Digitale Schnitzeljagd

Per Smartphone-Code zu Lebens- und Wirkungsstätten des Physiker Heinrich Hertz

Station 2, Hotel Kley: Helge David, Ralph Burmester und Jörg Bradenahl (von links) scannen mit ihren Smartphones den passenden QR-Code ein.

BONN. "Wer kennt diesen Mann?" Die Fahndungspostkarte zeigt das schemenhafte Phantombild eines Mannes mit lichtem Scheitel und vollem Backenbart, Typ Jahrhundertwende, irgendwo zwischen Karl May und Friedrich Nietzsche. Einziger Hinweis ist ein QR-Code aus kleinen weißen und schwarzen Quadraten in der linken Kartenecke.

Wer den Code mit seinem Smartphone einscannt, begibt sich auf eine digitale Schnitzeljagd durch Bonn - auf den Spuren von Heinrich Hertz.

Seit einer Woche bietet das Deutsche Museum Bonn in Kooperation mit der Universität und openmuseum.de die "HzCachingTour" an - als Ergänzung zur aktuellen Ausstellung "Heinrich Hertz. Vom Funkensprung zur Radiowelle". "Wir haben die Tour entwickelt, um den Wirkraum des Museums nach draußen zu erweitern", erläutert Helge David von openmuseum.de, der die digitale Schnitzeljagd und den begleitenden Blog konzipiert hat.

Mit Helge David und den beiden Kuratoren der Ausstellung, Ralph Burmester und Jörg Bradenahl, unternimmt der GA eine exklusive erste Tour. Wer dem Entdecker der elektromagnetischen Wellen folgen möchte, braucht nur ein internetfähiges Smartphone und einen QR-Code-Leser. Den kann man sich kostenlos im App-Store oder im Android-Market herunterladen. Wie man einen kostenlosen QR-Code-Scanner bekommt und wie das Einlesen damit funktioniert erklärt Helge David im Blog auf http://heinrichhertz.de/ hertzcachingtour/

Der Blog gibt auch den Startpunkt der Reise mit insgesamt sieben Stationen bekannt: die erste Infotafel am Regina-Pacis-Weg 1 vor dem Kunsthistorischen Institut. In diesem Gebäude lagen zur Zeit des Wissenschaftlers nämlich die Räume des Physikalischen Instituts. An Station 1 wird die Geschichte der Berufung von Heinrich Hertz nach Bonn erzählt. Via Smartphone bekommt man zudem weitere Anekdoten und Informationen. Der Leser kann sich an Ort und Stelle in die damalige Zeit versetzen.

Am Ende jedes Blog-Eintrags erfährt der Hertz-Cacher, wie er zur nächsten Station gelangt. Die dazu passende Infotafel liegt in diesem Fall an der Adenauerallee, Ecke Fußgängerampel Koblenzer Tor. Dort stand früher das Hotel Kley. 1888 weilte Heinrich Hertz zu Vertragsverhandlungen in Bonn und übernachtete in ebendiesem Hotel.

"Er hatte den Baedeker Rheinland dabei", berichtet Helge David. Was Hertz dort las, kann man ebenfalls via QR-Code im Blog verfolgen und auch das alte Hotel betrachten, das Anfang des 20. Jahrhunderts abgerissen wurde.

Der Blog verweist auf den Standort der nächsten Tafel an der Uni-Bibliothek, Adenauerallee. Dort geht es um den Hertz-Schüler und späteren Nobelpreisträger Philipp Lenard, der Hertz' Forschungen zu den Kathodenstrahlen fortsetzte.

Laut Ralph Burmester ein "verbitterter Einzelgänger", der seinen Lehrmeister erst als Mensch und Wissenschaftler verehrte, später im Nationalsozialismus aber über Forscher und Werk herzog. Auch das lässt sich im Blog nachvollziehen, das auch mit Hyperlinks versehen ist, also weitere Fundstellen im Internet benennt.

Weitere Stationen der digitalen Schnitzeljagd sind das Wohnhaus von Hertz an der Quantiusstraße, die Alte Sternwarte, das Physikalische Institut und das Deutsche Museum Bonn mit der Ausstellung als Schlusspunkt. Die Kuratoren Burmester und Bradenahl wünschen sich, dass die Tour gerade die Neugier junger Bonner weckt und die QR-Code-Jäger Heinrich Hertz und die Wissenschaftsstadt Bonn danach mit anderen Augen sehen.

Weitere Informationen gibt es auf www.heinrichhertz.de und www.deutsches-museum-bonn.de. Die Ausstellung und die begleitende "HzCachingTour" dauern bis zum 13. Januar 2013.