"Russenblock" in Muffendorf wird Luxusbau

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Da, wo sich in der damaligen Bundeshauptstadt im Haus Peter-Schwingen-Straße 6 über Jahrzehnte die Bonner Diplomaten der Sowjetunion hinter durchweg roten Vorhängen vor dem westlichen Lebensstil zurückzogen, zieht demnächst "The Fine Art of Living", die edle Kunst des Lebens, ein.

Muffendorf. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Da, wo sich in der damaligen Bundeshauptstadt im Haus Peter-Schwingen-Straße 6 über Jahrzehnte die Bonner Diplomaten der Sowjetunion hinter durchweg roten Vorhängen vor dem westlichen Lebensstil zurückzogen, zieht demnächst "The Fine Art of Living", die edle Kunst des Lebens, ein.

Das achtstöckige Haus in schönster Metzental-Lage, das der Godesberger vor der Wende "Russenblock" rief, nennt sich demnächst "Das Quartier 6, die neue exklusive Adresse für stilvolles Wohnen im Bonner Raum".

So betitelt es wenigstens die Homepage der Treibreu Group Development unter dem Stichwort "Peter-Schwingen-Immobilien" und wirbt mit satten Bildern eines sanierten Luxusblocks vor traumhafter Siebengebirgskulisse. "Ja, die Kulisse stimmt, aber der Rest auf den Bildern ist noch computergestellt", gibt Kontaktmann Stefan Horst vom Kölner Immobilienbüro Dahler & Company zu.

Das kommende Quartier 6, das derzeit noch mit einem Gerüst umgeben ist, werde erst im August 2011 bezogen werden können. "Aber das ist dann ganz sicher der allerspäteste Fertigstellungstermin", schiebt Horst sofort nach und weiß genau, dass die Immobilie eine ellenlange und überaus zähe Umbaugeschichte vorweisen kann.

Im August 1999 waren die Diplomaten aus den damals 70 Wohnungen ausgezogen. Sieben lange Jahre stand der Block zum Ärger der Anwohner leer, verwahrloste. Das Gelände nebst Tiefgarage verwilderte. Sonderbare Gestalten trieben sich auf dem staatenlosen Areal herum.

Nach dem Berlin-Umzug sollen laut GA-Informationen Streitigkeiten zwischen drei ehemaligen Sowjetrepubliken um die Immobilie der Grund gewesen sein. Russland habe auch mit der Peter-Schwingen-Straße 6 schnell Kasse machen wollen - und nicht mit dem "Njet" der Georgier und Ukrainer gerechnet.

Die Bundesregierung als eigentlicher Besitzer des Gebäudes musste einen Verkauf durch Moskau untersagen, da Russland zwar über das Nutzungsrecht verfügte, aber nach deutschen Gesetzen nicht als allein weisungsberechtigt galt. Das Auswärtige Amt musste langwierig vermitteln, bis 2007 Bewegung in die Sache kam.

Der Investor Taylor Brothers Immobilien aus London kaufte dem zwischenzeitlichen Verwalter, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, das Areal komplett ab. Projektplaner wurde das Architekturbüro Plan b aus Bad Oeynhausen, das den Block innerhalb eines Dreivierteljahres entkernen, komplett sanieren und zu 65 Einheiten umbauen wollte.

Dann kam Mitte 2009 erneut ein Baustopp. Sämtliches Material wurde zum Entsetzen der Nachbarn abtransportiert. Architekt Christoph Grossmann erklärte dem GA, es finde nur ein Wechsel des Generalunternehmers statt und man werde Mitte oder spätestens Ende 2010 bezugsfertig sein.

Das wird sich nun doch noch ein Jahr länger hinziehen. Immerhin, der Block ist laut Stefan Horst komplett entkernt. Fenster sind wieder eingesetzt. Bis auf die Betongrundmauern sei alles nagelneu. Ja, damit seien auch alle "Wanzen" des Russen-Blocks weg, lacht Horst. "Jetzt beginnt der Innenausbau."