Patienten aus der ganzen Welt kommen nach Bad Godesberg

In der Elisées-Klinik gibt es einen speziellen Service für Patienten aus dem arabischen Raum.

In der Elisées-Klinik gibt es einen speziellen Service für Patienten aus dem arabischen Raum.

Jährlich kommen rund 73.000 Patienten von außerhalb nach Bad Godesberg - vorwiegend aus Frankreich, den Niederlanden und anderen EU-Ländern, viele jedoch auch aus dem außereuropäischen Raum, um sich medizinisch versorgen zu lassen.

Bad Godesberg. "Klack, klack, klack" macht es, als die große Frau mit den dunkel geschminkten Augen auf ihren hohen Hacken die Marmorstufen der Elisées-Klinik hinauf steigt. Im Empfangsbereich setzt sich die Dame auf einen Ledersessel, dessen dunkler Bezug farblich perfekt zu ihrem schwarzen Schleier passt.

Die von Kopf bis Fuß verhüllte Maha Alnime aus Saudi-Arabien wird von Ghadah Baroud in Empfang genommen: Die 30-jährige Dermatologin ist die Ansprechpartnerin für Patienten aus dem arabischen Raum. Für sie gibt es hier einen speziellen Service - vom Essen über heimatliche Fernsehsender bis hin zu Dolmetschern.

Jährlich kommen rund 73 000 Patienten von außerhalb nach Bad Godesberg - vorwiegend aus Frankreich, den Niederlanden und anderen EU-Ländern, viele jedoch auch aus dem außereuropäischen Raum. Bonn hat sich als qualitativ hochwertiges Gesundheitszentrum international einen guten Ruf erworben, wie der Krankenhaus Rating Report 2008 des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung zeigt.

Die Auslandspatienten bekommen in Bonn eine Behandlung, die in ihren Heimatländern nicht möglich ist - komplizierte Krebs-OPs, Nierentransplantationen und Eingriffe am Herzen. Hier herrscht bundesweit die zweithöchste Klinikdichte (nach der Metropole Ruhr), und mit den 120 Apotheken kann keine andere Stadt in NRW mithalten. Noch immer profitiert die Stadt von ihrer Vergangenheit als Bundeshauptstadt. So hat die Botschaft von Katar eine eigene medizinische Abteilung, die ihren Landsleuten eine Behandlung in Bonn vermittelt.

Die Araber kommen der hochwertigen medizinischen Behandlung wegen - und selten allein, erzählen Experten aus Kliniken und von Universitäten. Während sie behandelt würden, gebe die mitgereiste Begleitcrew in den Boutiquen, Restaurants und Hotels eine Menge Geld aus.

Manches sei bei den arabischen Gästen anders - so werden Frauen Fremden nicht mit Namen vorgestellt, Entscheidungen treffen grundsätzlich die Männer, und am Krankenbett einer arabischen Frau werden Ärztinnen wesentlich lieber gesehen als Ärzte. Für ihre Anpassungsfähigkeit würden die Kliniken von ihren Patienten aus dem Morgenland entschädigt: Zwar gelten die Standardpreise auch für sie, doch häufig berechneten die Kliniken Zuschläge für Dolmetscher, Transferdienste und Ernährungsextras.

Professionell organisiert wurde das Werben um die Patienten aus dem Orient von 2006 bis 2009 von "Bonn Medical Partners" unter dem Schirm der Bonner Tourismusabteilung. Durch "Werbung auf Messen, Delegationstrips aus und in den arabischen Raum und Verbesserung der Services speziell für arabische Patienten" wollte man Bonn noch attraktiver für OP-Kurzurlauber machen. Mit Erfolg.

Doch dieses Geschäftsmodell könnte bald zum Auslaufmodell werden, glaubt Jens Juszczak, der an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg zum Thema Auslandspatienten forscht: "Schon jetzt stagnieren die Zahlen des Geschäfts mit dem arabischen Markt, und es wird künftig abnehmen." Islamfeindliche Tendenzen in Europa, die Aufstände in Nordafrika und steigende Kosten ließen die Scheichs umdenken.

Außerdem biete für viele Asien inzwischen günstigere Behandlungsalternativen an. Das muss jedoch nicht automatisch leere Betten bedeuten. Juszczak sieht in Patienten aus der ehemaligen Sowjetunion die nächste große Zielgruppe für die Bad Godesberger Kliniken. Und tatsächlich hat sich seit 2004 der Anteil von Russen in den Kliniken der Region Bonn mehr als verdoppelt.

Mittlerweile belegen sie nach den Patienten aus den EU-Nachbarländern Rang 5 der ausländischen Nationalitäten, die zur Behandlung kommen. Juszczak warnt davor, die Veränderungen auf dem Markt zu verschlafen - und empfiehlt eine schnelle Anpassung an die Erwartungen der russischen Patienten.

Dass sich jetzt das Blatt in Richtung Russland zu wenden scheint, könnte für die Kliniken einen Vorteil haben: So viel Geld arabische Gäste auch in den Bonner Geschäften lassen - mit der Bezahlung ihrer Klinikrechnung lassen sich mache Zeit, sagt Gesundheitsexperte Juszczak. Russische Patienten gelten in dieser Hinsicht als flotter.