Stadttochter soll WCCB vollenden

Das World Conference Center Bonn (WCCB), im September 2011

BONN. Noch vor Weihnachten könnte die Stadt Bonn endlich wieder Hausherrin über das World Conference Center Bonn (WCCB) sein.

Zwei Tage vor Heiligabend, so erfuhr der WCCB-Ausschuss am Mittwochabend, soll möglichst die Gläubigerversammlung tagen, von deren Zustimmung der Heimfall, also die Rückübertragung des Areals samt Aufbauten (Konferenzzentrum, Hotel, Parkhaus und Abgeordnetenhäuser) abhängt.

Der Bonner Rechtsanwalt und Insolvenzexperte Johannes Gather, der für die Stadt federführend die Verhandlung über den Heimfall mit Insolvenzverwalter Christopher Seagon geführt hat und erfolgreich zum Abschluss bringen konnte, ist indes zuversichtlich, dass die Gläubigerversammlung zustimmen wird. Zumal die Sparkasse KölnBonn als größte Gläubigerin den Ausschlag geben wird.

In der Sitzung am Mittwoch präsentierte Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch den Ausschussmitgliedern zudem unterschiedliche Varianten, wie sich die Stadt die weitere Vorgehensweise zur Fertigstellung des WCCB vorstellt. Dabei bevorzugt die Stadt eine Variante, nach der sie als Eigentümerin  über ihr Städtisches Gebäudemanagement (SGB) in die Rolle des Bauherrn schlüpft  und der BonnCC - Nachfolgerin der bisherigen WCCB-Management GmbH - die Bauausführung  überträgt.

Ein Modell, über das "in der Grobstruktur" in allen Fraktionen Einvernehmen besteht und am Donnerstagabend in der Ratssitzung beschlossen werden soll. Finanziell ist die Fortführung des WCCB-Projekt bereits im städtischen Haushalt abgesichert.   

Für die Projektsteuerung und Generalplanung soll, so Andreas Oliver Koch, Chef der WCCB-Projektgruppe, noch in diesen Tagen ein sogenannter Teilnahmewettbewerb ausgelobt werden. Ebenso soll möglichst bald festgestellt werden, wie der derzeitige Bautenstand ist und wie hoch dementsprechend der weitere Aufwand zur Fertigstellung des WCCB sein wird, dessen Baustelle seit nunmehr zwei Jahren ruht.

Und genau da liegen die Probleme: Welche Bauschäden hat der Baustillstand nach zwei strengen Wintern verursacht? Welche optischen Mängel müssen behoben werden? So ist die Holzvertäfelung im Foyer des WCCB, im "Kristall", nur teilweise angebracht und dementsprechend nachgedunkelt.

Und was ist mit den Sicherheitsstandards für einen Kongresssaal, in dem auch die UN ihre Tagungen abhalten will? Nach GA-Informationen hat der einstige WCCB-Bauchef Young Ho Hong diese Standards, unter anderem die sogenannte Außenhautsicherung, komplett weggespart. Experten glauben deshalb, dass einige Abriss- und Neubaumaßnahmen unvermeidlich seien.

Mit den Antworten auf diese Fragen sind jeweils Millionen Euro verbunden, die die Stadt möglicherweise sparen kann oder zusätzlich investieren muss. Größte Unsicherheit besteht  bei dem Bausubstanzwert des WCCB: Seagon hatte im Februar 2010 "nach den bisher vorliegenden Informationen" von "135 Millionen Euro" berichtet und unter dem "Vorsichtsaspekt" einen Betrag von 115 Millionen Euro angesetzt. Nach dem Bericht des Rechnungsprüfungsamtes jedoch lag der Kostenstand  im Januar 2009 schon bei mehr als 183 Millionen Euro. Von den Ergebnissen der Bautenstandfeststellung hängt also ab, wann mit dem Weiterbau begonnen und das WCCB eröffnet werden kann. Nimptschs Wunschtermin,  Sommer 2013, halten Koch und Gather jedoch nach derzeitigem Erkenntnisstand "durchaus für realistisch".

Ob bis dahin auch die Prozesse rund um den WCCB-Skandal abgeschlossen sind, ist fraglich: Nach Aufnahme der Ermittlungen im Herbst  2009 gegen insgesamt 14 Personen, wurde Ende September dieses Jahres die erste Prozessrunde gegen vier Angeklagte, darunter der ehemalige WCCB-"Investor" Man-Kim vor der großen Bonner Wirtschaftsstrafkammer eröffnet.