Sanierung

Oberbürgermeister legt Pläne für das Stadthaus auf Eis

Für die Sanierung des Stadthauses fehlt das Geld.

28.05.2012 BONN. Eher beiläufig hat Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch vorige Woche ein seit langem heftig diskutiertes Großprojekt von der Tagesordnung abgesetzt: die überfällige Grundsanierung des maroden Stadthauses. Nur nötigste Instandhaltungsmaßnahmen sollen in den nächsten Jahren gemacht werden, verriet der OB jetzt bei einem Bürgergespräch.

Dazu gehört die gläserne Fassade, deren Scheiben sich - so haben Überprüfungen ergeben - an vielen Stellen gelockert haben und die deshalb Nimptsch zufolge im kommenden Jahr abgehängt werden sollen.

Die Scheiben, 3300 an der Zahl, messen 1,12 Meter mal 1,32 Meter und wiegen rund 50 Kilogramm. Eine Funktion haben sie nicht, sie bilden lediglich ein gestalterisches Element. Die Kosten für die Entfernung kann das Städtische Gebäudemanagement (SGB) noch nicht nennen.

Das SGB bereitet zurzeit einen Zeit- und Kostenplan vor, der in den nächsten Wochen fertig gestellt wird, teilte das Presseamt mit. "Wir werden das Stadthaus sanieren, aber über einen viel längeren, Zeitraum als ursprünglich geplant", sagte der OB.

Wie berichtet, muss Stadtkämmerer Ludger Sander in den nächsten Wochen ein Loch von mehr als 20 Millionen Euro schließen, um einen genehmigungsfähigen Doppelhaushalt für 2013/14 vorlegen zu können.

Der Etat soll nach der Sommerpause im Rat eingebracht und im Dezember verabschiedet werden. Für die Grundsanierung des Stadthauses hat Sander in den nächsten beiden Jahren keinen Cent vorgesehen.

Noch vor wenigen Monaten sah die Welt ganz anders aus: Da war sogar die Rede von einem Abriss und Neubau der in den 70er Jahren errichteten Verwaltungszentrale an anderer Stelle. Zur Rede stand unter anderem das Areal des ehemaligen Polizeipräsidiums an der B 9. Ein Projekt, das vor allem die SPD forcierte, zumal man damals glaubte, einen großzügigen Stifter gefunden zu haben, der der Stadt für dieses Vorhaben mit rund 50 Millionen Euro unter die Arme greifen würde.

Doch der Stifter entpuppte sich bald als ganz normaler Investor, der selbstredend zuvorderst seine wirtschaftlichen Interessen im Blick hatte.

Im Januar präsentierte das Städtische Gebäudemanagement dann ein Papier, nach dem eine Sanierung des Verwaltungshochhauses die Stadt doch preiswerter komme als Abriss und Neubau. Letzteres war vor allem bei der schwarz-grünen Ratsmehrheit auf wenig Gegenliebe gestoßen.

Zum einem müsste dann der Buchungswert des Gebäudes von etwa 50 Millionen Euro gestrichen werden, was der Stadt wohl unweigerlich den Nothaushalt beschert hätte. Zum anderen bilden die rund 1500 Mitarbeiter im Stadthaus sowie die täglichen Besucher eine nicht unerhebliche Kaufkraft für die Bonner Innenstadt-Geschäfte.

Um die 138 Millionen Euro soll laut dem SGB-Papier die Sanierung kosten. Auch auf die Frage, wie mehr Platz gewonnen werden könnte, hat das SGB eine Antwort gefunden: So könnten die freien Flächen des Stadthausareals entlang der Max- und Weiherstraße bebaut werden. Rund 17.000 Quadratmeter Fläche könnten so dazu gewonnen werden.

"Dass jetzt noch kein Geld im Haushalt bereitgestellt ist, heißt nicht, dass die Sanierung nicht kommt", betonte Reinhard Limbach (CDU), Vorsitzender des Projektbeirats Stadthaus. Die Ratskoalition werde sich die Zahlen jetzt mit der "gebotenen Tiefenschärfe" ansehen, erklärte er. Allerdings räumte er ein: "Ehrlich gesagt, weiß ich auch nicht, woher wir dafür zurzeit das Geld nehmen sollen." (Lisa Inhoffen)