Reise in den Orient beginnt in der syrischen Botschaft

Ein Hauch von 1001 Nacht: Für Touren von Bad Godesberg Stadtmarketing öffnet auch festungsartige Bau in Plittersdorf seine Pforten

Plittersdorf. Er hat was von 1001 Nacht, dieser Morgen an der Ludwig-Erhard-Allee. Neugierig stehen die Mitfahrer der Botschaftstour von Bad Godesberg Stadtmarketing vor dieser festungsartigen ehemaligen syrischen Botschaft und Residenz.

In der Gartenanlage gewinnen Löwenzahn und Efeu munter Land. "Irgendwie befremdlich. Da hab' ich mich schon immer gefragt, was dahinter versteckt ist", meint Teilnehmer Thomas Meyer und verweist auf die Spitzbogenfenster.

Baschar Sawaf, einst einer der 30 Botschaftsmitarbeiter, öffnet die Tore. Und herein tritt die Gruppe von der verkehrsreichen Straße in eine völlig andersartige Welt. Die ist, vom Architekten Walid Seirawan im Damaszener-Stil geschaffen, typisch orientalisch und erschließt sich auch hier im kühlen Bonn wie in der Hitze von Damaskus nur von den zwei Innenhöfen aus, die zu den Obergeschossen und dann zu Glaskuppeln hin offen bleiben.

Im Mittelpunkt sind heute still gelegte Brunnenanlagen eingelassen. Man glaubt fast, das Wasser noch plätschern zu hören. Vorsichtig schauen die Besucher von der großen Eingangshalle aus in den repräsentativen Veranstaltungssaal, in dem früher die Diplomaten empfangen wurden. Dann arbeitet sich die Gruppe von den Höfen aus in die quadratisch angelegten Gebäudeteile von Botschaft und Residenz vor.

Überall hängen fantasievoll gearbeitete türkis-goldene Riesenlüster von der Decke. Die Wände sind reich mit gold-gelb-rosa Holzintarsien belegt. Spiegel und Wandschränke sind eingelassen. Auf Bänken locken hier, nur einen Steinwurf vom nüchternen Forschungszentrum Caesar entfernt, türkisfarbene weiche Kissen zum Zurücklehnen ein. "Einfach märchenhaft. Gleich kommt Scheherazade um die Ecke", kichern die Frauen. Rundherum weisen die vielen Pflanzenkübel leider nur noch blanke Erde auf.

Im Dienstzimmer des Botschafters wird dagegen die Entwertung voll greifbar, die dieser noch 1990 kurz vor der Berlin-Entscheidung errichtete Bau wegstecken musste. Die Telefone ausgestöpselt, die Elektrokabel ohne Anschluss. Von der Wand grüßt der verstorbene Staatspräsident Assad senior per Foto. Vor Jahren gingen hier Persönlichkeiten wie Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher und die Bonner Orientalistin Annemarie Schimmel ein und aus.

"Jammerschade, dass dieses Gebäude so verkommt", bemerkt Teilnehmerin Karin Wittmann. An den auf den ersten Blick schönen Marmorleisten musste schon mit Attrappen ausgeholfen werden. Die Syrer hätten entschieden, das Gebäude zu behalten und durch die Deutsch-Syrische Gesellschaft als Stätte des internationalen Dialogs zu nutzen, erzählt Tourführer Michael Wenzel. "Es macht einen aber schon nachdenklich, welche Folgen der Regierungsumzug auch für die anderen Länder hatte", fügt Teilnehmer Thomas Meyer hinzu.

Der reizvolle teure Bau werde jetzt nur noch ein paar Mal im Jahr genutzt, so Wenzel. Die Gruppe, allen voran die Damen, ist inzwischen ins Untergeschoss gestiegen. Hier wartet ein Schwimmbad, nun ja, erst mal auf Wasser. "Da würden wir jetzt aber gerne 'reinspringen", scherzt Brigitte Grüll, Vorsitzende des Vereins Stadtmarketing. Vis-à-vis hat auch mal das orientalische Dampfbad Nutzer stilecht willkommen geheißen. "Eben wie bei Scheherazade."

Tourenbuchung zu Ex-Botschaften Syriens, Russlands und Südkoreas, Rufnummer (02 28) 184 26 90 oder www.badgodesbergstadtmarketing.de.