Neuwahlen in NRW

Röttgen gegen "Felix"

BONN. Am Tag nach dem Düsseldorfer Paukenschlag haben am Donnerstag auch in Bonn die Parteien begonnen, sich für den Landtagswahlkampf zu formieren. Größte Überraschung des Tages: Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) tritt nicht in einem "sicheren" Rhein-Sieg-Wahlkreis als Direktkandidat an, sondern im Wahlkreis 29 in Bonn.

"Ich traue ihm zu, jeden Wahlkreis zu holen", erklärte Bonns CDU-Vorsitzender Philipp Lerch. Kaum eine Sekunde gezögert hat seine Parteifreundin Christiane Overmans, als sie von Röttgens Ambitionen erfuhr. "Ich habe sofort erklärt, dass ich in dem Fall nicht mehr antreten werde", sagte die CDU-Stadtverordnete.

Bei der Landtagswahl 2010 war die 52-Jährige im Wahlkreis 29 (Nördliches Bonn/Beuel) ihrem Kontrahenten Bernhard von Grünberg (SPD) klar unterlegen. Overmans: "Röttgen wäre der Beste für uns. Diese Chance dürfen wir uns nicht entgehen lassen." Im Wahlkreis 30 (Hardtberg, Godesberg, südlicher Stadtbezirk Bonn) gilt der Landtagsabgeordnete Benedikt Hauser als gesetzt. Ein Parteitag ist innerhalb der nächsten drei Wochen geplant.

  • Bereits am Mittwoch hatte Ernesto Harder, Vorsitzender der SPD, bekanntgegeben, wen die Sozialdemokraten ins Rennen schicken wollen: die Landtagsabgeordneten Renate Hendricks und Bernhard "Felix" von Grünberg. Trotz des frühen Zeitpunkts sei dies keine Entscheidung über die Köpfe der Basis hinweg gewesen, so Harder. "Nachdem klar war, dass der Landtag sich auflöst, habe ich mit beiden Kandidaten gesprochen, und sie haben zugesagt."

    Nominiert werden sollen beide bei einer Vollversammlung, die nach dem Unterbezirksparteitag am Samstag, 24. März, stattfindet. Bis Ostermontag, so Harder, müsse eine neue Kandidatenliste aufgestellt werden. Die solle bei der Landesdelegiertenkonferenz am 31. März beschlossen werden. Von Grünberg hatte 2010 das Direktmandat im Wahlkreis 29 mit 39,8 Prozent der Erststimmen gewonnen. Hendricks hatte mit Listenplatz elf den Einzug in den Landtag zunächst knapp verpasst, rutschte aber wenig später für Marc Jan Eumann nach, der zum Staatssekretär für Bundesangelegenheiten ernannt worden war.
     
  • Für die Grünen steht im Wahlkreis 30 ihr damaliger Kandidat Christian Trützler wieder zur Verfügung. Der 49-Jährige lag 2010 mit 11,9 Prozent der Erstimmen nach Hauser und Hendricks auf dem dritten Platz. Bis morgens um zwei musste Trützlers Parteifreund Eike Block (25), der im Wahlkreis 29 angetreten war, zittern, bis klar war: Er ist nicht drin. Hätte sein Platz 24 noch gezogen, gäbe es jetzt wohl keine Neuwahl. Dann hätte Rot-Grün - wenn auch nur knapp - die Mehrheit im Landtag gehabt. Jetzt verzichtet Block auf eine erneute Kandidatur. Der Student der Betriebswirtschaft steht mitten im Examen. Wer statt seiner ins Rennen geschickt wird, entscheiden die Grünen übernächste Woche.
     
  • Für die Linken soll der Landtagsabgeordnete Michael Aggelidis (Wahlkreis 29) wieder antreten. Der Anwalt zog vor zwei Jahren über den Listenplatz zehn gerade noch so in den Landtag ein. Für den Wahlkreis 30 wird noch nach Bewerbern gesucht. Laut dem Kreisvorsitzenden Holger Schmidt sollte es möglichst eine Frau sein.
     
  • Die Piratenpartei ist angesichts der Umfragergebnisse, bei denen sie bei fünf Prozent liegt, voll freudiger Erwartung. Sie will mit ihren Vorstandsmitgliedern Bernhard Smolarz (42) und Michael Wisniewski (27) in Bonn antreten. "Wir waren 2010 mit 2,7 Prozent schon ganz gut", so Smolarz.
     
  • Für die FDP wird höchstwahrscheinlich der Röttgener Stadtverordnete Joachim Stamp ins Rennen gehen. 2010 hatte er 8,5 Prozent der Erststimmen im Wahlkreis 30 und 10,6 Prozent bei den Zweitstimmen geholt. Stamp soll außerdem unter die ersten Zehn auf der Reserveliste kommen. Über weitere Kandidaten sei am Mittwochabend im "kleinen Kreis" gesprochen worden, so der FDP-Kreisvorsitzende Werner Hümmrich. Der Kreisvorstand werde am 21. März Vorschläge machen.