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Kommentar
Taten statt Phrasen
Von Rüdiger Franz
Kein Zweifel: Über Sinn, Intention, Brauchbarkeit und Machart der vom Steinke-Institut im Internet gezeigten Gefahrenkarte für einzelne Bonner Stadtteile lässt sich lange grübeln. Bemerkenswert ist jedoch, welche Aufregung eine kleine Sprachschule in einer Stadt wie Bonn zu erzeugen vermag. Die Nervosität scheint groß zu sein.
No-Go-Areas, also rechtsfreie Räume mit hohem Gefahrenpotenzial, zu kennzeichnen, ist nichts Ungewöhnliches. Man kennt das aus Reiseführern - etwa wenn diese sich Städten wie Detroit, Istanbul, Johannesburg oder Mogadischu zuwenden. Bonn oder Bad Godesberg in eine solche Reihe zu stellen, erscheint zunächst in der Tat übertrieben.
Jedoch: Wer erst einmal Opfer eines Überfalls, einer Schlägerei oder auch "nur" einer Beleidigung oder Bedrohung wurde, dürfte das anders sehen. Und die Zahl dieser Menschen steigt, worauf zumindest die häufiger werdenden Berichte über negative Erlebnisse in Bad Godesberg schließen lassen. Immer deutlicher melden sich im Stadtbezirk Eltern zu Wort, die sich deshalb um ihre Kinder sorgen. Die floskelhaften Beteuerungen der Polizei, Godesberg sei "kriminalstatistisch unauffällig", werden den einen oder anderen Betroffenen in seiner Meinung von den Ordnungshütern nur bestärken.
Auffallend häufig wird von Personen als Tätern berichtet, die offenbar für die mannigfachen Integrationsbemühungen nicht empfänglich sind - wie gezielt deutschenfeindliche Pöbeleien oder Verbalattacken gegen sommerlich bekleidete Frauen annehmen lassen. Während sich die Polizei über Aspekte der (Nicht-)Integration konsequent ausschweigt, sind zum Beispiel von Seiten der Justiz hierzu prägnante Aussagen erhältlich.
Dass sich die Bezirksbürgermeisterin der "No-Go-Karte" kritisch und sachlich widmen möchte, verdient Anerkennung, auch wenn damit letztlich eine plakative Aktion aufgewertet wird, mit der sich ein Gewerbetreibender erfolgreich ins Gespräch gebracht hat. In Bad Godesberg ist man bei der Benennung von Problemen schon ein Stückchen weiter als andernorts - Lösungsversuche inklusive.
Artikel vom 23.10.2013
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