Nur die Karosserien bleiben erhalten

Statt neue zu kaufen, modernisieren die Stadtwerke ihre alten Bahnen - Das spart rund 45 Millionen Euro

Bonn. Eine Sparmaßnahme, die Arbeitsplätze schafft, findet man in Unternehmen selten. Doch genau das verbirgt sich hinter dem sogenannten Fahrzeugertüchtigungsprogramm der Stadtwerke Bonn (SWB), mit dem 25 Stadtbahnenwagen aus den Jahren 1974 bis 1977 umfassend saniert werden.

Weil deren Betriebsdauer auf 30 bis 35 Jahre ausgelegt ist, musste sich die Verkehrsexperten etwas einfallen lassen. Allerdings hatte man bei den SWB Bedenken, einfach neue Bahnen zu kaufen.

"Was man heute auf dem Markt bekommt, hat nicht die Qualität, die wir wollen", sagte am Montag Heinz-Jürgen Reining, Geschäftsführer der Stadtwerke Bus und Bahn. Und da sich die alten Bahnen durch eine stabile Karosserie und eine Luftfederung auszeichnen würden, entschloss man sich kurzerhand, sie umfassend zu modernisieren.

Umfassend ist dabei aber noch untertrieben. Von der ersten Bahn, die nun im Betriebshof Beuel entkernt wurde, ist nicht viel mehr als die Karosserie übrig geblieben. Neue Türen und Fußboden stehen ebenso auf dem Umbrauprogramm wie eine neue Beleuchtung, Haltestangen und Sitzbänke. Dazu kommt unter anderem eine verbesserte Elektronik und ein neuer Antrieb. Das alles diene dazu, "die Qualität für die Fahrgäste zu erhöhen", sagte Werner Esser, Aufsichtsratsvorsitzender der SWB Bus und Bahn.

Ebenso wird die Fahrerkabine größer und mit einer Klimaanlage ausgestattet. Für die Arbeiten haben die SWB im Betriebshof Beuel eigens eine neue Werkstatt eingerichtet sowie zehn neue Mitarbeiter eingestellt.

Vorbild für die Umbauarbeiten ist ein Prototyp, den eine Firma in Neuss nach Maßgaben der SWB anfertigt hat. Dabei handelt es sich um ein Fahrzeug, dass die Feuerwehr Bonn bisher zu Übungszwecken benutzte. Jetzt erstrahlt das Fahrzeug in neuer Optik und mache, wie Reining findet, einen "dynamischen Eindruck".

Der Ansatz aus alt mach neu spare nach Angaben von Reining viel Geld. 22,5 Millionen Euro habe man für die Umbauarbeiten veranschlagt, 25 neue Bahnen würden gut 68 Millionen Euro kosten. Die für einen Neukauf üblichen Zuschüsse der Stadt erhalte man auch für die Modernisierung, berichtete Reining. Die erste Bahn soll Ende 2009/Anfang 2010 fertig sein. 2010 wolle man zwei, ab 2011 jährlich vier Fahrzeuge sanieren.