Stadthaus in Bonn

Protest bei Enthüllung des Marineschiffmodells

BONN. "Kein Kriegsschiff in unser Stadthaus - Gegen Militarisierung der Gesellschaft" stand auf dem blauen Transparent zu lesen, das Demonstranten just hoch hielten, als Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch und Hans-Joachim Heldt am Freitag das Modell des Einsatzgruppenversorgers (EGV) "Bonn" im Foyer des Stadthauses enthüllten.

Nimptsch und der Vorsitzende des Freundeskreises EGV, der die Finanzierung des Modells übernommen hat, beschlossen, die Enthüllung zu wiederholen, und zwar ohne Demonstranten im Bild.

"Schande", riefen einige der etwa zwei Dutzend Demonstranten. "Dass Bonn seinen guten Namen für ein Kriegsschiff hergibt, ist ein Skandal", findet Jürgen Repschläger, Stadtverordneter der Linken, und darum überreichte Susanne Rohde dem OB noch ein buntes selbstgebasteltes "Friedensschiff".

Die drei Einsatzgruppenversorger der Marine seien alle nach den Städten benannt, die eine besondere Bedeutung für die Demokratie haben: Frankfurt, Berlin und eben Bonn, erklärte Nimptsch: "Und alle drei Oberbürgermeister dieser Städte sind Mayors for Peace, und wir sind auch nicht für die Abschaffung der Bundeswehr."

Es passe zur UN-Stadt Bonn, wo außerdem einst in der Ermekeilkaserne die ersten Bundeswehrsoldaten vereidigt worden waren, die Patenschaft für ein Schiff zu übernehmen, das auch für humanitäre Einsätze genutzt werden soll. "Bonn ist jetzt Marinestadt", sagte Nimptsch. Wie berichtet, hat Nimptschs Frau Hanne Hufschmidt vor vier Monaten das neue Schiff der Marine in Emden auf den Namen "Bonn" getauft. "Das hätte ich nicht getan, wenn es sich um ein Kriegsschiff handeln würde", sagte sie am Freitag.

Fregattenkapitän Björn Laue, der mit 16 Mann zur Feier gekommen war, nahm die Demo gelassen: "Dafür bin ich Soldat geworden, dass alle offen ihre Meinung sagen dürfen."