Entwicklung im Bundesviertel

Platz auf dem UN-Campus wird ausgebaut

Entkernt, aber immer noch standhaft lässt das Alte Abgeordnetenhaus im Bundesviertel an sich bohren, stemmen und sägen. Es wird vorbereitet, um neuer Mittelpunkt des UN-Campus zu werden. Von der gediegenen Eleganz der frühen 1950er Jahre ist nichts mehr übrig.

Bonn. Entkernt, aber immer noch standhaft lässt das Alte Abgeordnetenhaus im Bundesviertel an sich bohren, stemmen und sägen. Es wird vorbereitet, um neuer Mittelpunkt des UN-Campus zu werden. Von der gediegenen Eleganz der frühen 1950er Jahre ist nichts mehr übrig.

Keine Spur mehr von der Bonner Politik, kein Hinweis mehr auf die Korrespondenten, die Stunde um Stunde vor den Fraktionsräumen ausharrten, um dann eilig ihre Nachrichten in den bereitgestellten Telefonkabinen an ihre Redaktionen durchzugeben.

Doch der Platz wird gebraucht. Der Umbau zu einem modernen Büroensemble ist nötig. Rund 850 Menschen arbeiten derzeit für die 18 UN-Organisationen. "Die Entwicklung geht in Richtung der 1 000er Marke", sagt Harald Ganns, Senior-Adviser der Bonner UN-Einrichtungen.

Und schon jetzt ist absehbar, dass auch das umgebaute und erweiterte ehemalige Abgeordnetenhaus auf Dauer nicht ausreichen wird. Büros für 265 Mitarbeiter des UN-Klimasekretariats entstehen auf dem aus Sicherheitsgründen streng abgeriegelten Areal zwischen Rhein, Platz der Vereinten Nationen und Hermann-Ehlers-Straße. Doch die Organisation braucht noch in diesem Jahr Platz für 599 Mitarbeiter.

Das möglich zu machen, ist Aufgabe eines kleinen Teams im Bundesumweltministerium. Hans Mager leitet das Referat Innerer Dienst. Er ist damit für die Bauaufgaben des Ministeriums aber auch federführend für die Bundesregierung für die Herrichtung des UN-Campus zuständig. Mit drei seiner rund 140 Mitarbeiter ist er praktisch der verlängerte Arm der UN - was deren Raumwünsche angeht.

Die Zuständigkeiten sind kompliziert. Eine Rolle spielen das Bundesfinanzministerium, das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR), die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) - und koordinierend für die internationalen Angelegenheiten und damit ganz zentral natürlich das Auswärtige Amt.

Der Bund investiert in die Sanierung des ehemaligen Bundeshauses 60 Millionen Euro, davon werden etwa 6,4 Millionen Euro aus dem Energieeinsparprogramm des Bundesbauministeriums finanziert.

Kommentar Kommentar Lesen Sie dazu auch den Kommentar " UN brachen das WCCB"

Hans Mager, Stefan Körnig, Reinhold Weigand und Ebru Laurenzano-Erbay wissen, dass UN-Organisationen andere Ansprüche an Büroeinheiten haben als deutsche Ministerien oder Behörden "Sie brauchen wesentlich mehr Besprechungsräume, mehr Konferenzbereiche. Da müssen ganz andere Sicherheitsbelange berücksichtigt werden, und auch an die Medientechnik werden höhere Anforderungen gestellt", weiß Mager. Was aber nicht bedeute, dass die Büros luxeriöser als herkömmliche werden.

Noch läuft alles nach Zeitplan: Die Rückbauarbeiten sowie die Instandsetzungsarbeiten an den Bestandsgebäuden sind weitgehend abgeschlossen und die Rohbauarbeiten in vollem Gange. Bis Ende des Jahres sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein, im Frühjahr 2012 ist Einzugstermin, so Andreas Kübler, Pressesprecher des BBR.

Und doch gibt es laut Mager noch keine endgültige Klarheit darüber, wann und wie die noch im Haus Carstanjen verbleibenden mehr als 330 Beschäftigten des Klimasekretariates im UN Campus untergebracht werden sollen. Aber wohin kann sich der UN-Campus erweitern? Zum Rhein hin gibt es nur noch das 1875 erbaute Wasserwerk mit seinem Plenum für 600 Personen und das benachbarte Pumpenhaus von 1892, die beide zum WCCB gehören.

Dazwischen verläuft die Grenze, zurzeit ein blau-weißer Bretterzaun. Nach GA-Informationen gibt es für einen Erweiterungsneubau für das Klimasekretariat schon einen Referentenentwurf, der dem Bundesfinanzministerium zur Zustimmung vorliegt. Eine Option sieht vor, bis 2015/16 zwischen Altem Abgeordnetenhaus und Wasserwerk ein 16-geschossiges Gebäude zu errichten.

Der Referentenentwurf empfiehlt vor allem, Wasserwerk und Pumpenhaus dem Bestand des UN-Campus zuzuschlagen, um nicht nur den Sicherheitsanforderungen der Vereinten Nationen entsprechen zu können, sondern auch, um eine zukunftsweisende städtebauliche und architektonische Lösung zu erreichen.

Dazu müsste allerdings der sogenannte Bellevue-Vertrag über die Entwicklung des internationalen Bonns - der Vertrag zwischen Bund, Land NRW und der Stadt Bonn, der 2002 in Anwesenheit des damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau und des ehemaligen UN-Generalsekretärs Kofi Annan im Berliner Schloß Bellevue unterzeichnet wurde, geändert werden - und auch die Stadt Bonn müsste da mitziehen.

Falls dieser Plan Wirklichkeit wird, könnte auch das Haus Carstanjen in Plittersdorf einer neuen Nutzung zugeführt werden, heißt es. Nach Informationen des GA gibt es gute Chancen, das internationale Bonn weiter auszubauen. Sowohl für neue als auch bestehende UN-Organisationen ist Bonn stets auf der Kandidatenliste. Dies gilt auch für andere internationale Organisationen. So steht die nächste Organisation bereits vor der Tür.

In diesen Tagen wird Dolf Gielen in Bonn erwartet. Er ist der Direktor des Innovations- und Technologiezentrums der vor zwei Jahren gegründeten Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA)mit Hauptsitz in Abu Dhabi.

Er und seine Mitarbeiter werden ihre Arbeit zunächst im Bundesumweltministerium am Robert-Schuman-Platz beginnen. Doch die künftige Unterbringung ist noch offen. Im Gespräch ist unter anderem die ehemalige NRW-Landesvertretung.