In der Weststadt

Schlachthof-Zukunft ist ungewiss

Die Tage des alten Schlachthofs als "Markthalle" sind gezählt. Bald zieht auch der "Italia-Import" weg.

BONN. Das letzte Geschäft zieht bald um. Die Stadt Bonn will Nachbarfirmen in die Entwicklung einbeziehen.

"Ich würde Ihnen ja gerne einen Kaffee anbieten. Aber unsere große Maschine ist schon verpackt." Vittoria Perrone lacht und ist trotz des bevorstehenden Umzugs recht entspannt. Der Betrieb ihrer Familie "Italia-Import" ist sozusagen der letzte Mohikaner auf dem Gelände des ehemaligen Schlachthofes in der Weststadt.

Voraussichtlich Ende des Monats, wenn alles klappt, fällt auch für die Perrones auf dem Schlachthof ein letztes Mal die Türe ins Schloss. Die Familie hatte hier seit Ende der 80er Jahre Gastronomen, aber auch Privatkunden ihre Delikatessen aus Bella Italia feilgeboten. Dann ist der Schlachthof "leergezogen", wie die Stadtplaner sagen. Was aus dem städtischen Areal an der Immenburgstraße zwischen Müllverbrennungsanlage und Bahngleisen wird, das ist zurzeit noch offen.

Die Verwaltung beabsichtigt, den Schlachthof unter Beteiligung der benachbarten Großbetriebe weiterzuentwickeln, hieß es auf GA-Nachfrage aus dem Presseamt. Erste Gespräche mit den Firmen Eaton-Möller, Knauber und Stadtwerke über deren Vorstellungen zur Entwicklung ihrer Standorte und ihres Umfeldes hätten bereits stattgefunden. Nach GA-Informationen hat für die Verwaltung eine gewerbliche Nutzung des Schlachthofes absolute Priorität.

Den Kommunalpolitikern ist vor allem wichtig, dass es mit der Planung schnell vorwärts geht. Die schwarz-grüne Ratsmehrheit erwartet jedenfalls Perspektiven, "die sich nicht darauf erschöpfen dürfen, die Hallen als Unterstellmöglichkeiten" zu nutzen", mahnten Guido Déus (CDU) und Rolf Beu (Grüne). Ernesto Harder (SPD) sieht die Zukunft des Schlachthofes - "ein Filetstück in Bonn" - in der Nutzung als Gewerbestandort, ebenso Marcel Schmitt vom Bürger Bund.

Doch noch ist die Diskussion im Fluss und eine endgültige Entscheidung nicht in Sicht. Und bis zum Umzug der Perrones läuft der Verkauf dort erst einmal wie gewohnt weiter. Im neuen Domizil, einem ehemaligen Autohaus an der Justus-von-Liebig-Straße in Dransdorf, legen derweil die Handwerker letzte Hand an, damit die Perrones bald, nur einen Katzensprung vom bisherigen Laden entfernt, Wiedereröffnung feiern können.

Die meisten anderen Lebensmittelgroßhändler, die in den vergangenen Jahrzehnten die Kundschaft aus in Scharen auf das Schlachthof-Areal gelockt haben, sind bereits umgezogen. Viele von ihnen, wie die Firmen Baum und Battermann, ins Bornheimer Gewerbegebiet. "Wir wären alle gerne hier geblieben. Das hatte doch schon Kultstatus in Bonn ", bedauert Vittoria Perrone.

Immerhin 70 Betriebe hatten sich einst nach und nach im "Gewerbe- und Gründungszentrum alter Schlachthof" niedergelassen, nachdem die Nutzung, für die der Schlachthof eigentlich einmal vor mehr als 100 Jahren gegründet worden war, immer weiter zurückging und Anfang der 90er Jahre das letzte Rind zur Schlachtbank geführt wurde.

Schon damals waren die Hallen in einem schlechten Zustand und Politik und Verwaltung zerbrachen sich den Kopf, wie es mit dem Schlachthof weitergehen soll. Immerhin rund 20 Millionen Euro, so hatte man ausgerechnet, würde die dringende Sanierung sämtlicher Aufbauten kosten. Das Geld hatte die Stadt Bonn indes nicht und so blieb bis zur Kündigung der Miet- und Pachtverträge erst einmal viele Jahre alles wie es war.

Der Schlachthof

Der alte Schlachthof wurde vor mehr als 100 Jahren gegründet und zählt damit zu den ältesten Gewerbegebieten der Stadt Bonn. In den 1980er Jahren gingen die Schlachtzahlen zurück. Die Firma Groß übernahm als Pächter den Schlachthof. 1992 beendete die Stadt nach langem Streit jedoch den Vertrag, weil die Firma den Schlachtbetrieb schließen wollte. In den Folgejahren veränderte sich die Nutzung des Areals. Immer mehr Gebäude wurden in Ladenlokale umfunktioniert.1998 startete die Stadt auf dem Gelände ein Existenzgründerzentrum.