Kinder mit Bonn-Ausweis

Private Musikschulen fordern Zuschüsse

Private Musiklehrer: Mario Müller (von rechts), Walther Mohr und Andrea Kuchenbuch haben kaum Kinder mit Bonn-Ausweis. Denn die bekommen finanzielle Zuschüsse zum Unterricht nur, wenn sie städtische Musikschulen besuchen. FOTO: ROLF KLEINFELD

Private Musiklehrer: Mario Müller (von rechts), Walther Mohr und Andrea Kuchenbuch haben kaum Kinder mit Bonn-Ausweis. Denn die bekommen finanzielle Zuschüsse zum Unterricht nur, wenn sie städtische Musikschulen besuchen.

BONN. Seit 26 Jahren betreibt Mario Müller seine Musikschule in Bonn, bei Walther Mohr sind es zwar erst acht Jahre. Doch beide eint ein Problem, das fast alle der 400 privaten Musikschulen in Deutschland haben: Wenn sozial benachteiligte Schüler ein Instrument lernen wollen, gibt es die Fördergelder nur, wenn sie zu Musikschulen in städtischer Trägerschaft gehen. Die Privaten gehen leer aus.

"Eine Ungerechtigkeit, die ein Ende haben muss", fordert Müller, der auch Vorsitzender des Bundesverbands Privater Musikschulen ist, Mohr sitzt im entsprechenden Landesvorstand. Gemeinsam kämpfen sie dafür, dass diese "Wettbewerbsverzerrung", wie sie sagen, beseitigt wird. Denn: Private Musikschulen unterliegen denselben Kriterien wie ihre städtischen Pendants, betonen beide. Sie selbst würden andere Musikschulen zertifizieren, damit sie das entsprechende Gütesiegel tragen dürfen.

Um ihrer Forderung Ausdruck zu verleihen, hat der Landesverband Rheinland-Pfalz ein Gutachten in Auftrag gegeben, in dem Professor Josef Ruthig von der Universität Mainz bescheinigt: "Die derzeitige Förderpraxis weist viele verschiedene Fallstricke auf." Der Jurist hält die aktuelle Ausgestaltung der Musikschulförderung für verfassungsrechtlich problematisch und es werde der Zweck, sozial benachteiligte Schüler mit Einschränkungen zu fördern, nicht erreicht.

Dieses Ergebnis wundert Müller und Mohr nicht. "Auch in Bonn ist es so, dass Kinder mit Bonn-Ausweis bezuschusst werden, aber nur, wenn sie zur städtischen Musikschule gehen." Die Praxis zeige dann aber: Diese seien oft überbelegt und hätten Wartezeiten.

Und was ist erst mit Bereichen wie Keyboard-Unterricht, die nur die Privaten anbieten? "Dann müssen wir die Kinder wieder wegschicken. Sie können dieses Instrument dann nicht lernen", beschreibt Müller. Und die städtischen Musikschulen? Dort kommen diese Kinder erst auf Wartelisten, wenn ein Vertrag unterschrieben ist.

Mit dem Gutachten im Rücken wollen Müller, dessen Schwester Andrea Kuchenbuch und Mohr jetzt etwas anstoßen. "Wir erwarten sowohl von den Landesregierungen als auch von den Kommunen, dass sie die Diskriminierung unserer Schüler beenden." Von Bonn aus wollen sie dafür kämpfen, dass bundesweit ein Musikschulgesetz verabschiedet wird, um Rechtssicherheit zu erlangen. In Bayern wird die Sache übrigens anders gehandhabt: Die Privaten werden als "weitere Säule" der Musikausbildung gesehen und gefördert.

Für den Bundesverband ist das Wasser auf die Mühlen, schließlich funktioniere das Prinzip ja bei Kindergärten und allgemeinbildenden Schulen bereits seit Jahrzehnten. Deshalb werde der Verband nicht mehr ruhen, bis das auch für die Musikschulen gelte: Müller: "Wir fordern die Politik auf, endlich aktiv zu werden."