Neuer Kanal in Bonn

Schwitzen unter der Sterntorbrücke

BONN. Mineure treiben in sechs Metern Tiefe Stollen für einen neuen Kanal in Handarbeit voran. Die Tonnengewölbe sind heute Keller. Als harte Nüsse erweisen sich die Fundamente der Sterntorbrücke.

Für Menschen mit Platz- oder Höhenangst ist das sicher kein günstiger Arbeitsplatz: die Kanalbaustelle unter der Straße Sterntorbrücke. Sechs Meter in die Tiefe führen die Leitern zu den Männern, die im Schweiße ihres Angesichts und in echter Handarbeit auf allerengstem Raum den Stollen für den fast 90 Meter langen neuen Kanal vorantreiben.

Peu à peu wird so der 1900 erbaute Vorgänger ausgetauscht. 690.000 Euro kostet das Kanalbauprojekt, das bis Ende September abgeschlossen sein soll. Ob das bis dahin klappt, ist allerdings fraglich. Denn das Gestein der Fundamente der im 17. Jahrhundert erbauten Brücke erweist sich härter als ursprünglich gedacht.

Und das ist nicht die einzige Überraschung für die Bauarbeiter: "Wir sind zu Beginn der Arbeiten auf eine vier Meter dicke Mauer mit rückwärtigen Stützstreben gestoßen", erläuterte gestern Werner Bergmann, Chef des städtischen Tiefbauamtes. Sie bestand aus Basaltsteinbrocken aus der Eifel und alten Feldbrandziegeln, die eisenhart hart sind.

"Wir mussten diese Mauer sozusagen mit der Hand, Stück für Stück, abtragen lassen", sagte Bergmann. Mit Flaschenzügen wurden die Steine an die Oberfläche befördert, wo immer noch ein besonders dicker, mehr als 600 Kilogramm schwerer Basaltklotz liegt und von der Meisterleistung der Mineure, wie die Bauarbeiter sich nennen, zeugt. Ihre Tageleistung lag in diesem Bauabschnitt bei gerade mal einem Meter in der Woche. Normalerweise, so Bergmann, schaffen die Männer einen Meter Gestein pro Tag aus dem Weg.

Als wirklich harte Nüsse erweisen sich auch die acht Fundamente der 10,20 Meter breiten Sterntorbrücke, die einst auf sieben Tonnengewölben den damaligen Graben der barocken Festungsmauer der Stadt Bonn überspannte. Vermutlich im 19. Jahrhundert wurde die alte Brücke überbaut.

Es ist eine Baustelle, die wie so viele in der mehr als 2000 Jahre alten Stadt Bonn auch für die Archäologen von großem Interesse ist, deshalb dürfen diese nicht fehlen: So ist Alexander Thieme vom Büro Archaeonet im Auftrag der Stadt Bonn täglich mit vor Ort und begutachtet jede Scherbe, die die Bauarbeiter freilegen. Noch kann Thieme nicht sagen, ob sich unter den Funden historisch bedeutsame Schätze verbergen. "Die Teile müssen natürlich erst einmal alle vom Schlamm gründlich gereinigt werden", sagte er.

"Wenn die Gäste der Cafés oben wüssten, dass sie hier auf einem Bodendenkmal sitzen, würde ihnen der Kaffe noch einmal besser schmecken", sagte Bergmann lachend. Zwar ist der Verlauf der Brücke samt ihrer Tonnengewölben bei der Instandsetzung der Straße Anfang der 1990er Jahre mit Pflastersteinen markiert worden, doch wegen des Mobiliars der Außengastronomie ist das während der Freiluftsaison kaum zu erkennen.

Die Gewölbe selbst liegen drei Meter unter dem Straßenniveau und werden bis auf eines von den anliegenden Häusern auch als Kellerraum genutzt. Allerdings sind sie - leider - nicht öffentlich zugänglich.

"Im Zweiten Weltkrieg dienten sie den Hausbewohnern auch als Luftschutzbunker", berichtete Bergmann. Daran erinnern mit schwarzer Schrift auf die dicken Ziegelwände aufgetragene Anordnungen wie "Ruhe bewahren" oder "Schutzraum für 25 Personen". Die Menschen seien in den Gewölben der Sterntorbrücke im wahrsten Sinne "bombensicher" gewesen, so Tiefbauamtschef Bergmann. "Bei diesem Mauerwerk konnte ihnen nichts passieren."