Kommentar

Signale sind unübersehbar

Was war das für eine Aufregung, als am 3. März 2009 in Köln das Historische Archiv einstürzte und Schätze von unbezifferbarem Wert unter sich begrub.

"Geschichte in Trümmern" und "das Gedächtnis des Gemeinwesens ist ausgelöscht", schrieben Zeitungen, und die FAZ orakelte: "Die viel größere Wunde ist unsichtbar: eine Amnesie, deren Ausmaß sich nicht abschätzen lässt." Das Erbe aus Jahrtausenden unter Staub und Schutt. Dem Vergessen ausgeliefert.

Als der erste Schreck verdaut war und man an die Ursachenforschung für den Einsturz ging, kam heraus, dass die Katastrophe absehbar war, es deutliche Signale und Missstände gab.

Die auch in Bonn noch unter Schock gehaltenen Sonntagsreden über das hehre Gut der Geschichte und die Bedeutung der Archive sind längst verklungen. Die Gefahr, die im Fall des Bonner Stadtarchivs von Klimaschwankungen und Wassereinbrüchen ausgeht, tut uns nicht den Gefallen, zu verpuffen. Sie ist da. Die Signale sind auch in Bonn unübersehbar.

Die zerstörerischen Kräfte würden nicht Halt machen vor den Fotos und Dokumenten, Akten, Urkunden und archivalischen Schätzen etwa aus der Ära der "Bonner Republik". Vieles wäre verloren. Was Luftfeuchtigkeit und Schimmelbefall etwa bei wertvollen Fotodokumenten oder Zeitungsfolianten anrichten, die im Stadtarchiv gesammelt werden, kann man mit bloßem Auge sehen. Für manche Archivalien ist es dann schon zu spät.

Die Stadt braucht einen sicheren Ort für ihr Gedächtnis. Dass bislang nichts wirklich Schlimmes passiert ist, ist kein Verdienst der Verwaltung. Wir haben einfach nur Glück gehabt.

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