Festspielhaus in Bonn

Telekom geht auf Distanz

BONN. Sollte der Traum von einer neuen Beethoven-Festspielhalle jemals wiederbelebt werden, kann die Stadt bei der Finanzierung des Neubaus nicht mehr auf die Telekom rechnen. Das Bauherren-Modell für die neue Beethovenhalle ist für den Konzern "unrealistisch".

Sollte der Traum von einer neuen Beethoven-Festspielhalle jemals wiederbelebt werden, kann die Stadt bei der Finanzierung des Neubaus nicht mehr auf die Telekom rechnen.

Man könne sich zwar vorstellen, den laufenden Betrieb zu unterstützen, erklärt Stephan Althoff, der Leiter des Konzern-Sponsorings. "Aber das bisherige Bauherrenmodell ist aus heutiger Sicht unrealistisch." Eigentlich wollten Telekom, Deutsche Post und Postbank bis zu 100 Millionen Euro in einen Neubau investieren (siehe "Das war der Plan") - doch im April 2010 legten Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch und die Vorstände der Dax-Konzerne das gesamte Projekt auf Eis.

Bis dahin hatten die Unternehmen nach GA-Informationen schon fünf Millionen Euro in die Vorbereitungen gesteckt. Bei der Post ist die Tür trotzdem noch nicht zu. "Wenn es um ein Festspielhaus von Weltformat entsprechend dem Ursprungskonzept geht, sind wir weiter bereit, uns bei einem Neubau finanziell zu engagieren", betont Kommunikationschef Christof Erhart.

"Allerdings müssen die Rahmenbedingungen stimmen." Auch Befürchtungen von Insidern, die Bundesregierung könnte die fürs Beethoven-Projekt reservierten 39 Millionen Euro für Veranstaltungen zum Lutherjahr 2017 umwidmen, bestätigen sich bisher nicht. Das Geld steht weiter für Bonn im Nachtragshaushalt 2007, heißt es aus dem Büro des Kulturstaatsministers Bernd Neumann.

Warum das Beethoven-Projekt vorerst gescheitert ist, beschreibt Manfred Harnischfeger in der Fachzeitschrift "Crescendo". Es ist der Kommentar eines Eingeweihten: Harnischfeger, bis 2009 Kommunikationschef der Deutschen Post DHL, ist deren Beauftragter für die Stiftung Festspielhaus und hält in einem persönlichen Meinungsbeitrag sowohl der Stadtverwaltung als auch den Politikern den Spiegel vor.

Vor dem Hintergrund des WCCB-Debakels schreibt er von einer "überforderten Verwaltung, die ein zweites großes Projekt nicht schultern kann und will". Und: "Verwaltung, Rat und große Teile der (sehr kulturaffinen) Bürgerschaft" hätten sich "als ein in seligen Vergangenheits- und Bedeutungsträumen verhafteter, bildungsbürgerlicher Debattierklub" erwiesen.

"Im Stadtrat der Kleinmütigen regiert eine schwarz-grüne Mehrheitskoalition, in welcher der Festspielhaus-feindliche grüne Schwanz mit dem unschlüssigen schwarzen Hund wackelt", ätzt Harnischfeger in "Crescendo".

Besonders kritisch nimmt sich der Kommunikations-Profi den Oberbürgermeister vor. Mit der Ankündigung, eine Bürgerbefragung zum Festspielhaus zu veranstalten, habe Nimptsch nach seiner Wahl eine "unselige Kontroverse zwischen Befürwortern sozialer Wohltaten für viele (Schwimmbäder, Kindergärten etc.) und Vertretern einer scheinbaren Elite-Kultur" losgetreten. "Er definierte sich als Moderator und nicht als Anführer und Visionär."

Die Befürworter der alten Beethovenhalle hätten "mit ihrer erstaunlichen argumentativen Kraft und öffentlichen Sichtbarkeit die Politik und auch den OB nach dessen eigenem Bekunden stark beeindruckt". Die drei Dax-Unternehmen als Geldgeber müssen ziemlich irritiert gewesen sein.

"Sollten sie für ihr eigenes Geschenk an das Gemeinwesen auch noch die Werbetrommel rühren?", fragt Harnischfeger in seinem Artikel. Im Frühjahr 2010 seien sie das "Hin und Her leid" gewesen.

"Die Vorstandvorsitzenden fragten den OB, ob er das Festspielhaus wirklich wolle. Wenn ja, ob die Stadt ihre Einlage in die Stiftung leiste und welches die konkreten Arbeitsschritte seien. Da gestand das Stadtoberhaupt, dass er derzeit keine Ratsmehrheit und keinen Konsens in der öffentlichen Meinung erkenne."

Maximal drei Millionen Euro, rechnet Harnischfeger vor, wären durch das neue Festspielhaus auf den städtischen Kulturhaushalt jährlich als Belastung zugekommen. "Diese Summe ist im Rahmen des Gesamthaushalts marginal, aber sie wurde in Frage gestellt und die zu erwartende Umwegrentabilität gar nicht erst ins Auge gefasst.

Was wäre aus Salzburg geworden, hätte es nicht den unermüdlichen Druck Karajans zur Gründung der dortigen Festspiele gegeben?" Harnischfeger zum GA: "Ich suche keine Schuldigen, sondern beschreibe für staunende Nicht-Bonner die Situation. In gewisser Weise verstehe ich Herrn Nimptsch in der Frage, was eine eventuelle gegenwärtige Überforderung der Verwaltung angeht."

Sollte Bonn versuchen, die Festspielhaus-Idee doch noch bis zum 250. Geburtstag Ludwig van Beethovens im Jahr 2020 zu realisieren, stellen sich für Harnischfeger neue Fragen - "was Grundstück, Finanzierung und Beteiligte angeht. Das wird nicht leichter. Dazu müsste eine eindeutige, klare Initiative von der Stadt ausgehen."

Oberbürgermeister Nimptsch will zunächst ein kulturelles Gesamtkonzept für die Bundesstadt erarbeiten lassen. Außerdem müssten erst die Zukunft des WCCB geklärt und der Stadthaushalt saniert sein, betont er immer wieder. Ohne einen Bürgerentscheid halte er ein neues Festspielhaus für nicht machbar.