Oberbürgermeisterwahl: Fast alle Bonner Kandidaten wollen alte Regelung

GA-Umfrage unter Bewerbern

Bonn. Dem Streit um den Kommunalwahl-Termin folgt Ärger um die Stichwahl für das Amt des Oberbürgermeisters. Die Opposition in Düsseldorf will dagegen klagen, dass sie abgeschafft wurde; auch die meisten Bonner OB-Kandidaten wollen die Stichwahl zurück. Das zeigte sich bei einer GA-Umfrage unter sechs Bonner OB-Bewerbern.

Welchen Kandidaten es nutzt oder schadet, wenn sie nach Verfehlen der absoluten Mehrheit in die Stichwahl müssen, ist Jürgen Nimptsch egal. "Von Interesse ist allein", so der SPD-OB-Kandidat, "dass ein Stadtoberhaupt von möglichst vielen Menschen gewählt sein sollte, um dem Anspruch gerecht werden zu können, Oberbürgermeister für alle Bonner zu sein." Das würde auch den OB in seinem Amt stärken und unabhängiger machen.

Bekanntester Verlierer war in Bonn Helmut Stahl (CDU), der 1999 im ersten Wahlgang siegte, aber noch von Bärbel Dieckmann (SPD) in der Stichwahl abgefangen wurde. Für den jetzigen CDU-Kandidaten Christian Dürig gibt es gute Gründe für und gegen die Stichwahl, meinte er, hält die Frage nach der OB-Legitimation aber für akademischer Natur.

"Denn seit Jahr und Tag werden auch die Bundestagskandidaten in einem Wahlgang gewählt. Sollte denen plötzlich auch die Legitimation fehlen, wenn sie weniger als 50 Prozent der Stimmen erhalten?" FDP, Grüne, Bürger Bund und Linke wollen am liebsten die alte Stichwahl-Regelung zurück.

Ansonsten könne ein Bewerber schon von 15 Prozent aller Wahlberechtigten zum OB gewählt werden, meint Peter Finger. Werner Hümmrich (FDP) sieht das ebenso, aber er weist auf die durchweg niedrigere Wahlbeteiligung bei Stichwahlen hin, weshalb er zwiegespalten sei. Keiner der Bonner OB-Bewerber wird am 30. August mehr als 30 bis 40 Prozent der Stimmen bekommen, glaubt Bernhard Wimmer (Bürger Bund).

In dieser Situation die Stichwahl zwischen den beiden Bestplatzierten abzuschaffen, ist für den BBB-Kandidaten "ein grober Verstoß gegen die guten demokratischen Sitten". Er ist sich damit einig mit Linken-Kandidat Michael Faber, der damit den Wählerwillen auf den Kopf gestellt sieht.