Bahnstrecke Bonn-Euskirchen

Politiker zeigen kein Verständnis für die Bauverzögerung

Zuggäste steigen in Odendorf in die RB 23 ein.

BONN/RHEIN-SIEG-KREIS. Politiker aus Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis üben scharfe Kritik an der Bahn und deren Zeitplan für die RB23-Strecke. Die Deutsche Bahn kann nämlich nicht mehr garantieren, dass die ausgebaute Strecke der RB23 mit den jeweils geplanten vier neuen Haltepunkten im Dezember 2013 in Betrieb gehen kann.

Das war sicherlich nicht die Art von Veranstaltung, die sich die Herren von der Bahn und vom Nahverkehr Rheinland gerne antun: Fast zwei Stunden lang ließen die Kommunalpolitiker aus Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis am Freitagnachmittag ihrem Frust über die Verzögerung des Ausbaus der Bahnstrecke Bonn-Euskirchen freien Lauf.

Wie berichtet, kann die Deutsche Bahn nicht mehr garantieren, dass die ausgebaute Strecke der RB23 mit den jeweils geplanten vier neuen Haltepunkten im Dezember 2013 in Betrieb gehen kann: Ein heißes Thema für die gemeinsame Sitzung der Planungsausschüsse von Bonn und Rhein-Sieg-Kreis.

Hans Joachim Sistenich, Geschäftsführer der Nahverkehr Rheinland GmbH (NVR), erklärte, auch er habe erst Mitte März von den neuen zeitlichen Parametern erfahren. Nach eingehender Beratung seien NVR und DB übereinstimmend zu dem Ergebnis gekommen, dass das vorgesehene Zeitfenster "unrealistisch" sei. Man sei sehr bemüht, die Strecke zum Fahrplanwechsel 2014 in Betrieb zu nehmen. Totalsperrungen würden sich eh nicht vermeiden lassen: In den Sommerferien 2014 etwa wird die Linie nur über Bahnersatzverkehre bedient.

Christian Sauer, bei der DB ProjektBau für die RB23-Strecke zuständig, und Heiner Schwarz, Bauherrenvertreter bei der DB Netz AG, wiesen auf die Komplexität des Projekts hin. Es gehe nicht nur um ein paar neue Haltestellen: 6,5 Kilometer zusätzliche Gleise werden verlegt, 14 Weichen, komplizierte Stellwerktechnik angebracht, Oberleitungen angepasst und dann noch die drei Bahnunterführungen auf Alfterer Gebiet.

Außerdem, so Schwarz, sei zwar vertraglich festgehalten, dass die Inbetriebnahme der Strecke im Dezember 2013 erfolgen soll "oder zumindest mit dem Bau begonnen wird". Patrick Kampschulte, bei der DB Regio in Köln für die Angebotsplanung zuständig, sagte, in den Verkehrsverträgen über das Erbringen von Leistungen heiße es lediglich, dass sie auf der Strecke vier zusätzliche Haltestellen bedienen müssen - wenn sie da sind.

Die Äußerungen trieben nicht wenigen die Zornesröte ins Gesicht. Rolf Beu (Grüne), Vorsitzender des Planungsausschusses in Bonn, erinnerte die DB-Vertreter, dass sie doch stets "gebetsmühlenhaft" die Fertigstellung in 2013 zugesichert hätten. Auch Oliver Krauß (CDU) aus Alfter und Ute Krupp (SPD) aus Rheinbach konnten die plötzliche zeitliche Verzögerung nicht nachvollziehen. "Sie haben doch Jahre Zeit gehabt, das alles planerisch vorzubereiten", sagte Krauß. Ja, aber der Rahmenvertrag sei doch erst im März 2010 geschlossen worden, hieß es daraufhin.

Krupp prophezeite, dass das Chaos noch größer werde. Wenn nämlich auf der Strecke 2014 wie angekündigt zweimal zwei Monate lang gar nichts geht und die Bahn Ersatzbusse bereithält, "dann stehen die im Superstau". Die Kommunalpolitikerin erinnerte daran, dass für 2014 auch die Sanierungen der Nordbrücke und der Viktoriabrücke mitten in Bonn anstehen. Krupp: "Was mich aber wirklich auf die Palme treibt, ist, mit welcher Selbstverständlichkeit Sie das alles hier präsentieren." Die Bonner wollen das Thema RB23 regelmäßig auf die Tagesordnung des Planungsausschusses setzen.