SPD boykottiert Ehrung für Wolfgang Clement

Ex-Bundesminister bekommt den Bröckemännche-Preis - 300 Gäste beim Neujahrsempfang des Bonner Medien Clubs

Bonn. Wer den Bröckemännche-Preis des Bonner Medien Clubs bekommen möchte, muss "gegen den Stachel löcken". Man kann es Widerstand nennen oder den Mut zum Unkonventionellen.

Wolfgang Clement, nicht nur Ex-Bundesminister sondern inzwischen auch Ex-SPD-Mitglied, erfüllt diese Anforderung vorbildlich. So vorbildlich, dass ein großer Teil der lokalen SPD-Prominenz am Montagabend den Neujahrsempfang des Medien Clubs samt Preisverleihung boykottierte.

Die Genossen verübeln Clement vor allem, dass er die Partei verlassen hat. SPD-Ratsfraktionschef Wilfried Klein brachte die Kritik auf den Punkt: "Wir haben jahrelang die Ochsentour für unseren Spitzenmann Clement gemacht und uns vor den Wahlen beide Beine für ihn ausgerissen. Auch wenn uns manchmal die eine oder andere Äußerung von ihm nicht gefallen hat." Und dann habe er seine Mitstreiter fallen lassen "wie eine heiße Kartoffel".

Aus diesem Grund hatte auch Bonns SPD-Chef Ernesto Harder abgesagt. Ulrich Kelber, Vize-Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, teilt die Haltung Kleins, war aber ohnehin in Berlin. Und Jürgen Nimptsch (SPD) kam als Oberbürgermeister: "Wenn ein bedeutender Verein einen Preis verleiht, geht der Oberbürgermeister hin, wenn er eingeladen wird. Ich finde, das gehört sich so."

Clement selbst vermisste niemanden: "Es sind doch genug Leute hier." 300 Gäste füllten das Funkhaus der Deutschen Welle. Hausherr Erik Bettermann freute sich, den "alten Freund" Clement zu begrüßen: "Du kannst froh sein, dass ich nicht die Laudatio halte."

Das übernahm ausführlich und anspielungsreich der ehemalige Regierungssprecher Friedhelm Ost. Er zog Parallelen zwischen der in Stein gemeißelten Deutlichkeit des Brückenmännchens, das den geizigen Beuelern 1898 erstmals frech das Hinterteil zeigte, und dem Preisträger, der sich ebenfalls vor Deutlichkeit nicht scheut. Clement sei "einer der letzten Sozialdemokraten ohne Furcht und Tadel", ein großer Kämpfer und immer glaubwürdig in der Sache.

Ein moderner Götz von Berlichingen. Einer, der seine Meinung sage und sich nicht rundschleifen lasse, "heute als Sozialdemokrat ohne Parteibuch".

"Sie stehen vor allem hier, weil wir Ihnen danken möchten für Ihr Bonn-Engagement", sagte Werner P. D'hein, Vorsitzender des Bonner Medien Clubs, und gratulierte. Clement selbst stand nicht zum ersten Mal beim Bröckemännchen-Preis am Mikrofon, 2002 allerdings als Laudator für Literatin Karin Hempel-Soos. Nun freute sich der Wahl-Bonner selbst über die Auszeichnung aus seiner Stadt, die er nicht nur wegen der "schönsten Joggingstrecken weltweit" liebt.

Mit Blick auf die Zukunftsfähigkeit macht sich Clement keine Sorgen um Bonn: "Die Stadt ist jünger und frischer als je zuvor." Weniger zuversichtlich ist er beim Blick auf die Politik in Berlin: "Die kloppen sich wie die Kesselflicker." Clement würde das große Brückenmännchen deshalb auch nicht Richtung Beuel aufhängen, wenn es bald an die sanierte Kennedybrücke zurückkehrt, sondern Richtung Berlin.

Bisherige Preisträger 1999: Friedel Drautzburg, Gastro-Philosoph (Mitinhaber der bönnschen Kultkneipe "STäV" in Berlin)
2000: Franz-Josef Antwerpes, Regierungspräsident a.D.

2001: Wilfried Schumacher, Stadtdechant

2002: Karin Hempel-Soos, Literatin

2003: Norbert Blüm, Minister a.D.

2004: Prof. Hans Jürgen Biersack, Nuklearmediziner

2005: Johannes B. Kerner, Fernsehjournalist

2006: Hans Riegel, Haribo-Chef

2007: Wilfried Gatzweiler, seinerzeit kaufmännischer Geschäftsführer der Bundeskunsthalle

2008: Wolfgang Wiedlich, Präsident der Telekom Baskets Bonn

2009: Monika Piel, WDR-Intendantin (koe)