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Beachvolleyball auf dem Münsterplatz
Spannende Ballwechsel auf 700 Tonnen Sand
Von Maximilian Mühlens
BONN. Sonnenbrille, genügend Sonnencreme und eine Pappklatsche braucht man am Samstag und am Sonntag auf dem Münsterplatz. Nach einem Jahr Pause ist die "smart beach tour", die offizielle nationale Ranglisten-Turnierserie des Deutschen Volleyball-Verbandes, wieder auf in Bonn zu Gast.
Während die Spielerinnen und Spieler auf dem Center-Court und zwei weiteren Feldern um Ranglistenpunkte kämpfen, können die rund 1500 Zuschauer, die auf den Tribünen Platz finden, spannende Ballwechsel erleben.
Mitreißende Spiele auf golden glänzendem Sand gab es schon am Freitag bei der Qualifikation. Das Turnier in Bonn ist das letzte vor dem Finale der Deutschen Beachvolleyball Meisterschaften am Timmendorfer Strand. Außerdem spielen die Teams um insgesamt 10.000 Euro Preisgeldes. Wenn sie im knöcheltiefen Sand baggern, pritschen und schmettern, können ihren Einsatz zwar nicht vergolden wie Jonas Reckermann und Julius Brink am späten Donnerstagabend in London, aber immerhin versilbern.
Marcus Hellkötter, Pressechef der "smart beach tour", erwartet nach dem grandiosen Olympiasieg des Kölner Beachvolleyball-Duos keine zusätzlichen Besucherströme. "Immer wenn wir hier in Bonn waren, waren die Spiele sehr gut besucht. Schon bei den ersten Spielen sind in der Regel die Ränge voll. Sicherlich liegt es auch daran, dass wir keinen Eintritt nehmen."
Am Dienstag hatten die Aufbauarbeiten für das sandige Event begonnen. Ein Center-Court mit zwei Tribünen, sowie zwei Nebencourts und ein kleiner Trainingsplatz sind innerhalb der vergangenen drei Tagen zu Füßen des Beethovendenkmals und im Schatten des Münsters entstanden. Rund 700 Tonnen Quarzsand wurden dafür von Lastwagen nach Bonn transportiert und abgekippt. Knapp 40 Zentimeter hoch türmt sich der Sand auf den Spielfeldern.
Das Duo David Poniewaz und Börge Wittmüss, die in Bonn antreten, hoffen, dass die Beachvolleyball-Goldmedaille ihren Sport bekannter macht. "Normalerweise wird unsere Sportart ja nicht so oft im Fernsehen übertragen, durch den Erfolg von Reckermann und Brink kann sich daran vielleicht etwas ändern, zu wünschen wäre es", sagt Wittmüss, der gerade sein Abitur gemacht hat - und nicht in den Sand gesetzt hat.
Um erfolgreich zu sein, trainieren die beiden 19-Jährigen fast täglich. "Im Winter achtmal in der Woche, im Sommer sechsmal", berichtet BWL-Student David Poniewaz. An Wochenenden bestreiten sie Turniere. Beide möchten als Beachvolleyball-Profis im Sand Fuß fassen und versichern, dass Schule, Studium und der Sport ganz gut vereinbar seien. "Wir studieren halt nicht nach Plan. Wenn andere drei Jahre brauchen, brauchen wir eben sechs Jahre.
Wir lassen uns da einfach mehr Zeit", sagt Poniewaz. Olympia wäre zwar für die beiden ein Traum, das nächste Ziel sind aber erst einmal die U 21-Meisterschaften. Für das Bonner Turnier rechnen sich die beiden 19-Jährigen nicht allzu große Chancen aus - die Konkurrenz sei zu stark, und normalerweise spielen sie mit anderen Partnern.
Viele der Zuschauer auf dem Münsterplatz sind Hobby-Volleyballer, die nicht nur aufmerksam die Spiele verfolgen, sondern auch im Video festhalten. Die einen spielen im Verein, die anderen nur im Sommerurlaub am Meer. Selina Lockwood sitzt mit Freunden ganz nahe am Spielfeldrand und beobachtet eine Partie zweier Frauenteams. "Ich bin hier, weil ich selber spiele und mir von den Profis Inspiration für meine eigene Spielweise holen möchte", berichtet die 21-Jährige Studentin.
"Die Leistung, die von den Sportlern erbracht wird, ist erstaunlich." Ob im Sand oder in der Halle: "Volleyball ist technisch sehr anspruchsvoll. Nicht jeder Schlag gelingt auf Anhieb", weiß Wittmüss. "Und wenn es nicht so klappt wie im Fernsehen, sollte man nicht direkt verzweifeln." Übung macht eben doch den Meister - und Olympiasieger.
Zeitplan, Zahlen, Fakten
Samstag: Hauptfeld Frauen und Männer 8.30 bis 21 Uhr
Sonntag: Fortsetzung Hauptfeld Frauen und Männer 9 bis 14.30 Uhr, Finale Frauen ab 15 Uhr, Finale Männer ab 16 Uhr
Starter: 12 Frauen-, 16 Männerteams
Preisgeld: insgesamt 10.000 Euro; Männer 5300 Euro, Frauen: 4700 Euro.
Spielfelder: 3
Sand: 700 Tonnen Quarzsand
Sitzplätze: rund 1500 (keine Reservierung möglich), Eintritt frei
Artikel vom 11.08.2012
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