Welt der Trickfilme

Pixar-Animator Simon Christen gibt Einblicke in seine Arbeit

BONN.  Simon Christen hat einen Traumjob. Das denkt wahrscheinlich die Mehrheit der Zuhörer gestern im Forum der Bundeskunsthalle - überwiegend Studierende, die an seinen Lippen hängen. Kein Wunder. Der junge Mann, der da in Jeans und schwarzem Sakko über seine Arbeit spricht, ist einer der Animatoren bei den Pixar Animation Studios in Emeryville, ganz in der Nähe von San Francisco.
Wie bewegt eine Maus ihren Kopf: Animatoren wie Simon Christen orientieren sich an der Wirklichkeit. Foto: Barbara Frommann

Er gibt Einblicke in die bunte Welt der animierten Bilder, in die Werkstätten, wo so wunderbare Filme wie Oben, Toy Story, Die Monster AG, Findet Nemo und Ratatouille entstanden. Auf einem märchenhaften Gelände hat Apple-Mitgründer Steve Jobs das Unternehmen aufgebaut - mit Basketballplätzen, Swimmingpool, Bars, einem Amphitheater und anderen Einrichtungen, die nötig sind, "um mal Atem zu holen und seinen Horizont zu erweitern", wie Christen lächelnd bemerkt.

Und dazu gehört es auch, dass jeder sein Büro nach eigenem Geschmack kreiert: Christens Büro sieht aus wie ein im Dschungel abgestürztes Passagierflugzeug aus einem Indiana Jones-Film - wie gesagt, traumhafte Arbeitsbedingungen.

"Was mich an dieser Arbeit fasziniert, ist, dass es keine Grenzen für deine Fantasie gibt", sagt Christen. Aber bei aller Fantasie sei es doch ungemein wichtig, die "Physik nah an der Wirklichkeit zu belassen". Wie viel Arbeit das ist, um etwa Rémy, die Wanderratte in Ratatouille, aufgeregt oder ängstlich blicken zu lassen, um das Fällen eines Baumes, die Bewegungen einer Maus nachvollziehbar darzustellen, und was es alles zu bedenken gilt, um einen Raum in Licht und Schatten zu hüllen, dass die Hose beim Gehen einen echten Faltenwurf entwickelt, das demonstrierte Christen sehr unterhaltend: Für das Fällen eines Baumes braucht es etwa 120 Bilder, also fünf Sekunden, ein Schritt im Lauf einer Maus nur zwei Bilder.

Vier Jahre brauchen die Leute bei Pixar, bis ein Animationsfilm auf die Leinwand entlassen wird. "Pixar Pipeline" nennt er den Ablauf von der Ideenentwicklung bis zur Fertigstellung. Nachdem der Regisseur die Story fertig hat, entwickelt er in kleinen Teams die einzelnen Charaktere. Die Storyboards entstehen, grobe kleine Schwarz-Weiß-Zeichnungen. Dann erst beginnt das Artdepartment mit dem Feindesign der einzelnen Figuren.

Dazu gehört auch die figürliche Darstellung: "So können wir besser nachvollziehen, wie die einzelnen Charaktere in 3D aussehen." Körperhaltung, Knochenbau der Figuren werden gezeichnet - bis hin zu jedem Finger, während sich eine andere Abteilung um die "Filmsets" kümmert: Landschaften entstehen, Häuser mit Einrichtungen. "Jedes Detail bis zum Fußabtreter ist wichtig."

Ein anderes Team kümmert sich nur um Farben, Materialdarstellung bis hin zur Schmutzpatina in Gassen und Häusern. 50 bis 60 Animatoren arbeiten an solch einem Film. Christen: "Du arbeitest manchmal monatelang an einer einzelnen Minute, aber es ist geil." Es gab keinen Widerspruch.

Info: Die Ausstellung , "Pixar - 25 Years of Animation" ist noch bis 6. Januar 2013 in der Bundeskunsthalle, Friedrich-Ebert-Allee 4, zu sehen. Das Museum hat täglich (außer Montag) von 10 bis 19 Uhr geöffnet.

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