Tempomesser für die Fußgängerzone

Testlauf bei Vernissage: In der Friedrichstraße hängt jetzt ein Tempomesser von Klangkünstler Erwin Stache.

Bonn. Fußgänger blickten verwirrt nach oben und Kinder begannen plötzlich zu rennen. Das Kunstwerk, das Passanten seit Samstag in der Friedrichstraße sehen und hören können, sorgt für Überraschung. Es hängt über der Straße und sieht auf den ersten Blick aus wie eine gewöhnliche Geschwindigkeitsanzeige.

Doch warum in einer Fußgängerzone? Gibt es etwa ein Tempolimit für Spaziergänger? Weit gefehlt. Es handelt sich um eine Installation des Stadtklangkünstlers Erwin Stache. Unter dem Titel "5,3 Kilometer pro Stunde" versucht er damit, Passanten zum Einhalten zu bewegen.

"Ich will die Leute dazu bringen, sich über ihr Tempo bewusst zu werden", so Stache. Läuft ein Fußgänger unter der Anzeige her, wird ihm seine eigene Geschwindigkeit angezeigt. Dazu erzeugt die Installation bestimmte Geräusche, das Ticken einer Uhr, der Klang von Stöckelschuhen, die je nach Tempo schneller oder langsamer werden. "Man wird im Prinzip von seinen eigenen Schritten verfolgt", so der Künstler.

2010 rief die Beethovenstiftung für Kunst und Kultur das Projekt "bonn hoeren" ins Leben. Jährlich beruft sie dazu einen Stadtklangkünstler, der mit seinen Werken versucht, die Stadt durch akustische Arbeiten in einem anderen Licht erscheinen zu lassen.

Diese Aufgabe übernahm Erwin Stache 2011, die Installation ist quasi seine Abschlussarbeit. "Es geht darum, sich künstlerisch Gedanken darüber zu machen, wie unsere Städte klingen", so Projektleiter Carsten Seiffarth.

"Bonn erleben - das versteht man immer als visuelles Erlebnis, aber dass es auch ein akustisches ist, das muss nach vorne getragen werden", fand auch Bürgermeisterin Angelica Maria Kappel. Das scheint jedenfalls gut zu funktionieren, die Passanten nahmen den klingenden Geschwindigkeitsmesser meistens positiv auf. Nicht nur Kinder, auch Erwachsene versuchten sogar, ihr Tempo zu überbieten. "Beim nächsten Mal schaffe ich mehr", so Michael Schneidewind. Er habe das Kunstwerk zuerst gar nicht bemerkt, gab er allerdings zu.

 So ging es auch Ingo Hofmann und Sylvia Güls. Die beiden waren zusammen unterwegs, als sie plötzlich Geräusche von oben hörten. "Wir werden versuchen, das Tempo noch zu toppen." Dazu haben sie noch jede Menge Zeit, bis Ende 2012 ist die Arbeit in der Friedrichstraße täglich zwischen 10 und 20 Uhr erlebbar.