Rodderberg-Krater ist ein Klima-Archiv

Ein Geologen-Team wird im Herbst bis zum Boden des erloschenen Vulkans vorstoßen und erwartet dabei neue Erkenntnisse.

Godesberg/Wachtberg. "Im Oktober geht's los!" Die Freude in der Stimme von Nikolaus Froitzheim ist unüberhörbar. Der Geologie-Professor des Steinmann-Instituts der Uni Bonn hat gemeinsam mit zwei Wissenschafts-Kollegen Großes vor: Das Trio will dem Rodderberg so tief auf den Grund gehen wie niemand zuvor.

Bis auf den Kraterboden soll eine Bohrung reichen, die nicht nur das Alter des erloschenen Vulkans genauer bestimmen, sondern auch nachhaltige Erkenntnisse über die Klimaentwicklung des Rheinlands seit jener Zeit liefern soll.

Der Rodderberg Der nördlichste und jüngste Vulkan des Rheinlands und der Eifel hat einen Durchmesser von rund 800 Metern. Früher wurde er sogar in einem Atemzug mit dem Vesuv genannt. Fest steht , dass er mehrfach ausgebrochen ist, letztmals vermutlich vor rund 300 000 Jahren. Er wurde zum Maar, trocknete aus. Zurück blieb ein etwa 50 Meter tiefer kreisrunder Krater mit einem Tuff- und Schlackenring. Heute ist er eine Fundgrube für Geologen, gleichzeitig aber auch für Tier- und Naturfreunde.

Die filigranen Vorarbeiten sind bereits 2008 und 2009 gelaufen. In ersten zaghaften Versuchen, so genannten Schneckenbohrungen bis in eine Tiefe von 69 Metern, hat das Geologen-Team die Grundlage dafür geschaffen, dass das Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik (LIAG) in Hannover dem Projekt den Zuschlag für die einmal pro Jahr vergebenen Fördermittel für eine Forschungsbohrung gab.

Dahinter verbirgt sich ein sechsstelliger Betrag, mit dem ein Fachunternehmen im Herbst die Tiefenbohrungen durchführen kann. Die genaue Summe nennt Froitzheim nicht, "sonst könnten die Firmen ihre Angebote auf die noch anstehende Ausschreibung ausrichten", begründet er die vereinbarte Zurückhaltung.

Bei der Vorbereitung war es Franz Binot vom Leibniz-Institut gelungen, spektakuläre Fossilienreste aus der uralten Torfmasse des Kraters heraus zu filtern. Dabei war auch herausgekommen, dass der Boden des Vulkans etwa 150 Meter unter der jetzigen Erdoberfläche liegt. Alles was darüber liegt, hat sich im Laufe der vielen Jahrtausende abgelagert. Diese Sedimentschicht wollen die Wissenschaftler bis zum Grund durchstoßen.

"Ein Glücksfall für jeden Geologen", freut sich Binot. Heraus kommen sollen zwei etwa ein Meter lange und zehn Zentimeter dicke Bohrkerne, die anschließend genau untersucht werden. Aus deren Analyse erhofft sich die Gruppe, die mit Georg Schollmayer vom Geologischen Dienst NRW in Krefeld komplettiert wird, genaue Aufschlüsse über die Klima-Entwicklung (siehe auch "Kurz gefragt"). Die Forschungsgelder, die um ein Vielfaches über den Kosten für die Bohrungen liegen, sind bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) beantragt.

Die genauen Standorte für die insgesamt drei Bohrungen sind nach mühevoller Recherche bereits festgelegt. Sie liegen in unmittelbarer Nähe des Broichhofs, der auch rein optisch den tiefsten Punkt im Rodderberg-Krater bildet. Die Arbeiten werden von einem Lastwagen aus durchgeführt und dauern etwa drei bis fünf Wochen.

Fünf Jahre lang soll die Bohrstelle existieren, damit dort auch über einen längeren Zeitraum noch Experimente und Messungen durchgeführt werden können. Über der Erde wird nur ein Kanaldeckel zu sehen sein, der mit einem kleinen Zaun umgeben wird. "Damit sich auch im Dunkeln niemand verletzt", sagte Binot dem General-Anzeiger.

Professor Nikolaus Froitzheim hält am Dienstagabend um 19 Uhr im Deutschen Museum, Ahrstraße 45, den Vortrag "Die Rodderberg-Bohrung: von Vulkanausbrüchen und Eiszeiten im Bonner Raum". Dabei berichtet er auch über das Projekt. Der Eintritt zu der Veranstaltung ist frei. Weitere Infos unter www. rodderberg.org.

Kurz gefragt

Nikolaus Froitzheim ist Professor für Strukturgeologie an der Uni Bonn. Der 52-Jährige kam vor elf Jahren ins Rheinland. Er ist auf Seiten des Steinmann-Instituts für die Bohrung verantwortlich. Mit ihm sprach Bernd Linnarz.

General-Anzeiger: Herr Professor, warum bohren Sie nicht auf der grünen Wiese?


Nikolaus Froitzheim: "Eine gute Frage. Aber im Krater hat sich alles, was für uns interessant ist, wie in einem Eimer gesammelt."

GA: Außer Wasser...

Froitzheim: "Das ist ja das Gute. Nichts dringt von außen ein, nicht mal ein Bach. Nach der letzten Explosion blieb eine abflusslose Senke zurück. Wir nennen das eine Sedimentfalle."

GA: Und was ist daran so besonders?

Froitzheim: "...das, was sich dort im Laufe von 300 000 Jahren angesammelt hat - Flugstaub, den der Wind in den Krater getragen hat. Kurz gesagt, Löss pur."

GA: Und daraus versprechen Sie sich wichtige Erkenntnisse?


Froitzheim: "Ja. Wir können bei der Untersuchung der Bohrkerne genau sehen, wann welches Sediment dorthin gelangt ist. Daraus können wir Rückschlüsse ziehen, wie alt der Vulkan wirklich ist. Vor allem aber, wie sich das Klima im Rheinland danach verändert hat."


GA: Wie geht das?


Froitzheim: "Jedes Flugstaubkorn ist anderen Einflüssen ausgesetzt gewesen. Und die lassen sich jetzt chronologisch ablesen. Wir haben praktisch ein wertvolles Archiv der Umweltbedingungen vor uns."