Neues von der Rosenburg: Wohnungen statt Büros

Verkaufsverhandlungen zwischen dem Bund und einem Aachener Investor stehen kurz vor dem Abschluss - Mit dem Umbau der Rosenburg soll bereits in vier Monaten begonnen werden

Kessenich. Es tut sich was an und mit der Rosenburg. Für das Kleinod am Venusberghang, das zur Ruine zu verkommen droht, hat ein Aachener Investor eine Bauvoranfrage eingereicht, "die unsere Rahmenbedingungen erfüllt" sagte der Leiter des Bauordnungsamtes, Hans-Peter Spindeldreher, dem GA.

Der Investor sagte dem GA, in der Burg wolle man ab kommendem Juli/August 43 Eigentums-Wohnungen integrieren; die Nebengebäude sollen abgerissen und auf dem Areal sechs Einfamilienhäuser errichten. Nach Angaben des Sprechers der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), Guido Déus, stehen die Verkaufsverhandlungen der Bundesimmobilie mit dem Investor kurz vor dem Abschluss.

Auf diesem Stand war man bereits Mitte vergangenen Jahres. Damals hatte ein anderer Investor Interesse an dem in Bonn einzigartigen Objekt gezeigt und eine Bauvoranfrage im Stadthaus hinterlegt. Dort überwog jedoch die Skepsis, da die geplanten Neubauten - zwei- bis viergeschossige Wohngebäude - "wesentlich" über den Bestand hinausgingen.

Und da es sich um Landschaftsschutzgebiet handelt, das einen besonders sensiblen Umgang mit der Natur notwendig macht, wollte das Bauordnungsamt nochmals mit dem potenziellen Investor ins Gespräch kommen - "doch der hat sich nicht mehr gemeldet", sagte der Amtsleiter.

Nun also eine neue Anfrage, die laut Spindeldreher genehmigungsfähig ist. Der Gesamtkomplex auf dem 97 000 Quadratmeter großen Grundstück besteht aus dem Hauptgebäude mit Turm, dem Gärtnerhaus, Pferdeställen, den beiden Gebäudeflügeln samt Kapelle und einem Bürogebäude. Von der Stadtverwaltung wird eine "weitere Nutzung als Büro- oder Gewerbestandort eher als kritisch gesehen und eine Wohnnutzung bevorzugt", heißt es in einem BImA-Exposé.

Dass das Hauptgebäude dringend sanierungsbedürftig ist, daran besteht bei allen Fachleuten kein Zweifel. So war schon vor dem Auszug der Bundesakademie für Sicherheitspolitik und des Streitkräfteamtes vor gut drei Jahren in einer Brandschau festgestellt worden, dass ein "erhöhtes Brandrisiko sowie Gefahr für Leib und Leben" bestehe.

Fazit der Sachverständigen der Wehrbereichsverwaltung: "Wir empfehlen die unverzügliche Schließung der gesamten Liegenschaft Rosenburg". Keinen schönen Anblick bietet nach wie vor auch die Kapelle: Der Altarraum modert vor sich hin und wurde durch eine Mauer abgetrennt, um in dem so geschaffenen Raum Akten aufbewahren zu können.

Die Rosenburg - eine (fast) unendliche Geschichte. Zwischen 1822 und 1831 ließ sie sich der Bonner Paläontologe und Zoologe Professor Georg August Goldfuß im neoromanischen Stil errichten. Sie wurde zwar nicht an der selben Stelle wie jene Burg gebaut, die etwas höher lag, aber Goldfuß pflanzte ebenfalls Kletterrosen an und gab seinem Domizil auch den Namen des Vorgängerbaus: Rosenburg.

1862 erwarb der Düsseldorfer Seidenfabrikant Gustav Schlieper das Anwesen für 8 000 Taler, das er 1919 wieder verkaufte. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs nutzte die Uni-Klinik die Immobilie vor ihrem Umzug auf den Venusberg. 1950 wurde sie dem Justizministerium übergeben; 20 Jahre später erwarb der Bund die Liegenschaft, die anschließend vom Streitkräfteamt und der Bundesakademie für Sicherheitspolitik genutzt wurde.

Nach dem Berlin/Bonn-Beschluss wollte der Bund die Immobilie los werden - ohne Erfolg. Mitte der neunziger Jahre war das Anwesen sogar als Standort für die dritte Gesamtschule im Gespräch, nicht zuletzt wegen der Bibliothek und des Speisesaals. Doch auch dieser Plan scheiterte.

Stichwort: Die BImA

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben ist eine Anstalt des öffentlichen Rechts mit Sitz in Bonn, Ellerstraße 56. Sie wurde 2005 gegründet und hat die Aufgaben der Bundesvermögensverwaltung übernommen.

Zu ihren Aufgaben zählen vor allem ein Ressort übergreifendes, einheitliches Immobilienmanagement innerhalb der Bundesverwaltung, die Deckung des Grundstücks- und Raumbedarfs für den Bund sowie die Verwaltung und Verwertung von Grundstücken, die nicht mehr vom Bund benötigt werden.

Derzeit umfasst das Immobilienvermögen der Bundesanstalt etwa 50 000 Wohnungen, mehr als 1 600 dienstlich genutzte Liegenschaften und etwa 300 000 Hektar Grundstücksfläche (größer als das Saarland); rund die Hälfte Land- und Forstflächen.

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