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"No-Go-Area" in Bonn
Steinke Institut warnt mit Karte vor Straßengewalt
Von Martin Ochmann
BONN. Auerberg, Tannenbusch und Medinghoven, das sind Orte, die Gäste aus dem Ausland besser meiden sollten. Das zumindest sagt das Steinke Institut Bonn, eine Sprachschule, die auch Deutschkurse für Menschen aus aller Welt anbietet. Die Polizei widerspricht dem vehement.
Diese Karte hat das Steinke Institut auf der Homepage abgebildet. Foto: Steinke Institut
Auf seiner Internetseite zeigt das Institut eine Karte von Bonn, dazu der Hinweis "Basierend auf den Erfahrungen unserer Deutsch-Sprachschüler empfehlen wir, folgende Gegenden in Bonn zu meiden". Neben den bereits genannten Ortsteilen gehören dazu auch Dransdorf, Beuel-Ost, Godesberg-Mitte, Pennenfeld und Lannesdorf Nord.
"Ich bin kurz davor, die Karte aus dem Netz zu nehmen", sagt David Schah, Leiter des Instituts. Denn neben Zustimmung gab es auch viel Kritik von Bonner Bürgern. Die verwahrten sich nicht nur gegen Pauschalkritik an ihrem Stadtteil, sondern warnten auch davor, dass die Karte Wasser auf die Mühlen von Rechtspopulisten sein könnte.
Denn im Internetauftritt des Instituts kann man unter anderem lesen, dass "vor allem unsere ostasiatischen und osteuropäischen Schüler einschlägige Erfahrungen mit Jugendlichen" gemacht haben, die "fast ausnahmslos selbst einen Migrationshintergrund zu haben schienen und bei denen offenbar die Bemühungen um Integration bzw. die Anpassung an ein zivilisiertes Sozialverhalten noch zu wünschen übrig lassen."
Der Leiter des Instituts verteidigt diesen "Service" für die Schüler des Instituts. "Unsere Tipps speisen sich aus Hunderten von Hinweisen und auch Rückmeldungen der Lehrer, die teilweise selbst dort leben", sagt Schah.
Neben den Erfahrungsberichten der Schüler seien Zeitungsartikel ausgewertet worden. So sei erst vor kurzem ein Schüler aus Ecuador in Bad Godesberg zunächst angepöbelt worden. Als er sich gewehrt habe, hätten die Angreifer mit dem Handy Unterstützung herbeitelefoniert und den Schüler dann zusammengeschlagen.
Viele Schülerinnen aus Osteuropa oder Lateinamerika würden Opfer sexueller Belästigung, oft würden Handys geraubt "Die Polizei spielt derartige Vorfälle runter", meint Schah. Er ist überzeugt, dass die Zahl der Straftaten steigt. "Es ist wichtig, dass die Probleme angegangen werden und falsch, das zu verschweigen", so Schah.
"Die internationale Stadt Bonn arbeitet intensiv daran, das Zusammenleben von Menschen aus über 180 Ländern der Welt, von denen 30 Prozent einen sogenannten Migrationshintergrund haben, so zu gestalten, dass Vielfalt zur Stärke wird", sagt Sozialdezernentin Angelika Maria Wahrheit, stellvertretend für Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch.
Dabei sei die Stadt erfolgreich, wie Schilderungen vieler tausend Uno-Mitarbeiter bestätigen würden. Dem stünden Erfahrungen von 250 Schülern gegenüber. "Wir nehmen diese Angaben ernst, wollen sie aber vor dem Hintergrund unserer Gesamterfahrung auch nicht überbewerten", sagt Wahrheit.
Polizei: Das ist nicht die Wirklichkeit
"In Bonn kann man überall hingehen, das Pauschalisieren wird der Realität nicht gerecht", sagt Polizeisprecherin Daniela Lindemann. Die Karte decke sich nicht mit der Wirklichkeit. Man habe sich die Fallzahlen bei Straßenkriminalität, dazu gehört unter anderem Raub, sexuelle Belästigung, Körperverletzung und Diebstahl, genau angesehen.
Lindemann: "Wir verzeichnen einen Rückgang im Vergleich zum Vorjahr." Ob es sich bei Straftaten in der Mehrzahl um Migranten handelt, werde statistisch nicht erfasst. "Die Ursachen sind vielfältig. Ausschlaggebend ist nicht die Herkunft, sondern soziale Umstände und äußere Faktoren."
Artikel vom 22.10.2013
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