Schöner Wohnen in der Kirche oder im Turm

KESSENICH. Bund verkauft Anwesen an Aachener Ingenieur, der in Rosenburg 52 Wohnungen baut. Wald bleibt für Bevölkerung offen, Rosengarten gibt's auch wieder

Das Schild "Bundeswehr: Psychologischer Dienst" hängt noch an der Wand. Die schwere Tresortür, hinter der die Akten der Nürnberger Prozesse lagerten, steht weit auf.

Und im Kirchenaltar klafft ein Loch; der Tabernakel fehlt: All das kann man beim Gang durch die Rosenburg entdecken. Dieses Kleinod am Venusberghang, das seit dem Auszug des Streitkräfteamtes vor vier Jahren leer steht und zu verkommen drohte, hat jetzt einen neuen Besitzer.

Der Aachener Diplom-Ingenieur Norbert L. erwarb das Anwesen samt angrenzendem Wald von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben und will im Spätsommer mit dem Umbau beginnen; die Einweihung soll 2010 sein. Sein Konzept ist in der Stadtverwaltung auf Zustimmung gestoßen. "Es erfüllt unsere Rahmenbedingungen", sagt Bauordnungsamts-Leiter Hans-Peter Spindeldreher.

Sehr behutsam geht der neue Eigentümer ans Werk. Im Gegensatz zu bisherigen Interessenten will Lahme lediglich den quer stehenden Bürotrakt neben dem Haupteingang abreißen. Dort entstehen sechs Stadthäuser als Reihenbebauung; darunter eine Tiefgarage mit 40 Stellplätzen. "Die Häuser sollen ein familiengerechtes Wohnen ermöglichen; daher bauen wir etwas unterhalb auch einen großen Spielplatz", sagt Lahmes Projektentwickler Ingo Teichgräber, der betont: "Das Ambiente der Gesamtanlage wollen wir weitgehend erhalten."

Dazu gehöre auch: Die Wege bleiben erhalten, die ehemalige Streuobstwiese wird mit neuen Bäumen ergänzt und der Wald bleibt unangetastet; er steht weiter der Bevölkerung zur Verfügung - ebenso der Zugang zum Kessenicher Plateau, von dem aus man einen schönen Blick auf Bonn hat. Erneuert wird zudem der ehemalige Rosengarten, der der Burg einst ihren Namen gab.

Die Hauptgebäude, die in den 30er Jahren an den markanten Turm angebaut wurden, bleiben entgegen früherer Pläne stehen.

"Die Bausubstanz ist hervorragend, und das Bims-Mauerwerk entspricht der Wärmeschutzverordnung", sagt Teichgräber. Die ehemaligen Bürotrakte werden saniert und so umgestaltet, dass dort und in der benachbarten Villa 52 Wohnungen entstehen.

Wohnen in der Kirche - auch das ist bald auf der Rosenburg möglich. Denn in das vor gut 50 Jahren entweihte katholische Gotteshaus, das der Bundeswehr als Archiv diente, werden zwei Decken eingezogen, so dass drei Wohnungen entstehen, wobei das Gewölbe in der oberen Etage erhalten bleibt.

Noch keine Idee hat der Investor in puncto Altarraum, der durch eine deckenhohe Mauer vom Kirchenraum getrennt und noch relativ gut erhalten ist - mit Hauptaltar und zwei kleinen Nebenaltären samt Sakristei. "Vielleicht stellen wir dieses Kleinod der Wohngemeinschaft als Ruheraum zur Verfügung", sagt Teichgräber, der dann gleich zum "Sahnehäubchen" der Anlage überleitet: dem Turm der Rosenburg.

Beim Betreten dieses fast 180 Jahre alten Gebäudes passiert man zunächst den Raum mit der dicken Tresortüre, hinter der die Nürnberger Prozess-Akten lagerten. Auf drei Mini-Etagen - der Blick von oben ist bei gutem Wetter fast vergnügungssteuerpflichtig - stehen knapp 100 Quadratmeter Nutzfläche zur Verfügung.

Kommentar Lesen Sie dazu auch den Kommentar " Der Bund ist zuverlässig"