hälfte kommt von einem Bauernhof, die andere gehörte Leuten, die mit einer Katze anfingen und sich plötzlich um immer mehr Tiere kümmern mussten", erklärt Bracklow. "Ohne Kastration pflanzen sie sich halt ungebremst fort, im schlimmsten Fall landet der Nachwuchs auf der Straße, verwildert und sorgt wieder für Nachwuchs."

Die Stadtverwaltung spricht von einer Überpopulation frei lebender Katzen in Bonn. Sie seien oft verwahrlost, krank, befallen von Flöhen und Würmern. Genaue Zahlen gebe es nicht, erklärt KSBR-Vorsitzende Susanne Wanninger-Karn. Offensichtlich sei aber, dass es zunehmend mehr würden.

Sie begrüßt die am Freitag gestarteten gemeinsamen Aktionswochen der Stadt Bonn und von 18 Veterinären: Dringend werden Katzenhalter aufgefordert, ihre Lieblinge frühzeitig kastrieren und kennzeichnen zu lassen. Inhaber von Bonn-Ausweisen zahlen einen reduzierten Gebührensatz. Die Aktion läuft bis 30. November.

"Es ist ein richtiger erster Schritt. Ermäßigt wird die Kastration einer Katze etwa 60 Euro kosten, die eines Katers rund 30 Euro: je nachdem, wie lange der Eingriff dauert", sagt Wanninger-Karn. "Ich fürchte aber, dass dies mancher Familie noch zu viel ist." Sie bevorzugt eine Kastrationspflicht für Freigänger, wie sie seit September 2008 in Paderborn praktiziert wird.

"Schwierig ist die Umsetzung, schließlich muss genügend Personal da sein, das die Tiere kontrolliert", sagt Wanninger-Karn. Angestoßen wurden die Aktionswochen vom Umweltausschuss als Reaktion auf einen Bürgerantrag Anita Kirchners und mehrerer Tierschützer im Juni 2009.

Zwar stellten sich alle Parteien auf die Seite der Antragsteller, entschlossen sich aber nur zur Informationskampagne. Auf eigenen Wunsch übernahm das Umweltamt die Koordination: In Flugblättern wird darauf hingewiesen, dass es bei ausbleibendem Erfolg auch in Bonn zur Kastrationspflicht kommen könne. Dann droht Bußgeld, wenn die Tiere nicht kastriert sind. Auch die Bundestierärztekammer empfiehlt die Kastration.

"Eine ungeplante Vermehrung bedeutet für viele Katzenbabys Elend und Katzenjammer", sagt Präsident Theo Mantel. Die Konsequenz unkontrollierter Vermehrung seien überfüllte Tierheime und die vermehrte Verbreitung von Katzenkrankheiten. 400 wilde Katzen ließ der KSBR 2010 auf Vereinskosten kastrieren. "Im Jahr kann eine Katze knapp 20 Nachkommen zeugen. Pflanzen die sich fort, wird der Anstieg explosionsartig", erklärt Vereinschefin Susanne Wanninger-Karn.