Pater am Collegium Josephinum suspendiert

Bonn. Der Redemptoristenorden hat einen Pater am Collegium Josephinum (CoJoBo) suspendiert. Hintergrund sind Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen den Mann, der auch als Klassenlehrer am katholischen Jungengymnasium eingesetzt war.

Die Entscheidung fiel laut Schulleiter Peter Billig, nachdem er am 19. Januar offiziell von den Ermittlungen erfahren habe. "Auf Anraten der Bezirksregierung hat der Ordensprovinzial den Pater bis auf Widerruf von seinen Dienstpflichten entbunden", sagte Billig.

"Das ist keine Vorverurteilung, sondern geschieht aus der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers heraus. Wir wollten uns nicht anders verhalten, als das im öffentlichen Schuldienst üblich ist." "Uns sind zwei Sachverhalte zur Kenntnis gebracht worden, die einen strafbaren Hintergrund haben könnten", bestätigte Oberstaatsanwalt Fred Apostel.

"Beide prüfen wir." In einem Fall geht es um einen damals Elfjährigen, dem der Pater vor drei Jahren ohne Zustimmung der Eltern ein Zäpfchen verabreicht haben soll. Eine weitere Familie hat ebenfalls Anzeige erstattet: Der 16-jährige Sohn soll sich im vergangenen Schuljahr mit Bauchschmerzen an den Pater gewandt haben.

Dieser habe ihn im Sanitätsraum abgetastet und dabei auch den Schambereich berührt, berichteten die Eltern dem GA. Die jahrelang praktizierte Zäpfchengabe an kranke Schüler sorgt seit Wochen für Unruhe am CoJoBo. Die vom Orden beauftragte Kölner Pädagogin Michaela Schumacher hat in einem Zwischenbericht allerdings keine strafbaren Handlungen festgestellt, wie der Orden den Lehrern kürzlich mitteilte.

Nach Auskunft des Schulleiters gibt es keine Vorwürfe gegen den Schulsanitätsdienst und dessen Leiter Pater Jürgen Langer. Das umstrittene Medikamentenkonzept sei vorerst ausgesetzt und werde gemeinsam mit Eltern überarbeitet.